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Salzburg: Grünes Licht für umstrittenes Bauprojekt

Salzburg - Im Schatten der Felsen
(c) ORF (Riha)
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Nach vier Jahren Streit und Unesco-Protesten wird der Rehrlplatz nun umgebaut.

Salzburg. Wer in der Salzburger Altstadt bauen will, der muss sich auf einige Schwierigkeiten und lange Verfahren einstellen. Die Bauwerber am Rehrlplatz haben es nach einem vier Jahre dauernden Verfahren nun hinter sich: Mit den Stimmen von SPÖ, Bürgerliste und Neos gab der Gemeinderat nach der vierten Umplanung des Projekts seine Zustimmung.

Am Fuß des Kapuzinerbergs will ein Immobilienunternehmen ein Wohn- und Geschäftsprojekt realisieren. Und obwohl das Areal brach liegt, liefen Anrainer von Anfang an Sturm gegen die Verbauung des Rehrlplatzes. Grund: Die Größe der geplanten Objekte sei nicht mit der von Villen geprägten Gegend und dem Schutz der naheliegenden Altstadt vereinbar. „Die Zeit ist überreif, endlich einen Schlussstrich zu ziehen!“, ärgerte sich der für die Stadtplanung zuständige Stadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) über die nicht verstummenden Proteste.

Padutsch befürwortet die Pläne der Architekten SEP (Storch Ehlers Partner) aus Hannover für das Areal am Rand der Weltkulturerbezone. „Es ist ein sehr gutes Projekt, das man an dieser Stelle verantworten kann“, sagt er. Die aktuellen Pläne der Architekten sehen mehrere Wohnblöcke mit vier – statt ursprünglich fünf – Geschoßen vor. In den Erdgeschoßen der Gebäude sollen Geschäftsflächen entstehen.

 

Unesco gab grünes Licht

Neo-Gemeinderat Christoph Ferch (Liste Salz), der mit der Initiative Rettet Salzburg in den vergangenen Jahren über 20.000 Unterschriften für den Schutz der Altstadt gesammelt und im März den Sprung in das Stadtparlament geschafft hat, hat stets davor gewarnt, dass die Unesco als Hüterin des Weltkulturerbes dem Projekt noch nicht endgültig zugestimmt habe. In einem Gutachten, das von der Universität Krems für die Organisation im Frühling erstellt wurde, gab es allerdings gegen die veränderten Pläne keine Einwände mehr.

Nach vorangegangen Protesten der Unesco hatte die AH Projektentwicklungs GmbH als Bauwerber die Entwürfe ändern lassen. Die Bauhöhe wurde reduziert, die Sichtbetonfassade durch hellen Putz ersetzt. Es bestehe keine Gefährdung des Welterbestatus mehr, haben Vertreter der Unesco dann im Planungsausschuss betont.

Ferch, selbst Anrainer des Rehrlplatzes, sprach im Gemeinderat trotzdem von einem „Unglücksprojekt“. Gegen das Vorhaben sind auch ÖVP und FPÖ.

„Es ist beschämend, dass wir die Unesco brauchen, um uns um unsere Altstadt zu kümmern“, so FP-Klubobmann Andreas Schöppl. Die „Gstätten“ auf dem Rehrlplatz gehöre zwar weg, aber die derzeitigen Pläne ließen jegliche Sensibilität für die Umgebung vermissen.

Mit den Stimmen von SPÖ, Bürgerliste und Neos gab es eine Mehrheit für die geplante Verbauung. Während im Gemeinderat der Rehrlplatz abgesegnet wurde, demonstrierten die Gegner eines anderen umstrittenen Projekts auf der Besuchergalerie: Die Bürgerliste gegen die Erweiterung der Mönchsberggarage war mit Transparenten gekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2014)