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Sonntagsöffnung: Wiener Wirtschaftskammer für Tourismuszone

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APA/GEORG HOCHMUTH
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Der Handel könnte 140 Millionen Euro mehr einnehmen. Nun soll es eine Urabstimmung unter den Unternehmern geben.

Die Wiener Wirtschaftskammer empfiehlt die Einrichtung einer Tourismuszone - in der am Sonntag die Geschäfte offenhalten dürften. Denn eine kammerinterne Arbeitsgruppe ist zu dem Schluss gekommen, dass die Schaffung einer solchen Zone Mehreinnahmen bringen könnte. Dass die Wirtschaftskammer in Sachen Sonntagsöffnung bisher auf der Bremse gestanden ist, bestreitet Kammerpräsident Walter Ruck - der erst seit wenigen Monaten an der Spitze der Kammer steht - nicht: "Es handelt sich hier um einen Paradigmenwechsel in diesem Haus." Ausschlaggebend für diesen seien die Zahlen: Eine Sonntagsöffnung in einer Tourismuszone würde dem Handel 140 Mio. Euro an Mehreinnahmen bringen.

Laut der Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Tourismus und des Handels, würden zudem an die 800 neue Arbeitsplätze entstehen. Dass die Innenstadt zum Zug kommen soll, liegt laut Ruck ebenfalls an den vorhandenen Daten. Denn in der City gebe es die meisten Hotels und Sehenswürdigkeiten. Wobei auch eine großräumigere Abgrenzung nicht völlig abgelehnt wird. Laut Ruck wurden im Rahmen der Erhebung auch die untere Mariahilfer Straße bzw. der Bereich rund um das Schloss Schönbrunn als mögliche Tourismuszonen genannt.

Touirismusbranche jubelt

Wiens Touristiker haben sich über den Vorstoß erfreut gezeigt. Unterstützung kam mittels Aussendungen sowohl von den Fachgruppen Hotellerie und Reisebüros als auch von der Gesamtsparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Kammer. Doch auch der Handel reagierte mit Zustimmung - im Gegensatz zur Gastronomie.

"Damit die Anzahl der Gäste weiterhin steigt, müssen wir die Weichen stellen und noch attraktiver werden. Und dazu gehört definitiv die Möglichkeit für Wien-Besucher, auch am Sonntag einkaufen zu können. Denn Shopping gehört für den internationalen Touristen dazu wie die Butter aufs Brot", befand Josef Bitzinger, der Obmann der Tourismus-Sparte.

Der Einzelhandel will sich der Zonenwidmung ebenfalls nicht verschließen: Um im internationalen Wettbewerb wettbewerbsfähig zu bleiben, begrüße er die Initiative, meinte der Obmann der Sparte Handel, Erwin Pellet: "Damit will die Sparte Handel ihren Mitgliedsunternehmen die Möglichkeit geben, zusätzliche Umsätze zu lukrieren." Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es notwendig, die Betriebe zu unterstützen.

Die Fachgruppe der Gastronomie zeigte sich äußerst skeptisch: Mit "völligem Unverständnis" reagierte Obman Willy Turecek. Man sei nie in diverse Gespräche eingeladen worden, kritisierte er. Die laut Turecek größte Fachgruppe in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft sei gegen die Sonntagsöffnung.

Urabstimmung unter den Betrieben

Im ersten Bezirk gibt es auch bereits Befragungsdaten. Bei einer Umfrage unter 500 Betrieben sprachen sich laut Ruck 71 Prozent für eine solche Zone aus. Im Handel alleine ist die Zustimmung nicht mehr ganz so groß: 64 Prozent antworteten dort mit einem "Ja".

Was nun folgt, ist die laut eigenen Angaben größte Befragung in der Geschichte der Wirtschaftskammer. Die Urabstimmung soll bereits in den kommenden Wochen durchgeführt werden. Teilnehmen dürfen daran alle Wiener Firmen. "Ich möchte mir nicht vorwerfen lassen, dass ich einen Teil der Leute ausschließe", betonte Ruck gegenüber der APA. Und er sei sich auch bewusst, dass die Zustimmung "nicht hundertprozentig" ausfallen werde.

Tourismusboom in Wien

Gespräche mit der Stadt Wien und den Arbeitnehmervertretern sollen ebenfalls schon demnächst beginnen. Läuft alles nach Kammer-Plan, könnte bereits 2015 die sonntägliche Aufsperr-Erlaubnis erteilt werden, schätzte Ruck. Dass die Wirtschaftskammer nun für eine Tourismuszone eintrete, liege an der veränderten Situation - sprich: am Tourismus-Boom. Seit 2004 habe sich die Gesamtzahl der Betten verdoppelt, wobei der Anstieg im Fünf-Sterne-Bereich besonders hoch ausgefallen sei, betonte der Kammerpräsident. Die Zahl der Nächtigungen sei inzwischen auf fast 13 Mio. gestiegen.

Ganz Wien zur Tourismuszone zu machen, wäre aus seiner Sicht nicht sinnvoll, beteuerte Ruck: "Wir zielen nicht auf eine Umsatzverlagerung ab." Auch die Einrichtung solcher Zonen um Verkehrsknotenpunkte, also etwa die großen Bahnhöfe, lehnt er ab: "Ich gehe lieber einen Schritt nach dem anderen." Er sei zunächst für eine Beschränkung auf klassische Tourismus-Gebiete, in denen es auch die entsprechende Frequenz gebe.

Zuvor hatte sich schon der Wiener ÖVP-Wirtschaftsbund dafür ausgesprochen, dass die Geschäfte in der Bundeshauptstadt in ausgesuchten Tourismuszonen am Sonntag aufsperren dürfen. Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband hingegen lehnt das Aufsperren am Sonntag ab.

 

 

(APA)