Finanzmärkte: Super-Notenbank warnt vor Finanz-Crash

Euro-Inflationsrate
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In Europa sind die Zinsen so niedrig wie noch nie. Daher legen immer mehr Anleger ihr Geld in den Schwellenländern an. Dies verursacht neue Risken, warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Wien. Die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wird oft unterschätzt. Sie gilt als Super-Notenbank, denn sie nimmt eine Schlüsselrolle bei der Zusammenarbeit der weltweiten Notenbanken ein.

Alle wichtigen Notenbanken sind Mitglieder der BIZ, damit hat die Institution einen guten Überblick über die internationalen Geld- und Kapitalmärkte. Die BIZ gehört auch zu den wenigen Einrichtungen, die vor der weltweiten Finanzkrise 2007 gewarnt haben. Doch auf den Weckruf wurde damals nicht reagiert. Nun schlägt die BIZ erneut Alarm. Sie hält die derzeitige Ruhe auf den Finanzmärkten für trügerisch.

Im jüngsten Quartalsbericht warnt die BIZ vor der lockeren Geldpolitik einiger Notenbanken. In den USA liegen die Leitzinsen seit dem Jahr 2008 zwischen 0,0 Prozent und 0,25 Prozent. Noch schlimmer sieht es in Japan aus, wo die Zinsen seit fast zwei Jahrzehnten niedrig sind. Anfang September senkte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen in der Eurozone auf ein neues historisches Tief von 0,05 Prozent.

 

Katastrophe für Sparer

Für Sparer ist das eine Katastrophe. Berücksichtigt man die Inflationsrate und die Kapitalertragsteuer, ist Sparen seit Jahren ein Verlustgeschäft. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise haben Österreichs Sparer rund 12,9 Milliarden Euro verloren. Zu den Verlierern zählen auch Pensionskassen und die Inhaber von Lebensversicherungen.

Doch viele Investoren geben sich mit den niedrigen Zinsen in den USA und in Europa nicht zufrieden. Sie gehen immer höhere Risken ein und legen ihr Geld in den Schwellenländern an, weil dort die Renditen höher sind. Diese globalen Verschiebungen bei den Finanzströmen bereiten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Sorgen.

Laut BIZ-Angaben haben allein die auf Schwellenländer spezialisierten Fonds seit Oktober 2007 ihre Investitionen von 900 Milliarden US-Dollar auf zuletzt 1,4 Billionen US-Dollar erhöht. Zu den Schwellenländern gehören beispielsweise China, Brasilien, Südafrika, Indien und Türkei.

 

Massive Zuflüsse nach Asien

Allerdings ist die Situation nicht einheitlich. Viel Geld floss vor allem nach China. Im Gegenzug wurde zuletzt aus mehreren osteuropäischen Ländern Kapital abgezogen, was mit den jüngsten Sanktionen gegen Russland und den Unruhen in der Ukraine zusammenhängt. Massive Abflüsse gab es auch aus Argentinien, denn die Regierung in Buenos Aires streitet sich mit US-Hedgefonds um alte Anleihenschulden.

Die stärksten Geldzuflüsse verzeichneten in den vergangenen Monaten asiatische Schwellenländer – wie Indien, Indonesien, Malaysia und China.

 

Gefahr der Destabilisierung

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich befürchtet, dass die Märkte in manchen Schwellenländern durch diesen Boom destabilisiert werden. „Das hohe Volumen und die Konzentration an verwaltetem Vermögen von Fondsanbietern, das sich auf relativ kleine und illiquide Anlagemärkte in Schwellenländern konzentriert, ist ein möglicher Anlass zur Sorge“, heißt es im BIZ-Bericht.

Denn wenn sich die Konjunktur in den Schwellenländern abkühlt, besteht die Gefahr, dass die ausländischen Fondsgesellschaften ihre Milliarden schnell wieder abziehen, was in den betroffenen Ländern zu massiven Verwerfungen führen könnte. Hinzu kommt, dass viele Firmen in den Schwellenländern Schuldtitel (wie Anleihen) in Fremdwährungen begeben haben. Damit sind die Unternehmen ein erhebliches Währungsrisiko eingegangen. Im Fall eines Konjunktureinbruchs besteht die Gefahr von Währungsabwertungen. Die Unternehmen könnten dann Probleme haben, ihre Schulden fristgerecht zu tilgen.

Bereits in der Vergangenheit hat es Beispiele gegeben, wonach niedrige Zinsen auf den Finanzmärkten zu spekulativen Blasen geführt haben. Diese sind dann später geplatzt und haben an den Börsen zu einem Crash geführt.

AUF EINEN BLICK

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht derzeit eine trügerische Ruhe auf den Finanzmärkten. Sie weist darauf hin, dass Anleger auf der Suche nach höheren Renditen im Niedrigzinsumfeld die Preise auf den Märkten immer mehr in die Höhe treiben. Bereits zuvor hat das Institut davor gewarnt, dass das gegenwärtige Wachstum auf den Immobilien- und Kreditmärkten einiger Länder nicht von Dauer sein kann. Die BIZ gilt laut Reuters als „Zentralbank der Zentralbanken“ und hat als Drehkreuz für den Austausch von Notenbanken einen Überblick über das Marktgeschehen.