Schnellauswahl

Mit neuen Technologien aktiv bleiben

Forscher untersuchen, wie sich neue Technologien in das tägliche Leben älterer Menschen integrieren lassen. In Innsbruck entsteht eine eigene Testwohnung.

Wer im Alter möglichst lang selbstständig zu Hause leben möchte, braucht manchmal Unterstützung. Die soll immer mehr von smarten Technologien kommen. Einen Überblick über den wachsenden Markt haben sich Forscher im Projekt „Testregion West-AAL“ (Ambient Assisted Living) verschafft, das 2014 gestartet ist.

„Es geht darum, die Lösungen der vergangenen Jahre über einen längeren Zeitraum zu bewerten“, sagt Projektleiterin Nesrin Ates vom Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Uni Innsbruck. Sie koordiniert dazu die Arbeit von vier Forschungseinrichtungen, sechs Serviceeinrichtungen für Senioren und Soziales sowie zwei IT-Dienstleistern.

Der Fokus der Forscher liegt auf aktiven älteren Menschen, die, so Ates, „möglichst lang in ihren eigenen vier Wänden bleiben wollen“. Es geht also in erster Linie um Services für Gesunde. Dazu analysierten sie in einem ersten Schritt 79 verschiedene Lösungen. Neben technologischen wurden auch organisatorische, rechtliche und ethische Aspekte sowie der Preis bewertet. Den erarbeiteten Produktkatalog legten sie verschiedenen Testeinrichtungen im Bereich betreutes Wohnen und mobile Pflege vor, die sich nun für bestimmte Modelle entscheiden.

 

Tests in Tirol und Vorarlberg

Als nächsten Schritt testen sie die ausgewählten Technologien 2015 in 74 Haushalten in Tirol und Vorarlberg. „Jeder soll nutzen, was am besten zu den Bedürfnissen passt.“

Dafür, dass die verschiedenen Modelle auch kommunizieren, also Daten austauschen können, sorgt das Austrian Institute of Technology (AIT) als Projektpartner. „Insellösungen helfen wenig. Es braucht Managementsysteme im Hintergrund, um bestmögliche Services für Ältere bieten zu können“, sagt Ates.

In Innsbruck entsteht dazu gerade eine eigene Musterwohnung. Ab Mitte November soll sie zugänglich sein, auch für interessierte Privatpersonen und Hilfseinrichtungen. „Wir wollen leistbare, digitale Services für zu Hause zeigen und weiterentwickeln“, erklärt Ates. Oft seien es schon die einfachen Dinge, die das Leben erleichtern: etwa, wenn der Bewohner nachts aufsteht und die Lichter zum Bad automatisch angehen.

Die auf den ersten Blick „normale“ Wohnung wird aber auch mit speziellen Smart-Home-Komponenten ausgerüstet: Geplant ist etwa eine Sturzerkennung mit automatischem Notrufsystem oder eine Lebensmittelwaage, die prüft, ob das Essen zur Diät passt. Insgesamt will man Services stärker verknüpfen: so, dass sich etwa Heizung und Jalousien auch über AAL-Apps für Senioren steuern lassen. (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2014)