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Handel: Postmann soll Milchmann werden

Korb mit Gemüse und Obst
Korb mit Gemüse und Obst(c) Bilderbox
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Der Onlinehandel mit Lebensmitteln scheitert bisher an der Zustellung. Diesen Teil will die Post ab dem kommenden Jahr für die Händler österreichweit übernehmen.

Wien. Gerade einmal ein Prozent der Lebensmittel wird hierzulande online gekauft. Deutlich weniger als im gesamten Handel, bei dem im Vorjahr bereits fast elf Prozent des Umsatzes von knapp 55 Milliarden Euro im Internet gemacht wurden. Das Hauptproblem der Supermarktketten, in diesem Segment nennenswertes Wachstum zu generieren, war bisher Logistik: Nur mit einer schnellen und verlässlichen Zustellung der Frischware kann Online-Lebensmittelhandel funktionieren. Doch ein solches System neu aufzubauen ist teuer.

In diese Lücke will nun die heimische Post springen. Sie hat bereits seit März zusammen mit der Pfeiffer-Gruppe (Unimarkt, Zielpunkt) in Oberösterreich ein entsprechendes Pilotprojekt laufen. Die Erkenntnisse daraus sollen in einem ab November startenden weiteren Testlauf noch verfeinert werden. Und im ersten Halbjahr 2015 soll das Unternehmen dann bereit sein, diesen Zustelldienst allen heimischen Supermarktketten anzubieten, sagt Post-Logistik-Vorstand Peter Umundum am Montag vor Journalisten.

Die Post hat dafür eine genormte Kühlbox entwickelt, die von den Handelsketten mit den bestellten Waren befüllt und versiegelt wird. Diese soll dann über die normale Post-Paket-Logistik geleitet werden. Vor allem die aufwendige Sortierung könne so im konventionellen Netz der Post erfolgen, so Umundum. Dies könne die Kosten für die Zustellung deutlich senken.

Genaue Zahlen, was die Zustellung die Kunden kosten wird, könne er nicht nennen, da dies mit dem Geschäftsmodell des jeweiligen Händlers zusammenhänge. Im Pilotprojekt kostete die Zustellung bei Pfeiffer nicht mehr als der physische Einkauf im Geschäft, allerdings gab es einen Mindestbestellwert von 20 Euro. Anders bisher etwa die Situation bei Billa: Hier kostet die Zustellung in Wien bis 50 Kilo 5,99 Euro.

Das zweite große Thema neben den Kosten ist auch die Erreichbarkeit der Kunden. Daher will die Post auch die Zustellung am gleichen Tag einführen. Möglich soll dies unter anderem durch eine Ausdehnung der Zustellzeiten auf die Zeit zwischen 17 und 21Uhr werden. Kunden könnten dann am Nachmittag bestellen und am Abend die Waren in Empfang nehmen. „Wir sind mit der Gewerkschaft bereits in Gesprächen darüber“, so Umundum. Wann dieses Angebot großflächig möglich sein werde, könne man aber noch nicht sagen.

 

42 Millionen Einkaufspakete

Mit der Essenszustellung will die Post noch stärker vom Wachstumsbereich Onlinehandel profitieren. Denn während die Briefzustellung weiterhin aufgrund der Substitution durch E-Mail schrumpft, wächst der Paketbereich kontinuierlich – vor allem dank der Bestellungen aus dem Internet: 42 Mio. Pakete wurden laut einer Studie der Marktforscher Kreutzer Fischer & Partner hierzulande im Vorjahr an Privatkunden zugestellt (zu zwei Dritteln von der Post). Hinzu kamen fast neun Mio. Pakete, die Retourwaren zurück zu den Onlinehändlern brachten. Hier hat die Post sogar fast 100 Prozent Marktanteil.

Demnach haben fast 70 Prozent aller Österreicher zwischen 15 und 65 Jahren im letzten halben Jahr etwas im Internet gekauft. Besonders hoch ist dabei naturgemäß der Anteil bei den unter 30-Jährigen. Von ihnen waren sogar 92 Prozent online shoppen.

Mit über 40 Prozent Bestellanteil wichtigste Warengruppe ist dabei die Bekleidung. Und entscheidendes Thema sind hier die – für den Kunden – kostenfreien Retouren. Würde es diese nicht mehr geben, würden 60 Prozent der Kunden ihr Verhalten ändern und weniger bestellen, so Kreutzer. Er erwartet daher auch nicht, dass die Gratisretouren abgeschafft werden. Diese seien quasi „systemimmanent“. Für die Logistiker ein gutes Geschäft: So wird laut Zahlen der Marktforscher für die Zustellung eines Pakets im Schnitt 2,90 Euro gezahlt. Ein Retourpaket kostet rund 60 Prozent davon. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2014)