Wieder Turbulenzen bei der Staatsbank Hypo Alpe Adria

The logo of nationalised lender Hypo Alpe Adria is pictured atop the bank's headquarters in Klagenfurt
(c) REUTERS

Hypo-Generaldirektor Alexander Picker hätte neuer Chef der Balkan-Tochter werden sollen. Doch die Aktion wurde abgeblasen.

Wien. Der Umbau bei der staatlichen Hypo verläuft turbulent. Am Freitag traf sich der Aufsichtsrat der Krisenbank. Dabei hätte dem Vernehmen nach beschlossen werden sollen, dass der amtierende Hypo-Generaldirektor, Andreas Picker, im November neuer Chef der zum Verkauf stehenden Balkan-Tochter werden soll. Doch die Aktion wurde kurzfristig abgeblasen. Ein Grund wurde nicht genannt.

Die Bank teilte nur mit, dass der Aufsichtsrat „heute eine seiner derzeit vielen Sitzungen“ gehabt habe, „um die Restrukturierung voranzubringen“. Weiters wies die Hypo darauf hin, dass sie einen „funktionierenden Vorstand“ habe. Personelle Entscheidungen, die die künftigen Strukturen betreffen würden, werde man dann kommunizieren, wenn diese neue Strukturen geschaffen seien, hieß es zur APA. Zu weiteren Gerüchten will sich das Institut nicht äußern.

 

Viele Fragen bleiben offen

Der ursprünglich angedachte Wechsel von Picker zur Balkan-Tochter wirft Fragen auf. Zur Vorgeschichte: Die Hypo verfügt über eine Bilanzsumme von 25,2 Milliarden Euro. Davon sollen 17 Milliarden Euro in die Abbaugesellschaft kommen. Bei einem Großteil der restlichen Milliarden geht es um die Balkan-Tochter, für die gerade ein Käufer gesucht wird.

Um Interessenten zu finden, wurden in der Vergangenheit faule Kredite von der Balkan-Tochter in den Abbauteil transferiert. Damit konnte die Balkan-Tochter weitgehend von Altlasten befreit werden. Sie machte im ersten Halbjahr 2014 einen vergleichsweise kleinen Verlust von 4,3 Millionen Euro.

Picker hat in den vergangenen Monaten dazu beigetragen, die Balkan-Tochter zu sanieren. Dies ging freilich unter anderem zulasten der Abbaugesellschaft, für deren Risken weiterhin der Steuerzahler aufkommt.

Als Hypo-Chef nimmt Picker nun eine nicht ganz unbedeutende Rolle beim Verkauf der Balkan-Tochter ein. Ende August sagte Picker, dass die Gespräche über den Verkauf „sehr weit gediehen“ seien.

Und obwohl die Balkan-Tochter noch gar nicht verkauft ist, hätte Picker dort den Chefposten übernehmen sollen. Für die Abbaugesellschaft mit den vielen faulen Krediten und den hoch riskanten Geschäften hätte der Staat einen neuen Chef suchen sollen.

Dem Vernehmen nach soll es nun Bedenken hinsichtlich eines raschen Picker-Wechsels gegeben haben. Außerdem ist es völlig offen, ob der künftige Eigentümer der Balkan-Tochter Picker überhaupt haben will.

Laut „Presse“-Informationen läuft auch beim Verkauf der Balkan-Tochter nicht alles reibungslos. Dem Vernehmen nach gab es zuletzt gewisse Zweifel an der einen oder anderen Bietergruppe.

Daher soll von den ursprünglichen Interessenten nur noch der US-Finanzinvestor Advent International für die entscheidenden Gespräche übrig bleiben. Advent ist einer der größten amerikanischen Beteiligungsfonds. Die Amerikaner werden längst wissen, dass sie gute Karten haben. Sie sollen versuchen, den Preis zu drücken. Daher stellt sich die Frage, ob der Staat einer solchen Transaktion überhaupt zustimmen soll.

 

Schwieriger Verkaufsprozess

Für den österreichischen Steuerzahler dürfte der Verkauf ein schlechtes Geschäft werden. Ursprünglich hat man sich einen Preis von 500 Millionen Euro erhofft. Doch dieser Betrag ist völlig unrealistisch, heißt es.

Eigentlich sollte bei der Hypo Ruhe einkehren. Der frühere Finanzminister, Michael Spindelegger (ÖVP), präsentierte im Mai neue Aufsichtsräte für die Bank. Spindelegger sprach damals von einer „Professionalisierung und Entpolitisierung“. Dazu holte er Banker aus Deutschland. Kritik an den höheren Kosten für den Aufsichtsrat wies Spindelegger in der Vergangenheit zurück: Wenn es um ein paar Euro mehr gehe, brauche man nicht kleinlich sein.

AUF EINEN BLICK

Die Hypo soll zerschlagen werden. In die Abbaugesellschaft soll ein Geschäftsvolumen von 17 Milliarden Euro transferiert werden. Für die dortigen Kredite und Risken muss der Steuerzahler aufkommen. Hypo-Generaldirektor Picker hätte neuer Chef der sanierten Balkan-Tochter werden sollen. Doch dies wurde am Freitag abgeblasen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2014)