Herzerwärmende Romantik im szenischen Eis

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"Rusalka" verzauberte wieder musikalisch, Olga Bezsmertna gab ein vielversprechendes Debüt.

Man blickt in den Aufriss eines Hauses. Eisig ist es hier. Aus dem schneebedeckten Boden ragen die Reste toter Bäume in die Höhe, an die sich zentimeterdick das Eis gelegt hat. So sahen es die Staatsopern-Besucher, als sich der Vorhang öffnete – am vergangenen Freitag, jenem Tag, an dem Franz Welser-Möst überraschend zurücktrat und einen Schlussstrich unter eine offenbar auch eher unterkühlte Beziehung zum Staatsopern-Direktor zog.

Die zwischenmenschliche Eiswüste auf der Bühne galt jedoch Dvořáks lyrischem Märchen „Rusalka“. Und die gar nicht lyrische, sondern geschmäcklerische Ausstattungsnüchternheit stammt von Rolf Glittenberg. Mit den dazu passenden Kostümen von Marianne Glittenberg bildet sie das szenische Umfeld, in dem Sven-Eric Bechtolf vergangenen Jänner Dvořáks Oper inszeniert hat. In der Personenführung wie gewohnt solide erzählend, mit ein paar aufgesetzten tiefenpsychologischen Pointen und ohne größere interpretatorische Ideenklammer.

Das Beste an der Inszenierung ist somit, dass sie es ermöglicht, Dvořáks verzaubernde, melodienreiche Partitur wieder in der Staatsoper zu hören. Wie schon zur Premiere gelang dort auch diesmal die musikalische Seite hervorragend. Selbst, dass die ursprünglich in der Titelrolle angesetzte Kristīne Opolais kurzfristig durch das Ensemblemitglied Olga Bezsmertna ersetzt werden musste, tat der Sache keinen Abbruch. Man freute sich über ein gelungenes Debüt der jungen Sängerin, das einiges an Potenzial für die Zukunft versprach. Mit ihrem schönen, lyrisch aber mit Kern geführten, dabei auch klug zurückhaltend eingesetzten Sopran gab sie der unglücklich liebenden Nixe zarte Gestalt und erfreute mit einigen leuchtenden Höhen. Als Prinz, der am Ende ihrem Todeskuss erliegt, trat Piotr Beczala erstmals in Wien an und bewies, dass diese Rolle zu seinen besten zählt. Mit Schmelz und Kraft, aber auch wunderbar zarten Momenten, parierte er selbst die heiklen Höhen im Finale souverän und wurde dafür zu Recht laut bejubelt. Wie auch Günther Groissböck, der erneut als herrlich tönender Wassermann begeisterte.

Ebenfalls aus der ausgezeichneten Premierenbesetzung wieder dabei: Janina Baechle als gefährliche Hexe Ježibaba, Monika Bohinec als fremde Fürstin, Gabriel Bermúdez als muskelbepackter Heger und Stephanie Houtzeel als von den Nixen (hervorragend: Valentina Naforniţă, Ulrike Helzel, Ilseyar Khayrullova) abgeknabberter Küchenjunge. Gelungen auch der Staatsopern-Einstand des tschechischen Dirigenten Tomáš Netopil, der sich prächtig auf Dvořáks Idiom verstand und einfühlsam zwischen Bühne und den mit großer Hingabe Schönklang produzierenden Musikern im Orchestergraben vermittelte. Warum er mit ein paar Buhs bedacht wurde, verwunderte an einem Abend, der in seiner Qualität über den normalen Repertoire-Alltag weit hinauswies.