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Was tun Stars, wenn sie nicht in Wien sind?

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Fast alle Superstars des Klassik-Business sind übers Jahr in Wien zu Gast. Wo sie sonst noch singen und wie sich die meisten ziemlich rarmachen, ist ein Lehrstück über die Attraktivität der heimischen Opern und Konzerthäuser.

Die Wiener Musiksaison beginnt mit einem spannenden Debüt: Bryn Terfel singt erstmals an der Staatsoper Wagners „fliegenden Holländer“. Yannick Nézet-Séguin debütiert am Dirigentenpult, die Senta singt Ricarda Merbeth. Terfel, einer der meistgesuchten Sänger im internationalen Klassik-Starkarussell, macht sich (nicht nur in Wien) rar. Den Holländer präsentiert er kommenden Februar auch am Royal Opera House Covent Garden in London. Außerdem singt er dort in der neuen Spielzeit den Dulcamara in Donizettis „Liebestrank“. Weiters auf Terfels Terminplan: der Scarpia in Puccinis „Tosca“ – in Hannover. Außerdem Graf Almaviva in Mozarts „Figaro“ im Festspielhaus von Baden-Baden. Das war's dann mit Terfels Opernauftritten.

Und die anderen Superstars? Jonas Kaufmann, der Vielgeliebte, gibt 2014/15 zwei Liederabende im Konzerthaus, einen mit Werken von Schumann und Strauss (13.Dezember) und eine Operettengala (14.Mai).

Und sonst? Kaufmann singt bei den Osterfestspielen 2015 in Salzburg in „Cavalleria rusticana“ und „Bajazzo“, an der Met den Don José in „Carmen“ (September/März), in London „André Chénier“ (Jänner/Februar) sowie in München in Verdis „Macht des Schicksals“ und Puccinis „Manon Lescaut“ (November/Dezember).

Dabei trifft er auf Anna Netrebko, die ihre Saison an der New Yorker Met als Verdis Lady Macbeth beginnt. In Zürich und an der Wiener Staatsoper gibt sie die Titelpartie in Donizettis „Anna Bolena“, in London die Mimi (Mai/Juni). Zum Saisonausklang ist sie Tschaikowskys Iolanta – diesmal in Monte Carlo.

Elīna Garanča, einst an Netrebkos Seite in „Anna Bolena“, singt in Wien ab 6.April den Octavian im „Rosenkavalier“. An der Met ist sie als Carmen angesetzt, in Genf und Baden-Baden als Romeo in Bellinis „Capuleti“. An der Deutschen Oper in Berlin gibt sie im November den Rosenkavalier, 2015 ist sie die Carmen an der Scala, wo sie im Juni auch in „Cavalleria rusticana“ zu erleben ist. Die Arie der Santuzza aus Mascagnis Einakter ist Teil des Garanča-Programms am 15.Oktober im Konzerthaus, wo sie am 18.November auch das Gastkonzert des Concertgebouw-Orchesters unter Robin Ticciati (mit Berlioz' „Tod der Cleopatra“) veredelt.

Der höhensicherste aller Tenöre, Juan Diego Flórez, ist heuer in Donizettis „Elisir d'amore“ (September und Mai) sowie in „Don Pasquale“ in Wien an der Staatsoper zu erleben. Außerdem singt er Gounods Romeo in Lima (November). In Rossinis „La donna del lago“ ist er an der Met (Februar), in dessen „Otello“ an der Scala zu erleben. (Jürgen Flimms Inszenierung mit Olga Peretyatko und Gregory Kunde hat übrigens, apropos Stars, Anselm Kiefer ausgestattet.)

Anja Harteros ist Tosca in München und Berlin. In München singt sie auch die Leonora in der „Macht des Schicksals“ und im „Troubadour“ und wechselt für die Opernfestspiele dann ins Strauss-Fach als Arabella. In Wien ist sie die Elisabeth in Verdis „Don Carlos“ (ab 22.Februar) und singt am 8. und 10.Dezember im Konzerthaus Richard Strauss' „Vier letzte Lieder“.

 

Zweimal Gruberova

Edita Gruberova beschränkt sich 2014/15 auf „Roberto Devereux“ in Wien, München und an der Deutschen Oper Berlin sowie auf die Alaide in Bellinis „La Straniera“ im Theater an der Wien.

