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Amazon plant Bücherei für E-Books

(c) REUTERS (RICK WILKING)
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Der Onlinegigant will nun auch in Deutschland eine monatliche Flatrate für E-Books einführen. Gegen diese Leihgebühr können Kunden unbegrenzt E-Books downloaden.

Seattle/Frankfurt. Die Frankfurter Buchmesse, das Gipfeltreffen der deutschsprachigen Buchwirtschaft, könnte diesmal für die Branche eine Hiobsbotschaft bereithalten. Laut Informationen der „Wirtschaftswoche“ plant der US-Onlinehändler Amazon nämlich zum Messestart am 4.Oktober in Deutschland, mit Kindle Unlimited eine Flatrate für E-Books einzuführen.

In den USA gibt es diese schon seit Längerem. Gegen eine monatliche „Leihgebühr“ von 9,99 Dollar (7,50 Euro) können Amazon-Kunden so viele Bücher downloaden, wie sie wollen. Diese Verkaufsstrategie würde es Amazon in Deutschland und Österreich ermöglichen, die Buchpreisbindung zu umgehen und so günstigere E-Books zu vertreiben.

Die Buchpreisbindung schreibt den Verlagen vor, für jedes Buch einen unveränderlichen Preis festzulegen, der dann für den Handel verbindlich ist. Diese Preise variieren zwar nach Ausgabe. Ein Buch mit festem Einband kostet mehr als ein Taschenbuch. Der Preis eines E-Books ist allerdings auf dem deutschsprachigen Markt in der Regel nicht oder nur geringfügig niedriger als der eines Taschenbuchs.

 

E-Books gleich teuer

Die meisten Taschenbuchverlage bestehen in den Verträgen mit den Buchhändlern darauf, dass der E-Book-Preis gleich hoch ist wie der Taschenbuchpreis. „Die Verlage verfolgen bei den E-Books eine Preispolitik, die auf das gedruckte Buch zugeschnitten ist“, sagte der Buchhändler und WKO-Obmann der Sparte Buch- und Medienwirtschaft Michael Kernstock jüngst in einem Gespräch mit der „Presse“. Unter dem Deckmantel einer Onlinebücherei könnte Amazon das von den Verlagen diktierte Preislimit allerdings legal unterschreiten.

Amazon-Chef Jeff Bezos verteidigt seine Preispolitik für E-Books damit, dass die Herstellungskosten für die Verlage geringer seien. Amazon übt schon seit Längerem auf große Verlage wie den US-Verlag Hachette oder die schwedische Verlagsgruppe Bonnier (mit Tochtergesellschaft in Deutschland, zu der die Verlage Piper und Ullstein gehören) Druck aus. Bezos fordert höhere Rabatte auf die Verkaufspreise und setzt die Verlage mit der zeitweisen Auslistung von Büchern unter Druck. Tatsächlich fallen bei E-Books die Kosten für Druck, Lagerhaltung und Transport weg. Allerdings – so argumentiert Hachette-Chef Michael Pietsch – machen diese nur einen Bruchteil der Kosten der Verlage aus. Der Verlag investiere auch in Vorschüsse, Lektorat, Gestaltung, Marketing und vieles mehr. Diese Kosten variieren von Buch zu Buch, weshalb auch der von Amazon geforderte Einheitspreis für E-Books von 9,99Dollar nicht realistisch sei. Amazon-Chef Bezos wiederum meint, billigere E-Book-Preise würden die Verkaufszahlen derart steigern, dass alle Parteien davon profitieren.

 

Wenige Verlage für Flatrate

Der Verlag Bonnier will sich an der Flatrate Amazons nicht beteiligen. Nur wenige deutsche Großverlage haben sich bisher dem Kindle-Unlimted-Projekt angeschlossen, heißt es in der „Wirtschaftswoche“. Kleinverlage wie zum Beispiel Dotbooks in München wollen dagegen mitmachen. „Flatrate-Lesen ist ein Modell der Zukunft“, sagte Verlegerin Beate Kuckertz.

Italiens Kulturminister Dario Franceschini überraschte am Wochenende mit dem Vorhaben, traditionsreiche Buchhandlungen vor dem Aussterben zu retten. Er plant eine Verordnung, laut der die Buchhandlungen nicht in Geschäfte anderer Art umgewandelt werden dürfen. Es sei ihm aber klar, dass diese Maßnahme den Buchhandlungen kaum dabei helfen werde, sich gegen die Konkurrenz des Onlinehandels zu rüsten, räumte Franceschini ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2014)