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Schwerer Kater in Schottland

Im gespaltenen Glasgow entlud sich der Frust in Ausschreitungen.

„Idioten gibt es auf beiden Seiten“, hat der schottische (Noch-)Regierungschef Alex Salmond am Siedepunkt der Kampagne erklärt. Diese sind nach der Volksabstimmung offenbar noch auf dem Heimweg: In der Innenstadt von Glasgow ist es zu Zusammenstößen zwischen mehreren hundert Unionisten und Nationalisten gekommen.

Die Stimmung in der Stadt, die mit 53,5 gegen 46,5 Prozent für die Unabhängigkeit gestimmt hat, bleibt gespannt. „Es geht mitten durch die ganze Gesellschaft“, sagt ein Augenzeuge. „Die Stadt ist gespalten, und ich glaube, die Fahnen sind da nur eine Ausrede.“ Bei den verfeindeten Gruppen haben die Unionisten den britischen Union Jack geschwungen, die Nationalisten den schottischen Saltire.

Die Debatte über die Unabhängigkeit hat in der schottischen Gesellschaft tiefe Spuren hinterlassen. Viele Ja-Wähler reagierten auf die Ablehnung mit tiefer Enttäuschung: „Wir haben eine einmalige Chance weggeworfen“, sagte eine Schottin zur „Presse“. Queen Elizabeth rief in ihrer Stellungnahme zu Respekt und Aussöhnung auf. „Es gibt jetzt keine wichtigere Aufgabe.“

Wesentlich für eine Entspannung wird eine rasche Umsetzung der Versprechungen weiterer Autonomiebefugnisse für das schottische Parlament sein. Der britische Ex-Premier Gordon Brown von der Labour Party, dank seines beherzten Engagements von manchen als „Retter der Union“ gepriesen, gab eine „dreifache Garantie“: Alle Parteiführer in London hätten sich schriftlich dazu verpflichtet. Salmond hat die Schotten in seiner Rücktrittsrede dazu aufgerufen, „den Westminster-Parteien zur Einhaltung ihres Gelöbnisses einzuheizen“.

Premier David Cameron hat eine Ausweitung der Autonomie Schottlands bekräftigt, zugleich aber gleiche Rechte auch für England, Wales und Nordirland verlangt. England hat als einzige der vier konstituierenden Nationen des Vereinigten Königreichs kein eigenes Landesparlament. Mit dieser Forderung erwischte Cameron ganz offensichtlich Labour-Chef Ed Miliband auf dem falschen Fuß. Vor dem Parteitag in Manchester sprach sich Miliband gegen einen „Schnellschuss“ aus. Vor einer Staatsreform forderte er die Einberufung eines Verfassungskonvents.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2014)