Krassimira Stoyanova, die ihren persönlichen Triumph als Marschallin im „Rosenkavalier“ kommende Saison ein zweites Mal auskosten wird, präsentiert sich als vielseitigste Sopranistin von allen, singt sie doch demnächst in San Francisco die Amelia in Verdis „Maskenball“, an der Wiener Staatsoper die Mimi (Oktober/November), Verdis Aida in Rom, die Mathilde in Rossinis „Wilhelm Tell“ in München und Gounods Margarethe in Paris (März) und in Berlin (Juni).

Bei „Aida“ steht Riccardo Muti am Dirigentenpult, der in Rom im Mai auch Mozarts „Figaro“ einstudiert. In Wien ist Muti Ende April Gast der Philharmoniker, aber schon ab Ende Oktober für eine Serie mit seinem Chicago Symphony Orchestra im Musikverein zu Gast, die mit zwei Aufführungen von Verdis Requiem zu Allerheiligen und Allerseelen endet. Piotr Beczala singt das Tenorsolo.

Beczala ist an der Staatsoper in Dvořáks „Rusalka“ zu erleben und singt dann den Herzog in der Neuinszenierung von Verdis „Rigoletto“, die unter Franz Welser-Mösts Leitung am 20.Dezember herauskommt. Beczala ist heuer außerdem in Tschaikowskys „Iolanta“ sowie als König Gustav in Verdis „Maskenball“ an der Met zu sehen, als Faust in Paris, und gegen Saisonende als Rudolf in „La Bohème“ in Covent Garden.

Tenor-Altmeister Neill Shicoff feiert sein 40.Bühnenjubiläum am 3.Mai in der Wiener Staatsoper mit Kollegen wie Agnes Baltsa, Krassimira Stoyanova, Anja Silja und Ferruccio Furlanetto. Schon am 23. Februar nimmt die Staatsoper für ihn Halevys „Jüdin“ mit Soile Isokoski wieder ins Programm.

Ein Kollege, der sich rarmacht, ist Marcelo Álvarez, der heuer im Oktober und November den Cavaradossi in Puccinis „Tosca“ in Paris singt, dann in São Paulo, an der Met und in Berlin in den Opernzwillingen „Cavalleria“/„Bajazzo“ sowie in Paris in Cileas „Adriana Lecouvreur“ zu erleben ist.

Namensvetter Carlos Álvarez ist in einer Zarzuela in Madrid, als Escamillo („Carmen“) in Hannover, als Wilhelm Tell in Bologna und in Saint-Saens' „Samson und Dalilah“ in Oviedo avisiert. An der Wiener Staatsoper gibt er den Riccardo Forth in Bellinis „Puritanern“ an der Seite von Olga Peretyatko (ab 28. Februar).

 

Drei Generalmusikdirektoren für Strauss

Das Richard-Strauss-Jahr beschert Wiener Musikfreunden Wiederbegegnungen mit Christian Thielemann („Ariadne auf Naxos“ ab 12. Oktober) und Kirill Petrenko („Rosenkavalier“ ab 20. November). Generalmusikdirektor Welser-Möst widmet sich Anfang 2015 dann der Wiederaufnahme der erfolgreichen John-Neumeier-Choreografie der „Josephslegende“ und studiert im März dann „Elektra“ neu ein – Nina Stemme, die ab 11.September noch einmal als Puccinis „Mädchen aus dem goldenen Westen“ zu erleben ist, debütiert als Elektra (29. März).

Christian Thielemann dirigiert im Übrigen Oper vor allem an seiner Dresdner Semperoper: „Arabella“, „Capriccio“ und der „Rosenkavalier“ stehen auf dem Programm, im Mai 2015 folgt ein neuer „Freischütz“. Er kommt als Dresdner Generalmusikdirektor aber auch mit seinem Orchester zu den Salzburger Osterfestspielen – und zu zwei Konzerten im Mai in den Wiener Musikverein.

Kirill Petrenko, GMD in München, dirigiert „daheim“ die „Frau ohne Schatten“ und Zimmermanns „Soldaten“, im Jänner/Februar aber auch Donizettis „Lucia di Lammermoor“ mit Diana Damrau und Pavol Breslik. Außerdem studiert er in München den „Ring des Nibelungen“ ein. Zur nämlichen Zeit (Mai und Juni) dirigiert Sir Simon Rattle Wagners Tetralogie erstmal an der Wiener Staatsoper. In der Vorbereitungsphase und als „Intermezzo“ leitet Rattle am 3.Mai seine Berliner, am 26.Mai die Wiener Philharmoniker im Musikverein, am 28. im Konzerthaus, wobei eine neue symphonische Collage aus Werken Joseph Haydns zur Aufführung gelangt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2014)