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EM-Begeisterung, gewaltbereites Publikum, Dreitagesbärtchen

Land des Sportliberalismus

Zur Fußball-Europameisterschaft.
Die Fußball-EM-Begeisterung zahlreicher Österreicher zeigt die positive Wertschätzung des Leistungswettbewerbes und der Konkurrenzfairness. Warum ist Österreich ein Land des Sportliberalismus, aber nicht ein Land des Wirtschaftsliberalismus? Der Wettbewerb ist nicht nur im Sport ein Entdeckungsverfahren!

Mag. Josef Stargl
1100 Wien

Benzin und Steuern

„Die verlogene Debatte um den Benzinpreis“, Leitartikel, von Franz Schellhorn, 28. Mai
Ich gratuliere zu Ihrer Meinung zum Benzinpreis. Nach dem Verursacherprinzip müsste nicht nur die Steuer bei der Anschaffung des Fahrzeuges auf den Benzinpreis gerechnet werden, sondern auch die KFZ-Steuer und die Haftpflichtversicherung. Bei einem Drei-Euro-Benzinpreis würde man doch beim Autokauf zuerst auf den Spritverbrauch sehen, es würden – hoffentlich – unnütze Fahrten unterbleiben, Fahrgemeinschaften gebildet und auf öffentliche Verkehrsmittel umgesattelt werden. Die Umwelt würde es uns danken!

Mag. Franz Lebenbauer
8160 Weiz

Harsche Kritik statt Dank

„Schmalspurmonarchen mit goldenem Herz“, Leitartikel, von Michael Prüller, 29.Mai
Willi Molterers allerliebstes Dreitagebärtchen berührt bei jedem TV-Anblick sanft mein Herz, erinnert es doch an ein putziges Igelchen, das im trotzigen Stolz seine ersten Stacheln zeigt. Dabei liegt ihm nichts ferner als solches Gehabe, teilt er doch voll der bescheidenen Herzensgüte mit milder Hand ein par Cents von den Euros aus, die er den auf ihr Auto angewiesenen Berufstätigen zuvor abgenommen hat.

Und dafür muss er Michael Prüllers verständnislos harsche Kritik einstecken, statt gerührten Dank für ein großzügig hingeworfenes Almosen zu ernten. Armer Willi. So schwer ist Regieren, wenn man so undankbare Untertanen hat.

Hermann Polz
1130 Wien

Realisierung der Fiktion

Der Tod kommt zwei Mal, 28. Mai
„Funny Games“ ging gerade deshalb so unter die Haut, weil man sich die Realisierung der Fiktion ohne weiteres vorstellen kann. Ausgehend von einer ganz banalen Eingangsszene („Könnten Sie uns ein paar Eier borgen?“) wird ohne Action und materiellen Aufwand die totale Machtergreifung über Leben und Tod aufgebaut und ausgekostet. Die Gefahr, dass der Film Menschen anspricht, die Derartiges faszinierend finden, war gering: Gewaltbereite Jugendliche schauen sich alle möglichen Filme an, aber wohl keinen von Haneke.

Das soll sich ändern: Erklärtes Ziel des Remake ist es, in den USA ein breites und damit auch ein gewaltbereites Publikum anzusprechen. Die Schlagzeile: „Ganze Familie im Feriendomizil ausgerottet – kein Raub, Motiv unbekannt“ wird offenbar bewusst in Kauf genommen.

Die Freiheit der Kunst ist unantastbar. Ebenso die Freiheit der Wissenschaft, auch wenn sie Atombomben produziert.

Dr. Heinz Kail
1010 Wien

Islamophobie salonfähiger

„Intervention gegen jede (Islam-)Kritik“, Meinung, von Rainer Nowak, 28. Mai
Rainer Nowak hat Recht. Zum vielzitierten Dialog gehören tatsächlich auch kritische Stimmen. Und leider verhalten sich Muslime hie und da auch tatsächlich zu wehleidig. Doch sein Urteil in diesem besagten Fall ist nicht ganz treffend. Zum einen müssen die Begleitumstände in Betracht gezogen werden. In Österreich wird Islamophobie immer salonfähiger, wir leben in einer Zeit, in der selbst Parteien rechts der Mitte wie die ÖVP im Metier der Freiheitlichen zu wildern versuchen, um am rechten Wählerrand zu fischen. Der Ort Traun, in dem die besagte Veranstaltung hätte stattfinden sollen, ist historisch belastet. Traun war bis dato der einzige Ort in Österreich, in dem eine Moschee aufgrund eines Behördenentscheids abgerissen worden ist. Ende letzten Jahres wurden auf einem Linzer Grundstück, auf dem ein Moscheebau geplant war, Schweineköpfe auf Spießen aufgestellt, in der Hoffnung, den Platz damit zu entweihen und den Bau zu verhindern. Unter diesen Umständen halte ich es für legitim, einen sensiblen Umgang mit dem Thema Islam und Muslime einzufordern.

