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IHS: Belegschaft schießt sich auf Chef Keuschnigg ein

IHS-Chef Christian Keuschnigg
IHS-Chef Christian KeuschniggAPA/ROBERT JAEGER
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Das klamme Wirtschaftsforschungsinstitut muss sich wegen Sparmaßnahmen möglicherweise von den Fachbereichen Politik und Soziologie trennen.

Finanzielle Turbulenzen beim Wirtschaftsforschungsinstitut (IHS) sorgen wieder einmal für Aufregung. Dass dem Institut rund 500.000 Euro fehlen, ist nicht neu. Darüber berichtete "Die Presse" bereits im April 2013. Da aber mangels neuer Finanzierungsquellen die Lücke auch nach knapp eineinhalb Jahren nicht geschlossen werden konnte, hat IHS-Chef Christian Keuschnigg nun angekündigt, das Institut möglicherweise zu verkleinern und sich von Soziologie und Politikwissenschaft zu verabschieden. Dementsprechend angespannt ist die Atmosphäre zwischen Teilen der Mitarbeiterschaft und ihrem Chef, berichtete der "Kurier".

Bei einer Betriebsversammlung vor wenigen Tagen sei Keuschnigg demnach sogar zum Rücktritt aufgefordert worden. Ihm wird seitens der Belegschaft auch vorgeworfen, sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bernhard Felderer zu wenig darum zu kümmern, Forschungsaufträge an Land zu ziehen. Er selbst sieht das laut dem Zeitungsbericht anders: Wer seine Lohnkosten nicht hereinspiele, müsse gehen, laute die Devise Keuschniggs. Er könne zu dem Zeitpunkt nichts weiter sagen, die Diskussion mit dem Kuratorium sei im Gange, bestätigte der IHS-Chef die Differenzen.

Verkleinerung "eine Variante"

Ausgangspunkt für die aktuellen Turbulenzen ist, dass das Institut ein neues Büro braucht. Der Mietvertrag des Gebäudes im 6. Wiener Gemeindebezirk läuft nur mehr bis Mitte 2015. Da die zusätzlichen Mittel von einer halben Million Euro für ein neues Büro beziehungsweise den Umbau des alten Standortes fehlen, müsse also gespart werden.

Dass eine Schrumpfung des Institutes kommt, könne er "so" nicht bestätigen, sagte IHS-Chef Keuschnigg. "Das ist eine Variante, es gibt mehrere Varianten, das muss ausdiskutiert werden". Mit diesem Thema ist derzeit das Kuratorium als Aufsichtsbehörde befasst. Aber die Zeit drängt, eine Entscheidung im Herbst scheint notwendig. 

"Wie immer wir das lösen, danach muss es ein konkurrenzfähiges und leistungsfähiges IHS geben, das seine Aufgaben erfüllen kann", so Keuschnigg. Dafür gebe es unterschiedliche Szenarien, die hausintern diskutiert werden. Dass dies auch zu Problemen mit der Belegschaft führe, "ist so", so Keuschnigg.

Keuschnigg schließt Rücktritt nicht aus

"Ich habe klare Vorstellungen und möchte diese realisieren. Ich möchte alle Beteiligten mitnehmen", betont Keuschnigg. Wie bei jedem Unternehmen gebe es verschiedene denkmögliche Szenarien.

Auch einen Rücktritt als Leiter des IHS schließt Keuschnigg in diesem Zusammenhang nicht aus: "Wenn das Finanzministerium und andere Träger unsere Basisfinanzierung nicht mehr bereitstellen, dann ist das ein Szenario". Das stehe derzeit aber nicht im Raum, meinte Keuschnigg. Er sei angetreten und engagiere sich, um persönlich alles zu tun, das IHS zu einem wettbewerbsfähigen Forschungsinstitut auszubauen. "Es ist aber das Problem da, dass uns Ressourcen fehlen. Wir müssen das ausdiskutieren", so Keuschnigg.

>> Artikel im "Kurier"

(APA/red.)