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USA bombardieren erstmals IS-Ziele bei Bagdad

Ein kurdischer Kämpfer vor einem durch Luftangriffe zerstörtem Haus.
(c) Reuters
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Die USA weiten die Offensive gegen die Terrormiliz aus. Auch Frankreich könnte in den nächsten Tagen mit Luftschlägen starten.

Der Krieg gegen den "Islamischen Staat" ist in eine neue Phase getreten: Die US-Luftwaffe hat die Jihadisten erstmals nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad angegriffen. Wie das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom am Montag mitteilte, zielte der Angriff auf eine IS-Stellung südwestlich der irakischen Hauptstadt. IS-Kämpfer hätten von dort aus Schüsse auf irakische Soldaten abgegeben.

Der US-Luftangriff sei Teil der "erweiterten Bemühungen, US-Einrichtungen zu schützen, humanitäre Hilfen zu unterstützen und der irakischen Armee im Kampf gegen IS-Terroristen zu helfen".

Ein weiterer US-Luftangriff zielte den Angaben zufolge auf die Region nahe des Sindshar-Gebirges im Nordirak. Dabei seien sechs Fahrzeuge der Jihadisten zerstört worden. Die US-Luftangriffe hatten sich bisher auf den Norden des Landes konzentriert. Im August waren Zehntausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden vor dem Vorstoß der IS-Kämpfer in das nördliche Sindshar-Gebirge geflüchtet.

USA flogen bisher 162 Luftangriffe

Die USA führen bereits seit Anfang August Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak durch. Mit den jüngsten Luftangriffen nahe Bagdad und des Sindshar-Gebirges summiert sich die Zahl der US-Angriffe nach Armeeangaben auf 162.

Die USA, die eine internationale Koalition gegen den IS aufbauen, wollen ihr militärisches Vorgehen auch auf Syrien ausweiten. Der IS hat Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht und dort ein "Kalifat" ausgerufen.

 USA: Training von moderaten Rebellen?

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel und Generalstabschef Martin Dempsey werden am Dienstag im Streitkräfteausschuss ihre Strategie gegen die Terrormiliz erläutern. Dabei müssen sie sich auf harte Fragen der Senatoren einrichten.

Der Senat muss gemeinsam mit dem Abgeordnetenhaus entscheiden, ob die USA wie von Präsident Barack Obama gefordert die moderaten syrischen Rebellen trainieren und ausbilden sollen. Während einige Kongressmitglieder befürchten, dass Ausrüstung des US-Militärs in die falschen Hände geraten könnte, sehen andere diesen Schritt als entscheidend im Kampf gegen IS. Rund zwei Millionen Menschen sollen bereits vor der Terrorarmee des Islamischen Staats (IS) geflüchtet sein.

"NYT": 1000 Kämpfer aus der Türkei rekrutiert

Die IS rekrutiert nach Informationen der Zeitung "New York Times" zunehmend auch in der Türkei neue Mitglieder. Bis zu 1000 Türken hätten sich bisher der Extremistengruppe angeschlossen, berichtete das Blatt. Anziehungspunkte seien sowohl die Ideologie der Miliz als auch die Bezahlung.

Das Blatt berichtete von einem 27-jährigen Türken, der nach einer 15-tägigen Basisausbildung im syrischen Al-Rakka einer Kampfeinheit zugewiesen wurde. Er habe bereits zwei Männer erschossen und an einer öffentlichen Hinrichtung teilgenommen. Erst als er einen Mann lebendig begraben hatte, sei er als Vollmitglied der Miliz aufgenommen worden, sagte der ehemalige Drogenabhängige dem Blatt.

Paris treibt Krieg gegen den IS voran

29 Staaten sagten am Montag auf einer Konferenz in Paris Hilfe gegen den Islamischen Staat zu. Frankreich könnte in den nächsten Tagen mit Luftschlägen starten. Die Intervention erfolgt nicht auf Beschluss der UNO, sondern auf Ersuchen der irakischen Regierung.

Die militärischen Aktionen gegen Stellungen oder Nachschubwege werden unter amerikanischem Oberbefehl stehen. Außer Frankreich könnten sich Großbritannien und eventuell Australien mit eigenen Kampfflugzeugen an Luftschlägen beteiligen. US-Außenminister John Kerry spricht von 40 Staaten, die ihm Unterstützung für den Kampf gegen Daash zugesichert hätten, darunter auch die Türkei sowie Saudiarabien und andere Länder aus dem arabischen Raum. Deutschland schließt Luftangriffe aus.

(APA/AFP/Red.)