Warum erinnern sich alte Menschen gut an lang Vergangenes?

Wie wir uns Dinge merken, hängt stark vom Speicherort ab.

Was gestern war, ist nicht präsent. Erlebnisse aus der frühen Jugend sind dagegen in lebendiger Erinnerung. Wie lässt sich erklären, dass mit zunehmendem Alter die Erinnerung an lang zurückliegende Ereignisse besser wird? Welche Formen des Gedächtnisses gibt es? Und: Wie kann man das Gehirn trainieren?

Wenn wir altern, altert auch das Gehirn. Die neurologische Basis des Gedächtnisses geht zurück: „Der Hippocampus als Informationszentrale lässt nach und wird kleiner“, sagt Anton Laireiter vom Fachbereich Psychologie der Uni Salzburg. Der Gerontopsychologe befasst sich mit Gesundheitsförderung im Alter.

Die Forscher unterscheiden drei Formen des Gedächtnisses: Das ikonische Gedächtnis reicht als Ultrakurzzeitgedächtnis nur wenige Millisekunden zurück. Wir erinnern uns etwa an ein eben gesehenes Bild. Das Kurzzeitgedächtnis erlaubt zum Beispiel, sich an ein gerade geführtes Gespräch zu erinnern. Das Langzeitgedächtnis vergleicht neue und alte Informationen und ordnet sie entsprechend ein. Emotion, Ort und Inhalt sind hier wichtig.

„Mit zunehmendem Alter kommt es beim Einspeichern neuer Informationen, vor allem im Hippocampus, aber zu Beeinträchtigungen“, so Laireiter. „Die im Großhirn gespeicherte Information aus früheren Lebensphasen bleibt länger verfügbar und ist daher subjektiv auch stärker präsent. Daher erinnern wir uns im Alter auch leichter an Vergangenes als an Gegenwärtiges.“

Die gute Nachricht: Das Gehirn funktioniert wie ein Muskel, der fit gehalten werden will. Das Gedächtnis lässt sich also trainieren, und das funktioniert nicht nur mit Sudoku. Der Gerontopsychologe empfiehlt Abwechslung: statt Bekanntes zu üben Neues auszuprobieren. Ein Niederländisch-Kurs fordert die Synapsen etwa weit mehr als der zehnte Englisch-Kurs. Statt gewohnte neue Urlaubsorte wählen. Und auch die Motorik schult das Gehirn: Bewegung wie regelmäßiges Walken ist auch fürs Gedächtnis gut.

E-Mails an: wissen@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2014)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.