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Lebensmittel: Eine Ernte ohne echten Sommer?

THEMENBILD: WEINLESE
WEINLESE(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Dauerregen, verfaulter Wein, weggeschwemmte Kürbisse und Kraut, das nicht geerntet wird? Die Folgen eines turbulenten Sommers.

Wien. 8000 Hektar landwirtschaftliche Fläche überflutet, Totalschäden auf 500 Hektar Kürbis- oder 700 Hektar Maisfläche. Von Wassermassen niedergewalzt und großflächig vernichtet wurden außerdem die Freilandkulturen von Chinakohl und Salat. Die Felder sind völlig aufgeweicht und möglicherweise wochenlang nicht befahrbar. Die Schäden der Unwetter des vergangenen Wochenendes allein für die steirische Landwirtschaft waren enorm, der Schaden wird auf etwa zwölf Millionen Euro geschätzt.

Im Rest Österreichs sei es aber, heißt es von der Landwirtschaftskammer, zu keinen großflächigen Schäden gekommen. Abgesehen von Teilen des Mühl- und Waldviertels, in denen Getreide vernichtet wurde. Ansonsten verzögert sich die Ernte: Derzeit vor allem bei Kartoffeln, bei Rüben und Sonnenblumen. Während in der Steiermark die vom Unwetter betroffenen Bauern mitunter in ihrer Existenz bedroht sind, dürften sich die Folgen für die Konsumenten in Grenzen halten: Im Geschäft werde man vom trüben Sommer wenig bemerken, heißt es aus der Kammer.

 

Keine Angst vor Kürbisnot

Großflächig vernichtet wurden in der Steiermark vor allem Mais und Kürbisse. Mais, der vor allem als Futtermittel genutzt wird, gebe es in der Steiermark noch genug, sagt Günther Rohrer, Bereichsleiter Landwirtschaftliche Erzeugnisse der Landwirtschaftskammer. Auf die Verbraucherpreise hätten die Unwetterschäden keinen Effekt, in Summe, sagt er, „war die Dürre voriges Jahr da viel gravierender“. Auch wenn es um die Kürbisse geht, müssten sich Konsumenten keine Sorgen machen: Trotz der großflächigen Ausfälle, so Rohrer, gebe es genug für die Versorgung. Auch beim Getreide sind die Folgen des trüben Sommers nicht dramatisch: In einzelnen Regionen ist es zu Ausfällen durch Unwetter gekommen, das kommt aber ohnehin jeden Sommer vor.

In Summe ist die heimische Getreideernte aber um zehn Prozent besser ausgefallen als im langjährigen Durchschnitt. Auf den Preis von Brot und Backwaren dürften sich das aber nicht auswirken, wie es von der Agrarmarkt Austria (AMA) heißt. Schließlich bestimmen die Getreidepreise – die derzeit weltweit sehr niedrig sind – nur einen Bruchteil des Endpreises. Jenen Preis, den Konsumenten beim Bäcker bezahlen, bestimmen vor allem Energie- und Personalkosten, der Rohstoff allein mache nur vier bis acht Prozent aus.

Preisanstiege müssen auch Weinliebhaber nicht fürchten, denn noch ist es für den Weinbau nicht zu spät, um glimpflich durch die Saison zu kommen. Während kürzlich von Noternten die Rede war, da der Wein zu verfaulen drohe, beruhigt Josef Glatt, Direktor des Weinbauverbandes: Frühsorten seien zum Teil ein paar Tage früher geerntet worden als sonst. Problematisch sei aber nicht Qualität oder Menge, sondern der Arbeitsaufwand – faulige Trauben müssen händisch aussortiert werden.

 

Letzte Chance für guten Wein

Die Frühsorten machen in Österreich aber nur etwa 20 Prozent des Weins aus, für die Spätsorten sei es nicht zu spät. „Kommt stabileres Wetter, wird sich die Situation entspannen. Dann kommen wir mit einem blauen Auge davon.“ Zwei bis drei Wochen Hochdruckwetter würde viel wettmachen, sagt er. Aber auch bei den Spätsorten sei es punktuell zu Fäulnis gekommen. Wie die Ernte mengenmäßig ausfällt, hängt vom Wetter der nächsten Wochen ab. „Aber auch 2010 und 2011 ist es zu geringeren Ernten gekommen, ohne dass uns der Wein ausgegangen wäre“, sagt Glatt. Wie sich das auf die Preise auswirkt, das lasse sich noch nicht sagen. Die Österreichische Wein Marketing GmbH geht allerdings davon aus, dass die kürzlich geschätzte Menge von 2,5 Mio. Hektoliter heuer nicht erreicht wird.

 

Kraut und Obst bleiben liegen

Während der viele Regen den Weinstöcken schadet, profitieren andere Pflanzen davon: Kraut, zum Beispiel. Genau dieses, das Kraut, aber auch die Apfelernte, haben in den vergangenen Tagen für Aufregung gesorgt, weil Bauern der Efko-Genossenschaft in Oberösterreich die Krauternte auf rund zehn Hektar Fläche einhächseln mussten, bzw. Äpfel liegen gelassen werden. Daran sind vor allem die Russland-Sanktionen schuld, die die Preise so weit gedrückt haben, dass die Erntekosten die Verluste nur vergrößern würden. Die SPÖ kritisiert, dass diese Lebensmittel nicht sozialen Einrichtungen gespendet werden. Die Efko-Bauern halten dem entgegen, dass die Ernte den Verlust nur vergrößern würde. Und dass es aus Haftungsgründen nicht möglich sei, Fremde auf den Feldern ernten zu lassen.
Bauern verdienen weniger, S. 16

PROGNOSE

Zuwarten und auf Sonne hoffen heißt derzeit die Devise in vielen Bereichen der Landwirtschaft. Und so geht es den aktuellen Prognosen nach weiter: Heute, Mittwoch, wird es laut Zamg in vielen Regionen spätsommerlich warm mit Temperaturen von 18 bis 26 Grad. Dichtere hochnebelartige Bewölkung hält sich hingegen an der Alpensüdseite und im Südosten. Am Donnerstag sollte sich, nachdem sich der Nebel lichtet, großteils sonniges Spätsommerwetter einstellen, mit Temperaturen von bis zu 26 Grad. Am Freitag bleibt es sonnig, ebenso am Samstag. Im Westen und Norden ziehen aber auch Wolken durch und dort gehen auch Regenschauer oder Gewitter nieder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2014)