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Leica S: Filmen im Mittelformat

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Der deutsche Hersteller bringt ein Update für seine S-Klasse, das fast so viel kosten wird, wie eine A-Klasse von Mercedes.

Gut Ding braucht offenbar wirklich Weile. Die S-Klasse von Leica war mit ihrem CCD-Sensor schon längst überaltert. Hinter vorgehaltener Hand gaben Leica-Techniker zu, dass der Sensor der aktuellen M weitaus bessere Bilder liefert, als der größere Sensor der S.

Damit dürfte es jetzt vorbei sein: Auf der Photokina präsentierte Leica ein Update für die S (nach der neuen Namensgebung Typ 007), das nicht nur einen neuen Sensor bringt, sondern auch sonst viele beeindruckende Features. Die neue S wird freilich auch beim Preis beeindruckend sein. Offiziell gibt es zwar noch keinen, er dürfte sich aber deutlich jenseits der 20.000 Euro liegen. Ein Preis, für den man sich auch schon einen Kleinwagen der A-Klasse von Mercedes kaufen kann. Liefert die Kamera aber in der Praxis, was die Spezifikationen in der Theorie versprechen, ist der Preis durchaus angemessen.

Es fängt beim Sensor an, Leica verwendet jetzt einen neuentwickelten CMOS in der Größe von 30 mal 45 Millimeter, der eine Auflösung von 37,5 Megapixel liefert. Dadurch ist es gelungen, eine im Mittelformatbereich bisher nicht gekannte Bildgeschwindigkeit von 3,5 Fotos pro Sekunde zu bieten. Ein zwei Gigabyte großer Pufferspeicher erlaubt eine “hohe Bildrate” (Leica gibt keine genauen Zahlen an). Jedenfalls hat ein verlustfrei komprimiertes RAW (DNG, 7500 x 5000 Pixel) etwa 42 Megabyte, ein jpeg benötigt knapp 16 Megabyte Speicherplatz. Der Verschluss ist auf 150.000 Auslösungen ausgelegt. Verwendet werden CF- und SD-Karten.

Den ISO-Bereich gibt Leica bis 6400 an. Wie stark das Rauschen ist, konnten wir bei dem in Köln ausgestellten Modell leider nicht testen. Der CMOS-Sensor und der neu entwickelte Bildprozessor dürften aber sicherstellen, dass es auf jeden Fall besser ist als beim Vorgängermodell, bei dem man bei 800 ISO Augenschmerzen bekam.

Das Autofokus-System wurde ebenfalls überarbeitet, er soll schneller und präziser sein. Damit bei bewegten Motiven die Schärfe sicher und schnell nachgeführt werden kann, verfügt die S über einen prädiktiven Autofokus: Die Kamera erkennt die Bewegung des Motivs und berechnet die Entfernung im Moment des Auslösens voraus. Das soll, sagt Leica, “professionellen Mittelformat-Actionfotografie” ermöglichen.

Nicht goß in den Mittelpunkt der Präsentation stellte Leica die Videomöglichkeiten der S: Sie kann 4k-Video (4096x2160 Pixel) mit dem Filmstandard von 24 Bildern pro Sekunde aufnehmen, Full-HD-Video reicht bis 30 fps. Über HDMI kann ein unkomprimiertes Videosignal mit 4:2:2-Farbabtastung ausgegeben werden Die Kamera hat einen Mikrofon- und einen Kopfhöreranschluss.

Nette Spielereien der Leica S: ein integriertes GPS-Modul, das auf Wunsch die Koordinaten des aktuellen Standorts in den Exif-Daten der Fotos festhält und auch die Systemzeit automatisch einstellen kann. Die neue Zwei-Achsen-Wasserwaage zeigt präzise die Ausrichtung der Kamera im Sucherdisplay, so dass der Fotograf die Kamera ohne externe Hilfsmittel waagerecht ausrichten kann. Integriert ist ein WLAN-Modul, das die Steuerung der Kamera und die Bildkontrolle inklusive LiveView-Modus über eine App für Smartphones und Tablets ermöglicht.

Für die S stehen aktuell zehn Objektive zur Verfügung (neu ist ein Summicron-S 2/100mm), von denen sechs optional mit dem Zentralverschluss erhältlich sind, zudem gibt es ein Tilt/Shift-Objektiv. Objektive anderer Mittelformat-Hersteller können über einen Adapter verwendet werden: mit dem S-Adapter H die H-Objektive von Hasselblad, mit dem S-Adapter C die Contax 645-Objektive. Es steht jeweils der komplette Funktionsumfang inklusive Autofokus, Zentralverschluss und automatischer Blende zur Verfügung.

Erhältlich ist die Leica S ab Frühjahr 2015, Leica gab noch keinen Preis bekannt. Für den “Einsteiger” gibt es die neue Leica S-E (Typ 006), mehr oder weniger die bisherige S2 mit dem 37,5-Megapixel-CCD-Sensor. Sie kostet in Österreich knapp 16.000 Euro.