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Helmut L. Kronjäger: Der Kritiker ist verstummt

(c) Gepa
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Helmut L. Kronjäger, Trainer, Weltenbummler, Sportdirektor und Fußballphilosoph, ist im Alter von 61 Jahren verstorben.

Freue dich mit mir! Es ist so traurig, sich allein zu freuen!“ Jedes Mail von Helmut L. Kronjäger endete mit Worten von Gotthold Ephraim Lessing. Der Steirer war nicht nur ein Fußballfachmann, er war vielmehr ein Philosoph, ein Denker, ein Mahner und Wachrüttler. Zwei Jahre lang hat er einen fest entschlossenen Kampf geführt, Mittwochabend hat er ihn verloren. Der Krebs hat den 61-Jährigen besiegt. Helmut L. Kronjäger, von Chemotherapien gezeichnet, aber immer noch voller Lebensfreude und kritischer Geist bis zum Schluss, hat dem österreichischen Fußball viel gegeben. Und hinterlassen.

Kritische Geister werden allzu oft als Querulanten betrachtet, Kronjäger aber ist es immer nur um das Wohl des Fußballs gegangen. Er war ein Weltenbummler, er hat Entwicklungshilfe betrieben, er war eine Art Missionar, in Bhutan, auf den Salomonischen Inseln und in Sri Lanka, er war Cheftrainer bei der SV Ried, er war jahrelang bei Sturm Graz und bei der Wiener Austria in verschiedenen Funktionen tätig. Aber Helmut L. Kronjäger, zehn Jahre lang Sportdirektor beim steirischen Verband, war vor allem eines – Mensch. Die letzte Therapie, die hat er extra verschoben. Weil er unbedingt bei der Hochzeit der älteren Tochter dabei sein wollte.

Der Systemkritiker Kronjäger war tapfer und unermüdlich, aber er kämpfte gegen Windmühlen. Beim ÖFB hat er verschiedene Nachwuchsauswahlen betreut, mit vielen Spielern ist er auch noch lange danach in Kontakt gestanden. Er hat sie stets als seine Buam bezeichnet, gute Freunde durften Petz zu ihm sagen. David Alaba, Manuel Ortlechner etc. haben immer zu ihm aufgeschaut, auch in Graz haben sich viele vor seiner Arbeit verneigt. Dass ihn Ivica Osim, dessen Assistent und großer Bewunderer er war, noch einmal in der Klinik besuchen konnte, dazu ist es nicht mehr gekommen.

„Das L steht für Leben“, diesen Titel hat Kronjäger seinem erst im Frühjahr veröffentlichten Buch gegeben. Ganz bewusst. Weil er anderen Menschen damit Mut machen wollte. Das ist dem 61-Jährigen, der sich vor einem Jahr den Wunsch nach einem Hund („Sir Henry ist einer meiner Leuchttürme“) erfüllte, auch gelungen. Ein Teil des Bucherlöses geht übrigens an die steirische Krebshilfe. „Ohne Krebs“, hat Kronjäger öfters gesagt, „wäre ich pumperlg'sund.“ [ Privat ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2014)

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