SP-NÖ: Gusenbauer für "geeintes Vorgehen"

(c) APA (Herbert P. Oczeret)
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Beim Parteitag in Stockerau gab es mäßigen Applaus für den Bundeskanzler. Josef Leitner erhielt 98 Prozent der Stimmen und folgt Heidemaria Onodi nach.

STOCKERAU. Kritik unerwünscht. Dann unerwünscht, wenn es etwa seinen persönlichen Stil betrifft. Mit dieser Botschaft Alfred Gusenbauers haben die Delegierten beim außerordentlichen Parteitag der SPÖ Niederösterreich am wenigsten gerechnet. Gerade 18 Minuten dauerte das Referat des Bundesvorsitzenden vor den 450 Delegierten und etwa 200 Gästen. So wurde es doch ein klarer Auftritt des einzigen Stars dieses Abends: des neuen Landeschefs (und derzeitigen Vizelandeshauptmannes) Josef Leitner.
Dabei waren die Erwartungen an den Bundesparteichef durchaus hoch gesteckt. „Er wird etwas sagen müssen", meinte etwa der Delegierte Otto Peterl aus Korneuburg. Gusenbauers „Gesudere-Sager" sei beleidigend gewesen, auch jener über die Senatoren, die nichts arbeiten. „Das sind die, die sich für uns abrackern." Josef Hölzl (Zwettl) fordert wiederum endlich einen Erfolg im Sozialbereich, bei der Pflege, bei der Steuerreform und Maßnahmen gegen die Preissteigerungen.

Bernadette Wittman, Delegierte der Jungen Generation, vergleicht den Applaus: den überwältigenden für Josef Leitner und den knappen für Gusenbauer. „Da muss er sich bei uns anstrengen", so ihr Befund.
Die kurze „Anstrengung" Alfred Gusenbauers: Er erwähnte zu Beginn die internationale Finanzkrise und auch andere Krisen, sowie den Besuch von Sarkozy. „Einige Debattenbeiträge", so wechselte er in die parteinterne Politik, „sind nicht unbedingt hilfreich." Er habe nichts gegen Kritik, aber eines sollte man nicht vergessen: „Dass wir geeint und gemeinsam vorgehen." Denn so manche Kritik nütze nur der ÖVP.
Das Weitere spulte Gusenbauer fast automatisch ab: die „sozial gerechte Gesundheitsreform", die Verlängerung der Hacklerregelung (hier erntete er den stärksten Applaus), die Erhöhung der Pendlerpauschale, die Ausbildungsgarantie für die Jugend.

Zum Schluss hängte er sich an den schon zuvor umjubelten Josef Leitner und seine Niederösterreich-Politik an. Leitner müsse im Lande „zeigen, wo der Bartl den Most holt".
Leitner hatte zuvor eine nicht wirklich mitreißende, aber engagierte Rede gehalten, bei der er die Umgangssprache seiner Funktionäre traf. Er versicherte, im Lande „keine „Bussi-Bussi-Politik" zu machen und prophezeite ÖVP-Landeschef Erwin Pröll: „Mein Gegenüber ist wesentlich älter als ich. Ich bin 36, ich werd' ihn politisch überleben." Wie überhaupt die Kampfansage gegen die absolute ÖVP-Mehrheit Leitners Rede prägte. Er wolle bei Landtagswahl 2013 der ÖVP zusetzen, einer ÖVP, „die auf dem Lande d'raufsitzt, wie die Glucke auf ihren Eiern, muss unter 50 Prozent fallen".

Warnung an die Bundespolitik

Leitner, der verstärkt zur Basis gehen will, appellierte mehrmals an die Delegierten und Gäste: „Ohne euch schaffe ich es nicht. Ihr seid wichtig wie ein Stück Brot." Für Gusenbauer hatte er freilich auch eine Botschaft parat: „Ich stehe freundschaftlich zu ihm. Aber ich bringe mich in der Bundespolitik ein, wenn mir etwas nicht passt."

Der Applaus war ihm sicher und auch die Wahl, bei der er freilich einziger Kandidat war: Er wurde mit knapp 98 Prozent zum Landesvorsitzenden gewählt.

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