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Schlechte Zeiten für Sparer, gute für Dollar-Anleger

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(c) APA/Boris Roessler
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Die EZB hat die Leitzinsen vergangene Woche von mageren 0,15 Prozent auf rekordniedrige 0,05 Prozent gesenkt.

Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat vergangene Woche den Leitzins von historisch niedrigen 0,15 Prozent auf ein neues Tief von 0,05 Prozent gesenkt. Den Börsen hat der Schritt gefallen. Nicht, weil die Senkung um einen weiteren Zehntelprozentpunkt noch starke reale Auswirkungen hätte, sondern wegen der Signalwirkung. Die Notenbank hat gezeigt, dass sie alles tun wird, um eine drohende Deflation zu bekämpfen, auch mit der Ankündigung, den Banken Kredite abkaufen zu wollen.

Für Sparer dürfte das die Auswirkung haben, dass die Zinsen von fast null auf wirklich fast null fallen. Auffällig ist, dass man für eine einjährige Bindung kaum noch mehr Geld erhält als für täglich fällige Sparbücher. Das bedeutet, dass die Banken sich bereits mit dem Gedanken tragen, die Sparzinsen weiter abzusenken– fixe wie variable. So groß der Unterschied zwischen den Angeboten ist, so gering ist er zwischen täglich fälligen Einlagen und einjähriger Bindung. Das zeigt eine Übersicht des Vergleichsportals Durchblicker.at: Wer 10.000 Euro auf ein Sparbuch legt, erhält im besten Fall 1,4 Prozent für täglich fälliges Geld (was nach KESt 105,51 Zinsen bringt) und im schlechtesten 0,063 Prozent (was 4,48 Euro entspricht). Für einjährige Bindung erhält man bestenfalls 1,5 Prozent (112,5 Euro) und schlechtestenfalls 0,15 Prozent (22,52 Euro nach KESt).

 

Sparzinsen dürften fallen

Doch wer sein Geld bindet, sichert sich zumindest die Zinsen auf diesem Niveau. Bei Durchblicker.at rät man, sich zu beeilen, wenn man sein Geld binden möchte. „Geht man davon aus, dass die Zinsen noch weiter in den Keller fallen, hat man mit diesen Fixzins-Angeboten die Chance, sein Erspartes noch etwas abzusichern“, meint Durchblicker-Chef Reinhold Baudisch. Denn bei den gebundenen Einlagen hätten die Banken noch Spielraum, der EZB-Senkung nach unten zu folgen. „Deshalb sollte man sich hier noch rasch die aktuellen Fixzinsen sichern, bevor alle Anbieter die Zinsen gesenkt haben.“

Wenn die Zinsen nun noch länger niedrig bleiben, kann man dann unbesorgt „sichere“ Anleihen kaufen? Solche leiden für gewöhnlich unter Zinserhöhungen, da es dann neue attraktivere Papiere auf dem Markt gibt, was den Kurs „alter“ Anleihen nach unten drückt. Michael Hünseler, Leiter des Credit Portfolio Management bei Assenagon, rät in einer Aussendung zur Vorsicht: „Auch wenn der Markt mit anhaltend niedrigen Zinsen in Europa rechnet, erscheint es nicht angeraten, Zinsrisken einzugehen. Aber es gibt noch immer Marktsegmente, die attraktive Risikoprämien bieten. Dazu gehören Hochzinsanleihen, unter anderem angesichts ihrer niedrigen Ausfallraten.“ Das glaubt auch Martin Harvey, Anleihen-Portfoliomanager bei Threadneedle Investments: Zumindest „vorerst sollte diese Form der EZB-Geldpolitik risikoreicheren Vermögenswerten weiteren Auftrieb geben“, schreibt er in einem Marktkommentar.

 

Anleger auf Renditejagd

„Zudem dürfte sie dafür sorgen, dass die Jagd auf Rendite am Anleihenmarkt anhält – wenigstens so lange, bis sich zeigt, wie schnell die Bilanzverlängerung der EZB vonstattengeht.“ Die Renditejagd dürfte vorerst auch die Aktienkurse stützen: In den nächsten Tagen werde deren Richtung aber auch stark von geopolitischen Ereignissen (etwa der Lage in der Ostukraine) bestimmt werden, meinen die Experten von Volksbanken-AG Research. Vor allem dürfte die EZB-Politik den Euro schwächen. Das wiederum kommt Europäern zugute, die US-Wertpapiere halten: Sie können Kursgewinne (dank der guten US-Wirtschaftsdaten) und Währungsgewinne einstreifen. Eine eher seltene Situation. (b.l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2014)