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„Unterstellungen“, „Verleumdung“

Schirrmacher hält Vorwürfe für „vielleicht klagbar“. Von Al-Rawi erwartet sie ein „Unrechts-Eingeständnis“.

WIEN. „Das habe ich noch nie erlebt. Ich hatte nie Ärger, noch nie!“, sagt Christine Schirrmacher zur „Presse“. Sie sei fassungslos über die „geballten Unterstellungen“ (siehe Bericht oben).

Die deutsche Islamwissenschaftlerin promovierte 1991 über die christlich-islamische Kontroverse im 19. und 20. Jh., lehrt Islamische Studien, hat mehrere Bücher zum Islam veröffentlicht und hält regelmäßig Vorträge.

„Niemand hat mir je vorgeworfen, ich sei einseitig“, erzählt sie. „Die Muslime, die zu meinen Vorträgen kommen, sagen, sie finden das gut, dass ich nicht alle über einen Kamm schere und die Leute nicht an den Pranger stelle, sie bedanken sich für die Differenzierung, für die respektvolle Art, mit der ich über den Islam spreche.“

Schirrmacher leitet das Institut für Islamfragen der aus konservativen Protestanten und Freikirchlern bestehenden Evangelischen Allianz; das macht sie für Omar Al-Rawi doppelt verdächtig. „Muslime kennen den Unterschied zwischen evangelisch und evangelikal kaum“, glaubt Schirrmacher, die sich selbst als „evangelisch“ einstuft. „Man hofft aber, mit dem Fundamentalismus-Vorwurf bei Nicht-Muslimen zu punkten.“

Auch in einem Artikel auf www.quantara.de über christliche „Islamophobie“ wird Schirrmacher genannt; wegen eines von ihr betreuten Gebetskalenders. „Was haben die hier aufgelisteten Bosheiten mit mir zu tun?“, fragt sie. „Ja, im Kalender geht es auch um soziale, wirtschaftliche, politische Nöte von Muslimen; und auch das Gebet, sie mögen zu Christus finden, findet sich darin. Aber wenn es stört, dass jemand seinen Glauben für den besten hält, könnten wir mit Muslimen überhaupt keinen Dialog führen, die würden nie vom Bekenntnis zu einer absoluten Wahrheit abrücken, und das würde ich auch nicht verlangen.“


„Wird wieder versucht werden“

Sie sei mit vielen Muslimen befreundet, sagt Schirrmacher. „Wie viele von ihnen haben mir schon gesagt, sie würden sich so freuen, wenn ich Muslima werde. Und auch wenn ich so etwas umgekehrt zu privaten muslimischen Freunden sagen würde, würden sie es nicht als Angriff verstehen!“

Von Omar Al-Rawi erwartet sie sich ein „Unrechts-Eingeständnis“: „Er hat mich verleumdet. ,Antimuslimische Agitatorin‘ wäre vielleicht sogar klagbar. Und wenn die Vorgangsweise erfolgreich ist, wird sie wieder versucht werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2008)