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Ein Dollar für einen Euro?

Analysten erwarten einen kräftigen Kursverfall der Europawährung.

Wer bietet mehr? Dass der Euro von der EZB zwecks Konjunkturstützung bewusst auf Talfahrt geschickt wurde, ist unterdessen bekannt. Aber: Wie tief kann das gehen? Mit 1,27 Dollar liegt die Europawährung schon um einiges tiefer als vor den jüngsten EZB-Ankündigungen. Nach Ansicht von Analysten gibt es aber immer noch ziemlich viel Luft nach unten. Bis vor Kurzem war die Parität (ein Euro = ein Dollar) noch weit jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Jetzt gibt es die ersten Beobachter, die das für 2016 annehmen. Schon im kommenden Jahr könnte ein Euro nur noch 1,15 Dollar wert sein, schätzt Goldman Sachs. Speziell dann, wenn die EZB bei ihrer Anti-Deflationsstrategie noch einmal nachlegt und direkte Ankäufe von Staatsanleihen in Betracht zieht.

Die Euroschwäche ist, wie gesagt, durchaus gewollt, denn ein niedriger Außenwert macht Importe teurer und Exporte billiger. Ein nicht zu unterschätzender Faktor in der dräuenden Rezession. Weil viele Anlageprodukte (Rohöl, Gold, US-Aktien) auf Dollarbasis notieren, Währungsveränderungen, also Preistrends, dort noch verstärken oder abschwächen können, sind solche Prognosen durchaus höchst relevant für Anlageentscheidungen.

Auf Währungsveränderungen lässt sich auch direkt herrlich spekulieren. Auch Privaten stehen dafür eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, am einfachsten geht es mit sogenannten CFDs. Aber Vorsicht: Währungskurse verändern sich nicht linear, es gibt durchaus immer wieder kräftige Gegenbewegungen. Und das kann bei gehebelten Produkten (wie etwa CFDs) ordentlich ins Auge gehen. Devisenhandel gilt nicht ohne Grund als Königsdisziplin der Spekulanten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2014)