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Hilfe für Baumax: Haselsteiner kauft Essl-Sammlung

(c) APA/HANS KLAUS TECHT
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Die Sammlung Essl gehört nun zu 60 Prozent der Stiftung von Hans Peter Haselsteiner. 42 Banken stimmten dem Verkauf zu. Über einen Deal, der in Windeseile über die Bühne ging.

Wien. „Man muss nicht immer ein Geschäft machen. Besser gesagt, es ist auch ein Geschäft, wenn eine bestehende Sammlung nicht entwertet wird“, sagte Hans Peter Haselsteiner gestern zur „Presse“. Dienstagfrüh wurde bekannt, dass die Sammlung Essl von der frisch gegründeten SE-Sammlung Essl GmbH gekauft wurde. Diese Gesellschaft gehört zu 60 Prozent der Haselsteiner-Familien-Privatstiftung, die restlichen 40 Prozent gehören den beiden Privatstiftungen der Familie Essl.

Der Kunstfreund Haselsteiner hatte, wie er sagt, bis vor Kurzem gar nicht die Absicht, sich der Sammlung Essl anzunehmen. „Ich habe Herrn Essl deshalb zum ersten Mal am Samstag vor einer Woche getroffen.“ Zwei Motive hätten ihn dazu bewegt, sich für den Ankauf der Sammlung zu interessieren: „Drei Dutzend lebende Künstler, die ich zum Teil auch kenne, hätten im Fall einer Zerschlagung schwere Zeiten gehabt. Ihnen das zu ersparen war eines meiner Motive.“ Das andere Motiv ist ein wirtschaftlich handfestes: „Ich glaube an den Wert der Kunst an sich und daran, dass diese Sammlung eine werthaltige ist“, sagt der Industrielle. In einigen Jahrzehnten werde das eingesetzte Kapital daher wieder zurückverdient sein.

Etwas über 100 Millionen Euro beträgt der Kaufpreis für die über 7000 Werke. Die Privatsammlung von Agnes und Karlheinz Essl zählt zu den größten und bedeutendsten privaten Sammlungen für zeitgenössische Kunst in Europa.

 

42 Banken mussten zustimmen

Die gesamte Kaufsumme wurde mithilfe eines Kredits finanziert. „Es ist kein Geheimnis, dass die entsprechenden Mittel nur aufgrund der hohen Bonität von Hans Peter Haselsteiner zur Verfügung gestellt werden konnten“, sagt Rechtsanwalt Thomas Angermair, der gemeinsam mit seinem Kollegen Felix Hörlsberger nicht nur die rechtliche Vertretung von Baumax und der Familie Essl, sondern auch jene von Hans Peter Haselsteiner über hatte.

Dass die gesamte Transaktion in nur zehn Tagen unter Dach und Fach gebracht werden konnte, ist dem Zeitdruck zuzuschreiben, der allseits vorherrschte. Beachtlich ist, dass es möglich war, insgesamt 42 Gläubigerbanken im In- und Ausland in der Kürze zu einer Zustimmung zu bewegen. „Am Anfang konnte ich mir fast nicht vorstellen, dass eine Abstimmung unter allen beteiligten Banken überhaupt machbar ist“, sagt Angermair. Aber nachdem die drei wichtigsten davon, die Raiffeisen International, die UniCredit Bank Austria und die Erste Group, von dem geplanten Prozedere überzeugt werden konnten, zogen auch die restlichen 39 mit. Das Veto einer einzigen Bank hätte allerdings gereicht, um den gesamten Deal platzen zu lassen.

Das Bankenkonsortium, das laut Auskunft von Angermair sehr hart und dennoch fair verhandelt hat, dürfte insbesondere auf folgende Eckpunkte des Vertrages gepocht haben: Der gesamte Kaufpreis für die Sammlung Essl hat der Rekapitalisierung der Baumarktkette zu dienen. Darüber hinaus werden 44 Werke aus der Sammlung am 13. Oktober bei einer Auktion von Christie's unter den Hammer kommen. „Dieser Erlös wird dazu verwendet, die aufgewendeten Kreditmittel rückzuführen“, sagt Angermair.

Offiziell will zwar niemand sagen, wie viel Geld man sich von der Versteigerung der Kunstwerke in London erhofft; mit 50 Millionen Euro dürfte aber in jedem Fall gerechnet werden. „Sollte der Erlös einen bestimmten Betrag übersteigen, so ist mit den Banken vereinbart, dass der Kaufpreis noch aufgebessert wird“, sagt Angermair dazu.

Denn eines ist klar: Baumax benötigt dringend Liquidität. Die Ergebnisse des Deals stünden in einer Linie mit dem weiteren Finanzbedarf des Konzerns. Mit diesem Mittelzuschuss sei nun jedenfalls gewährleistet, dass die Vereinbarungen mit den Banken darüber, wie Baumax finanziell ausgestattet sein muss, eingehalten werden können. „Wir liegen also völlig im Plan“, sagt Angermair.

 

Kein Gewinn aus Sammlung

Er ist überzeugt davon, dass dieser Deal nur zustande kommen konnte, weil mit Karlheinz Essl und Hans Peter Haselsteiner zwei Sammlergrößen aufeinander getroffen seien, denen es wirklich nur um die Kunst gehe. „Denn jedenfalls in den nächsten zehn Jahren wird die Sammlung keinen Gewinn abwerfen.“

Derzeit steht fest, dass in London 44 Werke auf den Kunstmarkt kommen werden, doch es werden wohl noch weitere folgen. Gegenüber der „Presse“ sagte Haselsteiner, dass noch weitere Verkäufe vorgenommen werden müssen. Auch diese werden ausschließlich der Tilgung der Schulden von Baumax und dem Erhalt und Betrieb des Essl-Museums dienen. „Niemand, weder ich noch die Familie Essl, können sich von dem Verkaufserlös irgendetwas behalten“, so Haselsteiner.

AUF EINEN BLICK

Der Industrielle Hans Peter Haselsteiner kauft 60 Prozent der Essl-Kunstsammlung und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Sanierung der angeschlagenen Baumarktkette Baumax. Der Kaufpreis beträgt über 100 Mio. Euro. Der gesamte österreichische Bestand der Essl-Sammlung soll erhalten bleiben. Drei Dutzend Werke sollen am 12. Oktober vom Auktionshaus Christie's verkauft werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2014)