Wie entfernt man Schweißflecken aus historischer Kleidung?

Abgesonderte Salze setzen dem Material über die Zeit schwer zu.

Es ist ein schmutziges Kapitel der Konservierungswissenschaften, das in der Forschung allerdings erst wenig beleuchtet wurde: Verunreinigungen an historischen Kleidungsstücken, verursacht durch Schweiß. Warum beschädigt das körpereigene Sekret wertvolle alte Stoffe? Und: Wie lassen sich diese nach oft sehr langer Zeit wieder reinigen?

Wenn der Mensch schwitzt, sondert er zu rund 99 Prozent Wasser ab. Im Schweiß finden sich aber auch Salze, vor allem Natrium- und Kaliumchlorid. Diese lagern sich an Textilien ab. Dass dies das Material schädigen kann, hat jetzt Textilrestauratorin Regina Höllinger in ihrer Abschlussarbeit nachgewiesen, die sie kommende Woche bei der Fachtagung des Österreichischen Restauratorenverbands vorstellt.

Die feinen Salzkristallpartikel waren im Rasterelektronenmikroskop nachweisbar, mit dem verunreinigte Faserproben abgetastet wurden. Und auch unter dem Lichtmikroskop waren Schmutzanlagerungen und strukturelle Schäden an den Fasern erkennbar. „Gerade die Kombination aus wechselndem Feuchtigkeitsgehalt und spitzkantigen Salzpartikeln schädigt das Material“, so Höllinger.

Für ihre Arbeit untersuchte sie ein Biedermeierkleid aus Seide. Dazu recherchierte sie zunächst in der einschlägigen Literatur zur Textilrestaurierung. Allerdings mit überschaubarem Erfolg, denn „in der wissenschaftlichen Literatur fand sich kaum etwas“, so Höllinger. Daher führte sie Testreihen mit in der Konservierung für andere Zwecke bewährten Reinigungsmethoden durch.

Ihr Fazit: Mit einer nicht ionisschen Tensidlösung, also waschaktiven Substanzen, die sich im Wasser nicht in Ionen auftrennen, erzielt man die besten Ergebnisse. Materialschonende Kompressen mit Löschkarton oder speziellem Gel bewirken nur wenig. Tiefer ins Gewebe eingedrungene Verunreinigungen brauchen offenbar gestern und heute eine richtige Nassreinigung.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2014)

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