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Frankreich: Die Intimbeichte der betrogenen Präsidenten-Ex

File picture of Valerie Trierweiler, former companion of French President Francois Hollande, attending the traditional Bastille day military parade on the Champs Elysee in Paris
Valerie Trierweiler(c) Reuters (CHRISTIAN HARTMANN)
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In ihrem überraschend erschienenen Buch „Merci pour ce moment“ rechnet Valerie Trierweiler, die Ex-Lebensgefährtin von Präsident François Hollande, mit diesem ab.

Paris. Es war verdächtig still geworden, seitdem Valérie Trierweiler ihre Koffer gepackt und den Élysée-Palast geräumt hatte, als im Jänner das Magazin „Closer“ die Affäre ihres Gefährten, Staatspräsident François Hollande, mit der Aktrice Julie Gayet platzen ließ. Die hintergangene, heute 48-jährige Trierweiler hat still ihre Rache vorbereitet. Und dank der Überraschung, die ihr gelungen ist, dürfte sie besonders süß schmecken.

„Merci pour ce moment“ lautet der bitter-ironische Titel ihres Buchs, das dieser Tage erscheint. Zwar betont der Verlag, man verrate im 320-seitigen Werk keine Staatsgeheimnisse. Dennoch wurde das Buch heimlich vorbereitet, die ersten 200.000 Exemplare wurden in Deutschland gedruckt. Die Illustrierte „Paris Match“, für die Trierweiler vor und nach ihrem Konkubinat mit Hollande als Journalistin tätig gewesen ist, erhielt ein paar Auszüge zugespielt.

Hollande ließ ausrichten, er habe es noch nicht gelesen, sei aber konsterniert. Nun fällt ihm seine Ex in den Rücken und schreibt etwa, Hollande verachte die Armen, die er „Zahnlose“ nenne. Das wirkt sich gerade für einen Sozialisten sehr peinlich aus. Was aber die Leser am meisten interessiert, sind die Abschnitte über Hollandes monatelange Liaison mit Gayet, Trierweilers Hauptmotiv für das Buch. Sie schreibt in Präsensform: „Die Information über Julie Gayet ist in den Schlagzeilen an diesem Morgen. [...] Ich bekomme Zustände, kann das nicht anhören. Ich stürme ins Bad, packe den Plastiksack mit den Schlafmitteln. [...] François ist mir gefolgt, versucht, mir den Sack zu entreißen. Ich renne ins Schlafzimmer, dort packt er den Sack, der platzt. Die Pillen sind verstreut. Ich sammle einige auf und schlucke so viele ich kann. Ich will nur schlafen. Ich fühle den Sturm, der mich niederreißen wird. Ich will flüchten. Ich verliere das Bewusstsein.“

Sie gesteht, wie eifersüchtig sie stets war. „Ich kann nicht anders sein, wenn ich verliebt bin.“ Trierweilers Hauptrivalin war tatsächlich immer Ségolène Royal, mit der Hollande vier Kinder hat. Als Royal bei einer Wahlveranstaltung im April 2012 mit dem Präsidentschaftskandidaten auf die Bühne trat, brannten Trierweilers Sicherungen durch: „Ich habe einen unkontrollierbaren emotionalen Stromschlag. Es ist mir physisch nicht möglich, sie Hand in Hand zu sehen.“

 

Letzte Schranken gefallen

Die Folgen für Hollande dürften schlimm sein. Das Magazin „Nouvel Observateur“ fragt, ob das Buch nach der jüngsten Regierungskrise und angesichts verheerender Umfragewerte nicht zum „Gnadenstoß“ für ihn werden könnte. Damit ist auch das letzte Tabu gefallen in einem Land, in dem Medien und selbst politische Gegner das Privatleben der Politiker und namentlich Staatsmänner im Élysée respektiert haben. Mit Trierweilers Rache fallen letzte Schranken. Der nächste Präsident weiß, dass die Nation in sein Schlafzimmer guckt. (r.b.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2014)

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