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Welser-Möst-Rücktritt: Reisende soll man ziehen lassen

WIENER STAATSOPER: WELSER-M�ST
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Generalmusikdirektor Franz-Welser Möst verlässt unverständlicherweise die Wiener Staatsoper. Kommentar zum Rücktritt.

Die Wiener Staatsoper verliert ihren Generalmusikdirektor. Zwischen Franz Welser-Möst und dem Direktor des Hauses, Dominique Meyer, gibt es, so heißt es „unüberbrückbare Differenzen". Worin die Zerwürfnisse bestehen, kann oder will niemand recht sagen. Sie dürften für Welser-Möst auch schwer darzustellen sein. Im persönlichen Gespräch hat er zuletzt zwar mehrfach darauf hingewiesen, er sei zu wenig in die Spielplangestaltung und in Besetzungsfragen eingebunden. Andererseits bestand nie ein Zweifel, dass der Dirigent Herr über alle musikalischen Details der von ihm geleiteten Premieren und Wiederaufnahmen war.

Im Übrigen wiederholt sich mit Welser-Möst etwas, woran bis dato sämtliche dirigierenden Chefs der Staatsoper gescheitert sind: In entscheidenden Momenten waren sie nicht in Wien. Selbst ein geborener Multifunktionär wie Herbert von Karajan hat dem Haus am Ring aus diesem Grund den Rücken gekehrt. Sein Vorgänger, Karl Böhm, trat zurück, nachdem ihm ein Reporter einen verhängnisvollen Satz entlockte: Er denke nicht daran, seine internationale Karriere der Staatsoper zu opfern, so Böhm. Flugs war er seines Amtes enthoben.

Es ist eine ungute Optik, dass Franz Welser-Möst seinen Rücktritt bekannt gibt, eine Woche bevor er mit dem Cleveland Orchestra, dessen Chefdirigent er auch ist, im Musikverein gastiert. In der Staatsoper wollte er erst viele Wochen nach Beginn der Saison ans Pult treten. Niemand hat ihm je diese Doppel-Funktion vorgeworfen - nun thematisiert er sie quasi selbst. Reisende soll man ziehen lassen, heißt es. Kulturminister Josef Ostermayer sollte dem verbleibenden Direktor Dominique Meyer nun den Rücken stärken. Immerhin hat der dem Haus eine Auslastung von über 99 Prozent beschert und ist mit dem umjubelten Debüt von Bryn Terfel als Wagners „Holländer" in die neue Spielzeit gestartet.

Meyer muss nun rasch für 34 Abende Dirigenten finden. Mit der Suche nach einem Generalmusikdirektor kann er sich übrigens Zeit lassen. Das Haus ist über viele Jahre ohne Chefdirigent ausgekommen...