Der Dialog braucht ohne Zweifel kritische Stimmen, aber Dialog erfordert auch einen Dialogpartner. Ein muslimischer Dialogpartner, ob kritisch oder nicht, wurde allerdings nicht eingeladen. Geladen wurde ausschließlich eine evangelikale deutsche Vortragende. Frau Dr. Christine Schirrmacher wird von vielen Menschen, zu denen ich mich zähle, nicht als unvoreingenommene Wissenschaftlerin wahrgenommen.

Auf diesen Umstand machte ich die Organisatoren der Veranstaltung aufmerksam. Diese stellten nach meinen kritischen Bemerkungen von sich aus Recherchen an und kamen selbstständig zum Entschluss, die Einladung nicht weiter zu fördern, weil sie anscheinend meine Befürchtungen teilten, dass hierbei der Dialog und das Miteinander eben nicht gefördert werden werden.

Frau Schirrmacher soll auftreten und reden dürfen, wo immer sie will. Ich habe auch niemals ein Auftrittsverbot für sie eingefordert. Meiner Meinung nach sollte das allerdings nicht unter dem Deckmantel der Integration und des Miteinanders geschehen. Und ob für solche Zwecke Steuergelder in Form von Förderungen bereitgestellt werden sollen, muss diskutiert werden.

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi
Integrationsbeauftragter der IGGiÖ

Interreligiöser Schulterschluss

Bischof: Islam „arrogant“, 30. Mai
Im Bericht über die Aussagen von Bischof Fischer zum Islam wurde ein irrtümlicherweise der Eindruck erweckt, „aktion leben“ habe eine Pressekonferenz zu diesem Thema gemacht.

Tatsache ist, dass diese Pressekonferenz von der Katholischen Kirche Vorarlberg veranstaltet wurde, damit Bischof Fischer öffentlich die parlamentarische Bürgerinitiative der „aktion leben“ unterzeichnet. Unsere Bürgerinitiative heißt „Mit Kindern in die Zukunft – für ein kinder- und elternfreundliches Österreich“. Wir fordern einen Hilfsfonds für Schwangere in Not, Werbung für Schwangerenberatung, Unterstützung für Eltern behinderter Kinder sowie Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung und mehr Kinderbetreuungsplätze.

Als einer der ersten hat öffentlich und vor Medien der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Prof. Anas Schakfeh, unsere Bürgerinitiative unterzeichnet – gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Michael Bünker und Metropolit Staikos. Oberrabbiner Chaim Eisenberg schickte uns eine Unterstützungsgrußbotschaft dazu. Wir empfanden es als historisches Ereignis, dass es in dieser Sache zu einem ökumenischen und interreligiösen Schulterschluss kam. Als überkonfessionelle und parteiunabhängige Organisation bemühen wir uns um ein gutes Gesprächsklima mit allen, die auf dem Boden der Demokratie in Österreich wirken. Es ist unser Grundprinzip, schwangere Frauen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion zu beraten und zu begleiten.

Mag. Martina Kronthaler
aktion leben österreich

Generalsekretärin

Danke, liebe Expertinnen!

Die Schuld liegt bei der Schule, 21. Mai
Wer sonst, möchte man meinen. Wer, außer den Lehrern, kann schon für alles und jedes verantwortlich gemacht werden, das in österreichischen Landen schief läuft? Nun haben wir also wieder eine Gruppe von „Expertinnen“, die Pauschalverurteilungen gegen die Lehrer von sich geben, und schon stehen sie an prominenter Stelle in der Zeitung. Auch die Lösung für die von den Damen georteten Probleme wird gleich mitgeliefert: Das Zauberwort heißt dann „reflexive Koedukation“. Danke, vielen Dank, liebe „Expertinnen“! Jetzt weiß ich armer, dummer Lehrer endlich, was ich tun muss, um meine Schüler fit zu machen für einen eventuellen Medizinaufnahmetest, der ob seiner Eignung für das Herausfinden geeigneter Mediziner in keiner Weise hinterfragt wird. Jetzt kann ich endlich meine 10 Klassen mit mehr als 200 wissensbegierigen Jugendlichen, die ich im Schnitt zwei Wochenstunden betreuen kann, spielerisch, mit viel Spaß und selbstverständlich auf jeden einzelnen eingehend, die Neugier auf jede Kleinigkeit wecken, die alltäglicher Unterricht so zu bieten hat...

Mag. Arnold Pritz
5571 Mariapfarr

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2008)