Make it rain!

Sollen die Zentralbanken Geld direkt an die Menschen verteilen? Klar, klingt irre. Aber ganz ehrlich: es ist inzwischen auch schon egal. Also her mit der Kohle!

Ich bin wieder da.

Wie sollte ich mich auch zurückhalten, wenn sogar der  "Falter am Montag" das Nachrichtenmagazin "profil" schon darüber schreibt.

Es ist nämlich so: Wir sind inzwischen einen entscheidenden Schritt weitergekommen in unserem kleinen monetären Endspiel. Das renommierte Magazin Foreign Affairs (quasi die Presseabteilung des berüchtigten Council on Foreign Relations) hat einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der uns eine Zeit lang beschäftigen wird.

Money for the People! Oder genauer gesagt: Quantitative Easing for the People! So nennen die Autoren ihren Vorschlag, der - vereinfacht gesagt - so aussieht: Die Zentralbanken sollen das Geld, das sie ohnehin in rauen Mengen drucken, doch bitte an die Menschen verteilen, an die unteren Einkommensschichten, damit auch die was von der Gelddruckerei haben - und nicht nur die Banken und Staaten.

Und jetzt sag ich etwas, das einige schockieren wird: Warum eigentlich nicht?

Schenkelklopfer

Klar, ich könnte jetzt die Hyperinflationskeule rausholen. Ich könnte die Frage stellen, ob der Staat gedenkt dieses Gratisgeld von der Zentralbank auch zu besteuern (95% Wahrscheinlichkeit). Oder wie man eigentlich entscheiden will, wer wieviel erhält.

Aber ich bin der Meinung, dass es inzwischen egal ist. Wirklich wurscht. Verteilt das Geld an die Menschen! Die Gescheiten werden es schnell ausgeben und sich was vernünftiges kaufen. Ein iPhone 6 vielleicht.

Was aber viel wichtiger ist: Dieser Artikel von Foreign Affairs markiert eine neue Qualität in der Absurdität der ökonomischen Debatte. Und es ist diesmal offenbar weder den Interventionisten (Keynesianer etc.) aufgefallen, noch den Noninterventionisten (Austrians etv.). Alles was wir bekommen, sind Schenkelklopfer-Reaktionen von beiden Seiten. Die Reaktionen sind erwartbar. Zerohedge: "Schlechte Idee!", Georg Hoffmann-Ostenhof: "Gute Idee!"

Wachstum oder Kollaps

Ich bin tatsächlich dankbar für den Foreign Affairs Artikel und auch über die Begeisterung von Kollege Ostenhof. Jetzt haben wir sozusagen von offizieller Seite schwarz-auf-weiß, dass die bisherige "Krisenbekämpfung" via Zentralbankgeld nichts anderes ist, als eine Vermögensverteilung von unten nach oben auf Speed. Das steht so nämlich nicht bei Piketty.

Jetzt sickert endlich auch in die intellektuellen Schichten der Medien durch, dass frisch gedrucktes und praktisch gratis an die Banken und Staaten verteiltes Geld eben nicht rasch genug auch an die Menschen durchsickert.

Dass Geldpolitik Umverteilungspolitik ist.

Dass Inflation kein gleichmäßiger Prozess ist, sondern ein gradueller und dass es gar kein "allgemeines Preisniveau" gibt.

Kurz: Dass der Kern der Krise im Geldsystem zu finden ist und die geschichtlich einzigartige Inflationierung der Geldmenge seit der Loslösung des Dollar von Gold 1971 hauptverantwortlich für die ungerechte Verteilung von Vermögen auf der Welt ist. Und dass QE, die "Krisenbekämpfung" nichts anderes darstellt, als den Abschluss dieses Raubzuges.

Vielleicht sickert jetzt auch langsam durch, dass die Deregulierung der Finanzmärkte und die gern zitierte "neoliberale Weltverschwörung" ab den späten 70er Jahren nichts mit Kapitalismus und Marktwirtschaft zu tun hatte, aber sehr viel mit der Erhaltung des aktuell bröckelden Geldsystems. Monetarist Milton Friedman ist nicht umsonst der Erfinder des von Foreign Affairs aufgewärmten "Helicopter-Drops".

Man muss sich das wie ein Pyramidenspiel vorstellen (was es im Prinzip ist): es muss immer weiter wachsen, oder es kollabiert.

Dämmert jetzt, warum die Deflationsgefahr so unglaublich furchtbar ist - und die Inflation sogar erwünscht?

Liebe EZB, meine Kontonummer kennt ihr

Deswegen sage auch ich: pfeif drauf! Machen wir es. Her mit der Marie! Ich bin keine Großbank und ich bin kein Staat. Meine Ausgaben steigen ständig. Steuern, Abgaben und Supermarktpreise genauso - und in der Zeitung steht was von Deflationsgefahr.

Also stellen wir den Cantillon-Effekt auf den Kopf und drehen den Spieß um! Liebe EZB, meine Kontonummer kennt ihr ja.

Und keine Angst: QE hat keine nennenswerte Inflation produziert, schreibt Foreign Affairs. Außer halt, dass Reiche das gekauft haben was Reiche eben kaufen - und die Börsenkurse, Kunst und Immobilien auf komplett absurde neue Höchststände getrieben haben. Sonst aber null Inflation!

Die verfügbare Geldmenge für alle Menschen von heut auf morgen zu erhöhen wird also auch keine Teuerung bei den Dingen des täglichen Lebens produzieren. Niemals. Lassen Sie sich ruhig Zeit und legen Sie das Geld von der Zentralbank erstmal auf ein Sparbuch. Ich bin einstweilen shoppen. :)

Ach - und wenn wir schon dabei sind, können wir uns eigentlich die grundsätzlichste Frage dieses Jahrzehnts stellen: Wenn Gelddrucken so super funktioniert - warum gehen wir dann eigentlich arbeiten? Warum zahlen wir Steuern? Ich will es nicht begreifen.

Make it rain!