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J'accuse! Bei Israel ist Bundespräsident Fischer befangen

Heinz Fischer ist bezüglich Israel emotional voreingenommen. Vermutlich treibt ihn der Kreisky-Ödipus-Komplex, von dem er sich offensichtlich nie befreien konnte.

Der Bundespräsident der Republik Österreich nutzt die Eröffnung des Europäischen Forums Alpbach vor allem für eine Aussage: Das Vorgehen Israels im Gaza-Krieg hätte eine „beträchtliche, wenn nicht extreme Unverhältnismäßigkeit“ aufgewiesen. Zur Immunisierung seiner Aussage schiebt er dann auch noch die Schutzbehauptung nach, dass nicht jede Kritik an Israel „auf die Ebene des Antisemitismus gehoben werden“ kann. Hat er Angst, das könnte jemand behaupten?

Erstens: Es ist bedenklich, wenn eine solch scharfe Kritik an Israel das wichtigste Anliegen des österreichischen Bundespräsidenten bei einer – für Österreich – so bedeutenden außenpolitischen Veranstaltung wie dem Forum Alpbach ist. Heinz Fischer sorgt sich also nicht um den eskalierenden Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, mit weitreichenden Folgen für die Europäische Union und Österreich und bisher – laut Angaben der Vereinten Nationen – 2700 Toten, vornehmlich Zivilisten.

Nein, auch der Bürgerkrieg in Syrien mit geschätzten 200.000 Todesopfern, darunter zahllosen Zivilisten, Frauen und Kindern, und Millionen von Flüchtlingen, oder schließlich die Massenmorde im Irak – alle diese Gräuel treiben Fischer nicht so um wie die Frage, ob Israels Reaktion auf die jahrelangen Raketenangriffe der Hamas nicht nur beträchtlich, sondern sogar extrem unverhältnismäßig waren.


Zweitens: Die Kritik an Israel dominiert dann auch die offizielle Homepage des Bundespräsidenten. Geben Sie doch einfach einmal www.bundespraesident.at ein, dann finden Sie auf der Startseite insgesamt sechs Berichte. Zwei davon beziehen sich mit ihrem Titel auf Israels Tadel durch Fischer. Das Thema Israel brennt dem Bundespräsidenten offensichtlich so unter den Nägeln, dass er sich sogar auf eine Polemik mit jüdischen Kritikern seiner Alpbach-Rede einlässt. Ist dies das übliche Verhalten des österreichischen Bundespräsidenten? Nein!

In Sachen Israel ist Fischer ohnehin bereits übel beleumundet. So nutzte er letztes Jahr den staatlichen Anlass des Neujahrsempfangs für das Diplomatische Corps für einen Rundumschlag gegen Israel und widmete sich erst danach den eigentlich viel wichtigeren Themen eines österreichischen Bundespräsidenten. Heinz Fischer steht mit diesem Verhalten in bester Tradition seines politischen Ziehvaters und Förderers Bruno Kreisky.


Fischer bewegte sich seit den 1960er-Jahren im Dunstkreis des früheren Bundeskanzlers Bruno Kreisky, der ja berüchtigt war für seine Hasstiraden gegen Israel. Kreisky beschimpfte israelische Politiker mit antisemitischen Stereotypen, bezeichnete sie als Faschisten und Israel insgesamt als „semi-faschistischen“ Staat. Der jüdische Bundeskanzler verfuhr auch mit dem Judentum nicht gerade zimperlich. So meinte er 1975, die Juden seien kein Volk, doch sollten sie es sein, wären sie ein „mieses Volk“.

Bruno Kreisky negierte Zeit seines Lebens die Bedrohung Israels durch seine arabischen Nachbarstaaten und den Terrorismus der Palästinenser. Er suchte den Fehler immer nur auf der israelischen Seite und bezeichnete sich selbst schließlich nicht mehr als objektiv. Auch die Leugnung des zunehmend stärker werdenden Antisemitismus in den arabischen Gesellschaften gehört zu den großen Fehleinschätzungen Bruno Kreiskys.

So vorsichtig und abwägend sich Bundespräsident Fischer sonst zu politischen Themen äußert, so sehr ist er getrieben vom Bedürfnis, Israel immer wieder zu verurteilen, und dabei gerät ihm auch ganz schnell Schaum vor den Mund. Das alles sind eindeutige Zeichen emotionaler Voreingenommenheit, die sich kein Spitzenpolitiker und schon gar nicht der österreichische Bundespräsident leisten sollte.

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Zum Autor:

Mag. Martin Engelberg ist Psychoanalytiker, Geschäftsführer der Wiener Psychoanalytischen Akademie,
geschäftsführender Gesellschafter der Vienna Consulting Group sowie
Mitherausgeber des jüdischen Magazins „NU“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2014)