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Was kommt, was bleibt

Überblick. Der berufsorientierte Weiterbildungsmarkt verändert sich: Marketing wird wichtiger, Persönlichkeitsbildung sackt ab.

Geht es nach der Weiterbildungsstudie 2014 im Auftrag der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung, so steht das Ranking der auf dem Berufsmarkt gefragtesten Bildungssegmente fest. Demnach erwarten sich Unternehmen aktuell den größten Konkurrenzvorsprung durch Weiterbildung im Bereich Technik. Darauf folgen Marketing- und Verkaufstrainings, an dritter Stelle steht das Thema Persönlichkeitsentwicklung. Wobei laut Bildungsexperte Hannes Knett ein deutlicher Bedeutungszuwachs vor allem im Marketing zu verzeichnen ist. „Wegen des zunehmenden Wettbewerbs treten viele Unternehmen eine Flucht nach vorne an: Marketing- und Verkaufstrainings sollen dazu beitragen, Marktanteile zu halten oder sie auszubauen“, so der Sprecher der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung (PbEB).

Dass Bildungsangebote wieder verstärkt gefragt sind, zeigt auch der signifikante Zuwachs an Teilnahmen beim Berufsförderungsinstitut Österreich (BFI). Ein Plus von 6,4 Prozent weist die Statistik aus. Im Vordergrund stehen insbesondere das Nachholen schulischer und beruflicher Abschlüsse im zweiten Bildungsweg wie etwa die Berufsreifeprüfung, Pflichtschul- und Lehrabschlussprüfung (plus zehn Prozent) sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildungen in den Gesundheits- und Sozialberufen (plus elf Prozent). Mehr und vor allem längere Qualifizierungsangebote konnten im Bereich Technik/Ökologie/Sicherheit durchgeführt werden (plus neun Prozent). Der Sprachenbereich legte auf hohem Niveau noch leicht zu (plus drei Prozent), Wirtschaftssprachen sogar stark. EDV-/IT-Kurse haben sich nach einem längeren Abwärtstrend wieder stabilisiert, wobei der Schwerpunkt auf kompakten Ausbildungen lag (Datenschutzbeauftragte/r, Webdesign, Social Media, Share-Point-Schulungen). Weniger nachgefragt waren die Bereiche Tourismus/Gastronomie (minus 13 Prozent) und Persönlichkeitsbildung (minus 15 Prozent).

 

Experten für Nischen

Wie wichtig in einer stets komplexer werdenden Arbeitswelt die Disziplinen übergreifende Weiterbildung ist, betont Michael Sturm vom BFI Österreich: „In den technischen Berufen sind Zusatzausbildungen in den Bereichen Ökologie und erneuerbare Energien hoch im Kurs. Auch Logistik boomt weiterhin. In den Pflegeberufen stoßen Fortbildungen zu den Themen Diversität und Interkulturalität auf großes Interesse, auch Burn-out- und Stressprävention gewinnt immer mehr an Bedeutung.“ Ebenso starke Zuwächse verzeichnen beim BFI Angebote im (sozial)pädagogischen Bereich und Wirtschaftssprachen.

Was Sprachen betrifft, so registrieren auch die heimischen Volkshochschulen eine wachsende Nachfrage. „Insbesondere kürzere und schnellere Sprachkursformate stehen im Fokus. Um darauf adäquat zu reagieren, bietet die VHS Wien ab sofort verstärkt Intensiv- und Expresssprachkurse an“, sagt Daniela Lehenbauer von der Wiener VHS-Zentrale. 60 Sprachen stehen an der VHS zurzeit zur Wahl, 3000 Fremdsprachenkurse sowie rund 1000 Deutschkurse werden jährlich gebucht.

Ganz allgemein gilt an den heimischen Weiterbildungsinstituten weiterhin: Höhere Qualifikationen sind ein Karriereturbo. Junge Leute streben die Matura und in der Folge akademische Titel an. Für Handelsmitarbeiter und Quereinsteiger mit Lehre und Berufspraxis gibt es jetzt zum Beispiel die neue Berufsakademie Handel, die gemeinsam von Wifi, FH Wien, der WKW und der WKÖ-Sparte Handel auf Schiene gebracht wurde. Diese erste berufsbezogene Handelsweiterbildung auf Hochschulniveau bereitet berufsbegleitend auf Führungspositionen oder die Betriebsübernahme vor. In zwei Semestern führt der Lehrgang zum „Akademischen Handelsmanager“. Das darauf aufbauende Masterprogramm schließt nach insgesamt vier Semestern mit dem Master of Science ab. Im Wifi starten allein im September knapp 100 Teilnehmer mit dieser Ausbildung in fünf Bundesländern.

Web:www.wifi.at


 

www.bfi.at

www.vhs.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2014)