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Udo Janßen: Der neue Herr über Wiens Spitäler

UDO JANSSEN WIRD NEUER DIREKTOR DES WIENER KRANKENANSTALTENVERBUNDES
UDO JANSSEN(c) APA/KAV/BERNHARD NOLL (BERNHARD NOLL)
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Der neue Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) erbt eine gewaltige Baustelle. Sein Vorteil in Hinblick auf Reformen und Befindlichkeiten im KAV: Er ist in diesem System nicht groß geworden.

Wien. Das Machtvakuum ist zu Ende. Nachdem Wilhelm Marhold im Dezember 2013 seinen Rücktritt erklärt hatte, war der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) ohne Generaldirektor – was Entscheidungen verzögerte bzw. erschwerte. Erst jetzt, rund neun Monate später, gibt es einen Nachfolger: Udo Janßen, seit Mai 2013 Stellvertreter von Marhold, übernimmt per November die Führung des KAV, der einer der größten Spitalsträger Europas ist. Das gab Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag bekannt.

Der Entscheidung für den Deutschen ging eine internationale Ausschreibung samt Hearing voraus. Und nun steht Janßen vor einer Herkulesaufgabe: 30.000 Mitarbeiter, ein Gesamtbudget von 3,7 Milliarden Euro – sämtliche Wiener Gemeindespitäler, Pflegeheime und Geriatriezentren sind im KAV zusammengefasst. Janßen muss also einen Konzern führen – aber keinen normalen Konzern.

Einerseits muss Janßen Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Ärzte nehmen, die über eine starke Lobby verfügen und oft eigene Interessen verfolgen. Das führte im KAV zu Machtkämpfen und Fraktionsbildungen. Gleichzeitig muss sich Janßen mit den Personalvertretern arrangieren. Ohne die geht im KAV überhaupt nichts. Nebenbei regiert die Politik in Form von Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely direkt in den KAV hinein. Das ist durchaus die Verantwortung und Pflicht einer Gesundheitsstadträtin. Aber in KAV-Kreisen wird von einem „eisernen Griff“ gesprochen; selbst Kleinigkeiten müssten mit der Stadträtin genauestens abgesprochen werden.

Schafft Janßen diese Balance, kann er sich um seine eigentliche Arbeit kümmern: Die Umsetzung des Spitalskonzepts mit dem Herzstück, dem Spital Wien-Nord. Dort gibt es bereits die ersten Kostenüberschreitungen, massive Bauverzögerungen drohen.

Der Deutsche muss also schwierige Reformen im Wiener Gesundheitssystem vorantreiben, ohne einen wichtigen Akteur zu verärgern. Dabei besitzt Janßen einen großen Vorteil: Er kommt nicht aus dem System, ist erst seit Kurzem im KAV, hat also keine alten Verpflichtungen gegenüber irgendeiner Seilschaft. Und das gibt Hoffnung, dass Reformen wirklich durchgezogen werden. Die Frage ist, ob er sich dafür eine Hausmacht aufbauen kann. Bisher war aus dem KAV zu hören, dass nicht wenige „dem Deutschen“ reserviert gegenüber stehen. Wobei Janßen eine wichtige Eigenschaft bereits bewiesen haben dürfte: Bedingungslose Loyalität zu Gesundheitsstadträtin Wehsely. Ohne diese Eigenschaft ist ein Spitzenjob in ihrem Ressort, wie aus Rathaus-Kreisen zu hören ist, „völlig unmöglich“.

ZUR PERSON

Udo Janßen (46) wird Generaldirektor des Krankenanstaltenverbundes, der einer der größten europäischen Spitalsträger ist. Der Deutsche studierte Medizin, BWL, ist auch Wirtschaftsjurist. Er war seit 2013 Vize-Generaldirektor im KAV. Was ihm bei seinem Job helfen dürfte: Er hat auch eine Ausbildung als Krisenmanager. [ APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2014)