Schafft es ab, das Pendlerpauschale!

Wir wollen keine armen Schlucker sein, die Taschengeld von Finanzminister Molterer beziehen.

Jedermann, der täglich mit dem Lamborghini vom Attersee an die Wiener Börse pendelt, um zu kontrollieren, wie prächtig sich seine OMV-Aktien entwickeln, weiß: In diesem Land, das den Bau der achtspurigen Autobahn scheut wie der Kassenarzt die Quittung, wird viel zu wenig für den Individualverkehr getan. Spätestens in Hütteldorf bemerkt man, dass sich vereinzelt zwei oder gar drei griesgrämige Personen in einem untermotorisierten Kleinwagen drängen.

Das ist volkswirtschaftlicher Unsinn. Wie sollen sich meine Warentermingeschäfte für 2016 rechnen, wenn der Ölpreis nicht weiter flott steigt, weil irgendwelche Klemmer auf den täglichen Einsatz des eigenen PKW verzichten? „Freie Fahrt für freie Bürger“ lautet das Grundgesetz des besser verdienenden Europa. Benzin muss brennen, damit dieser Planet floriert. Vollgas, solange es noch geht!

Diese Logik hat offenbar auch die österreichische Bundesregierung erkannt. ÖVP, SPÖ, Autofahrerklubs und weitere Freunde des kleinen Mannes im Stau auf der Straße setzen sich für die Erhöhung des Pendlerpauschales ein. Mit Verlaub, dieser Vorstoß ist viel zu kleinkariert. Für die paar Flocken, die Molterer rausrücken will, kann man sich nicht einmal einen Schlüsselanhänger von Ferrari kaufen. Seien Sie ein Mann, Herr Finanzminister! Schaffen Sie das Pendlerpauschale ab und mit ihm auch die Mineralölsteuer! Wir wollen keine armen Schlucker sein, die Taschengeld dafür beziehen, dass sie, wie der Kanzler sagt, „berufsbedingt einen großen Mobilitätsaufwand haben“, sondern großzügige Rahmenbedingungen, die lustbetontes Cruisen in unserer schönen Landschaft fördern.

Und wenn schon Pendlerpauschale, dann richtig: Wer den stärkeren Motor hat, soll auch mehr kassieren dürfen. Durch gezielte Einführung eines Mindest-PS-Pauschales würde sich das leidige Problem mit all den Schüsseln erledigen, die regelmäßig mit Gehässigkeit alle Überholspuren blockieren. Wie wäre es denn auch mit einem Pendlerpauschale für unsere Überflieger von der AUA? Die kann sich ja kaum noch den Sprit für geile Langstreckenflüge leisten. Exsenator Gusenbauer geht viel zu zögerlich mit dieser nationalen Schande um.

Leider haben wir eine Koalition der Ängstlichen. Ich höre schon das Gesudere, wie man das Freifahrtmodell gegenfinanzieren soll. Herr Buchinger würde wahrscheinlich mit einer Immobiliensteuer aufwarten; all die Unbeweglichen, die in ihren Villen sitzen und die Zeit vertändeln, statt sich rasend für unsere Zuliefererindustrie oder die Not leidenden Versicherungen zu engagieren, sollen blechen. Ein interessanter Vorschlag, aber unnötig. Die besten Ökonomen aus den USA wissen längst: Wer aufs Gas steigt, gewinnt.

P.S.: Kann mir irgendjemand sagen, was die mobilen Grünen vom Pendlerpauschale halten?


norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2008)

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