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"Anständige Menschen weltweit sollten sich gegen den IS vereinen"

(c) APA/EPA/LUKAS COCH (LUKAS COCH)
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Premier Abbott entsendet massives Militärkontingent, um die Koalition gegen die Islamisten zu stärken.

Canberra. Die sich unter US-Ägide formierende Koalition gegen die brutalen moslemischen Milizen des Islamischen Staats (IS) im Nordirak und in Syrien erhält wesentliche Unterstützung sozusagen vom anderen Ende der Welt: Australiens liberalkonservativer Regierungschef, Tony Abbott, gab am Sonntag bekannt, sein Land werde schon in den nächsten Tagen ein gemischtes Luftwaffen- und Heereskontingent in die Vereinigten Arabischen Emirate entsenden, um von dort aus Einsätze gegen den IS durchzuführen.

Abbott sagte, der Verband werde acht F/A-18 Super-Hornet-Kampfjets samt Unterstützungs- und Tankflugzeugen und 400Mann Luftwaffenpersonal umfassen, dazu 200Elitesoldaten des Special Operations Command (Socom), die im unmittelbaren Kampfraum tätig werden könnten, etwa als Militärberater für kurdische Kämpfer, Beobachter und Zielzuweiser für Kampfflugzeuge.

 

„Überhöhung der Grausamkeit“

Die Ankündigung kam nach Bekanntwerden der Hinrichtung des Briten David Haines durch IS-Kämpfer (siehe Seite 1). Der australische Premier sagte sichtlich aufgewühlt, dass der IS für „Grausamkeiten auf außerordentlichem Niveau“ verantwortlich sei: „Wir haben Köpfungen, Kreuzigungen und Massenhinrichtungen gesehen, hunderttausende Menschen, die vertrieben, und Frauen, die sexuell versklavt wurden. Wir sahen Kinder, die man umgebracht hat, eine Überhöhung der Grausamkeit, wie sie seit dem Mittelalter beispiellos ist. Anständige Menschen weltweit sollten sich dagegen vereinen, völlig unabhängig von ihrer Religion und Kultur.“

Australische Transportflugzeuge sind bereits seit Wochen von Dubai aus im Einsatz, um gemeinsam mit Fliegern etwa aus den USA, Frankreich und Italien die Gegner des IS, vor allem Kurden, mit Waffen und Hilfsgütern zu versorgen. Abbott hat für die sich abzeichnende Intervention, deren Dauer nicht limitiert ist, die Unterstützung fast aller Parteien im Parlament in Canberra, vor allem der oppositionellen Labour Party. Kritik kam bisher nur von den Grünen (sie stellen elf der 226 Sitze in Senat und Repräsentantenhaus): Grünen-Chefin Christine Milne sagte, Australien folge den USA „blind“ in einen neuen Krieg. Die Intervention werde als „imperialer Vorstoß“ gesehen werden und Jihadisten Zulauf verschaffen.

 

Zwei Dutzend Staaten in Koalition

Die USA haben Anfang August mit Luftangriffen im Nordirak gegen den IS begonnen, um kurdische Kämpfer und die irakische Armee zu unterstützen. Präsident Barack Obama will das Engagement auch auf Syrien ausweiten, wo die US-Luftwaffe bereits mit Billigung der Regierung Aufklärungseinsätze fliegt; Bombenangriffe will Syrien, das eigentlich mit den USA verfeindet ist, aber vorerst nicht gestatten.

Anfang September wurde auch bekannt, dass die USA mit mittlerweile rund 20 weiteren Staaten eine Koalition gegen den IS geschmiedet haben. Dazu zählen Großbritannien, Deutschland, Polen, Dänemark und die Türkei, vor allem aber vorerst zehn arabische Staaten: etwa Ägypten, Jordanien, Saudiarabien, Oman und Katar. An direkte Hilfe vor Ort gegen den IS, etwa mit Bodentruppen in größerem Ausmaß, ist vorerst angeblich noch nicht gedacht; die Maßnahmen beschränken sich derzeit auf Luftunterstützung und Versorgung aus der Luft, Waffenlieferungen, Ausbildner, humanitäre Hilfe, geheimdienstliche und polizeiliche Zusammenarbeit gegen Jihadisten.

 

Irak-Konferenz in Paris

Heute, Montag, soll in Paris eine Konferenz von Vertretern der Koalition, weiterer Länder und Organisationen zum Thema Irak stattfinden. Auch Iraks Präsident Fuad Masum, ein Kurde, wird erwartet.

Aus einem der Schlüsselstaaten für den Kampf gegen den IS dürfte indes niemand eingeladen worden sein: nämlich aus dem Iran. Wie die „Washington Post“ berichtet, hätte vor allem das sunnitische Saudiarabien auf der Abwesenheit des schiitischen Rivalen bestanden. Zudem sagte US-Außenminister John Kerry am Wochenende, es sei „nicht angemessen“ mit dem Iran ein Land in die Koalition aufzunehmen, welches das syrische Regime mit Waffen und Truppen unterstützt.

Beobachter mutmaßen aber, dass der Iran informell und hinter den Kulissen im Kampf gegen den IS mitwirken könne. (wg)

HINTERGRUND

An der Koalition gegen den IS, die bisher noch keinen Namen hat, sind derzeit etwa zwei Dutzend Staaten beteiligt. Unter Führung der USA haben sich bisher etwa westliche Mächte wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen und Australien vereint. Vor allem bedeutsam, gerade aus religiösen Gründen, ist aber die Teilnahme islamischer Staaten. So sind derzeit etwa die bedeutenden Militärmächte Ägypten und Saudiarabien beteiligt, dazu auch etwa Jordanien, der Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Libanon. Die Türkei sitzt ebenfalls mit am Tisch. Der schiitische Iran hingegen wird, obwohl Schiiten für den IS ein besonderes Feindbild sind und das militärisch starke Land strategisch günstig nahe am IS-Territorium liegt, vorerst nicht eingebunden: Vor allem Saudiarabien und den Golfstaaten ist der Iran als Partner gegen den gemeinsamen Feind nicht geheuer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2014)