US-Wahlkampf: Obama vor offiziellem Sieg

(c) AP (Chris Carlson)
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Am Dienstag finden die letzten demokratischen Vorwahlen statt. Noch diese Woche dürfte Barack Obama die notwendigen Stimmen für die Präsidentschaftsnominierung erreichen.

Washington. Vor 147 Tagen begann sein Siegeszug mit einem überraschenden Erfolg in Iowa; heute, Dienstag, wird er in South Dakota und Montana mit den letzten Vorwahlen enden. Im Laufe dieser Woche dürfte Barack Obama schließlich als offizieller Präsidentschaftskandidat der demokratischen Partei feststehen. Ein Geschichte schreibender Kandidat: Noch nie seit Gründung der USA gab es einen afro-amerikanischen Anwärter auf das Präsidentenamt.

Hillary Clinton? Ja, die gibt es auch noch, und die Senatorin aus New York erklärte erst wieder am Wochenende, sie werde „weiterkämpfen“. Sie sei die beste Kandidatin für den Job im Weißen Haus, meinte Clinton.

Sieg in Puerto Rico

Auftrieb gab ihr ein Sieg bei den Vorwahlen auf der Karibikinsel Puerto Rico am Sonntag. Das war freilich mehr ein Schönheitswettbewerb, weil die Bewohner des mit den USA assoziierten Staates an der Präsidentschaftswahl im November nicht teilnehmen dürfen. Clinton gewann deutlich mit 68 Prozent vor Obama mit 32; sie bekam 38 Delegierte, ihr Konkurrent 17.

Unterm Strich änderte aber auch dieser klare 2:1-Erfolg nichts am Vorsprung Obamas. Der 42-Jährige hat jetzt 2070 Delegierte, inklusive der Super-Delegierten, die sich bisher für ihn aussprachen. Ihm fehlen noch 48 Delegierte, um die für die Nominierung notwendige Stimmenanzahl zu erreichen.

Bei den Vorwahlen in South Dakota und Montana geht es heute um 31 Delegierte. Etwa 200 Super-Delegierte, die an kein Wahlergebnis gebunden sind und unterstützen können, wen immer sie wollen, haben sich noch auf keinen Kandidaten festgelegt.

Doch das soll sich diese Woche ändern. „Wir möchten den Kampf möglichst bald zu einem Ende bringen, die Super-Delegierten sollten sich bald festlegen“, erklärte der demokratische Parteichef Howard Dean. Ex-Präsident Jimmy Carter forderte Hillary Clinton auf, den Weg für Obama freizumachen und aufzugeben.

Es wird allgemein erwartet, dass sich die verbliebenen Super-Delegierten nach den heutigen Urnengängen in den zwei Bundesstaaten endgültig auf einen der beiden Präsidentschaftsbewerber festlegen. Abhängig davon, wie schnell die Erklärungen kommen, könnte Obama bereits am Mittwoch die notwendige Anzahl von 2118 Delegierten erreichen. „Im Lauf der Woche werden wir einen offiziellen Präsidentschaftskandidaten haben“, sagte der Pressechef von Obama, Robert Gibbs, jedenfalls zuversichtlich.

Kompromiss zu Florida

Die Zahl (ursprünglich waren 2025 notwendig) hat sich nach dem Kompromiss am Wochenende über die Vorwahlen in Florida und Michigan erhöht. Wie berichtet, erhalten die beiden Bundesstaaten die Hälfte der ihnen zustehenden Delegiertenstimmen: Clinton bekommt 52,5 Delegierte von Florida und 34,5 von Michigan. Obama 33,5 und 29,5.

Doch die ehemalige First Lady ist mit dem Kompromiss nicht zufrieden. Sie werde die Entscheidung möglicherweise anfechten, ließ Clinton in der „New York Times“ wissen. Ein Einspruch gäbe ihr mehr Zeit, damit sie um zusätzliche Super-Delegierte werben kann. Die Partei entscheidet erst im Juli über die Zulassung der Delegierten für den Nominierungsparteitag.

Kampf bis zum Parteitag?

Möglich ist, dass Clinton auch dann noch weitermacht, wenn Obama bereits die notwendige Mehrheit erreicht hat. Sie kann den Kampf bis zum Parteitag Ende August in Denver (Colorado) weiterführen. Damit würde sie sich freilich unter den Demokraten wenige Freunde machen, weil das die Chancen Obamas gegen den Republikaner John McCain bei der Präsidentschaftswahl schmälern könnte.

Die Senatorin gab sich am Montag jedenfalls kämpferisch: „Mein politischer Nachruf muss erst noch geschrieben werden“, ließ sie bei einem Flug nach South Dakota wissen. In den meisten Redaktionen liegt er freilich schon auf Abruf bereit.

IN ZAHLEN. DAS DUELL DER DEMOKRATEN

Bei den bisherigen Vorwahlen hat Hillary Clinton 1917 Delegierte gewonnen, Barack Obama 2070. Für die Nominierung zum demo-kratischen Präsidentschaftskandidaten sind 2118 Delegiertenstimmen notwendig. Bei den heutigen Abstimmungen in South Dakota und Montana werden 31 Delegierte vergeben. Die Entscheidung treffen somit die 200 Super-Delegierten, die sich noch nicht festgelegt haben. Obamas Team ist zuversichtlich, noch diese Woche die notwendigen 48 Delegierten zu gewinnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2008)

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