Wie die Polizei ihre Waffen sichert

KÄRNTNER ERSCHOSS SICH MIT POLIZEIPISTOLE IN STREIFENWAGEN
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Sachverständiger soll klären, wie ein 48-jähriger Kärntner einem Polizisten die Pistole entrissen hat.

Heiligenblut/Wien. Der 48-jährige Kärntner hatte auf der Rückbank des Streifenwagens Platz genommen, als er nach der Dienstwaffe des vor ihm auf dem Beifahrersitz sitzenden Polizisten griff. Es gelang ihm, die Pistole aus dem Holster zu ziehen, er richtete die Waffe gegen seinen Kopf und drückte ab. Diese Szene spielte sich vorgestern, Mittwoch, in Heiligenblut ab.

Wie es überhaupt möglich war, dass der Mann, den die Beamten wegen Suizidgefahr mitgenommen haben, an die Pistole gekommen ist, will die Staatsanwaltschaft nun mithilfe eines Sachverständigen klären. Denn für die Sicherung vor Fremdzugriff auf behördlich eingesetzte Waffen wird bei der Polizei doch einiges an Aufwand betrieben.

Zunächst wäre da die Ausrüstung. Alle uniformierten Polizisten im Land tragen ihre Glock17-Pistolen (Kaliber: 9mm) in den gleichen Sicherheitsholstern. Die aus stabilem Kunststoff gefertigten Tragevorrichtungen sind mit einem verdeckten Mechanismus ausgestattet, der, wenn man nicht weiß, wie man die Verriegelung löst, die Pistole fest in ihrer Hülle hält. So fest, dass im Rahmen von Krawallen und im Handgemenge den Polizisten schon ganze Holster vom Gürtel gerissen wurden, die Angreifer es bisher jedoch nie geschafft haben, die Waffen zu entnehmen. Steckt sie nämlich im Holster, ist es unmöglich, den Abzug zu betätigen.

Der Riegelmechanismus gilt als sicher genug, dass die Waffe geladen, also mit einer Patrone im Lauf, getragen wird. Das bedeutet: Einmal dem Holster entnommen ist sie sofort schussbereit. Im Einsatz hat das für den Polizisten den Vorteil, dass das Repetieren des Schlittens entfällt, er wertvolle Zeit spart. Beim Zwischenfall in Kärnten könnte das jedoch ein Nachteil gewesen sein.

Das baugleiche Holster ist auch bei Justizwache und Bundesheer im Einsatz. Das ist eine Erklärung dafür, warum es dem Opfer gelungen ist, die Waffe überhaupt an sich zu reißen – der Mann war mehrfach als Zeitsoldat im Auslandseinsatz und wusste daher auch, wie man die Verriegelung des Holsters löst.

 

Waffe immer weg vom Bürger

Bei der Sicherung der Dienstwaffen vor Fremdzugriff verlässt sich die Exekutive jedoch nicht nur auf die Ausrüstung. Ausbilder wie Roland Wegscheidler vermitteln den Polizisten auch spezielle Verhaltensweisen, damit Gelegenheiten zum Entreißen der Waffen für Dritte erst gar nicht entstehen. So wird vielen Bürgern im Gespräch mit Uniformierten schon aufgefallen sein, dass diese fast immer seitlich zu einem stehen. „Das wird deshalb so gelehrt, damit sich die Waffe möglichst immer auf der dem Gesprächspartner abgewandten Seite befindet“, so der Bundeseinsatztrainer. Eine weitere Strategie zur Vermeidung von Zugriffen auf die Waffe ist: Distanz. Auf der Straße ist das mit einem Schritt nach hinten leicht einzuhalten, in der Enge eines Fahrzeugs jedoch kaum.

Außerhalb der Dienstzeit werden Dienstwaffen und Munition – jeder Uniformierte trägt zwei mit jeweils 16 Patronen geladene Magazine bei sich, von denen eines in der Pistole, das andere im Gürtel steckt– in den Panzerschränken der Inspektionen versperrt. In vielen Einsatzfahrzeugen befindet sich zusätzlich noch eine MP88-Maschinenpistole in einem – ebenfalls versperrten – Fach im Kofferraum.

Trotz aller Vorkehrungen gelingt es Dritten dennoch ab und zu, eine Polizeipistole aus einem Holster zu ziehen. Zuletzt im Jänner 2014. Der Täter flüchtete, schoss dabei mehrfach in die Luft. Mithilfe der Sondereinheit Cobra wurde er nach mehrstündiger Flucht gestellt.