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Vienna Fair: Internationaler Markt - in Wien?

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Es scheint noch nicht ganz klar, wie sich die Wiener Kunstmesse positionieren will. Ein großes Plus ist der Schwerpunkt auf Zentral- und Osteuropa.

Er wolle heuer nicht mit einem Verkaufsstand auftreten, sondern ein „Statement für die Kunst“ machen, erklärt der Wiener Galerist Christian Meyer. Nur fünf Werke der jungen Künstlerin Julia Haller zeigt er auf der Vienna Fair, dazu ein Objekt von Anita Leitz. Kein Licht, zwei leer gebliebene Wände und Werke, die man sich sehr genau anschauen muss, denn auf den schnellen Blick sieht man nur schwarz – das ist ein radikales Statement.

Der kleine Stand ist Teil der „Zone 1“. In dieser Sektion für junge österreichische Positionen zeigen Galerien auf je 20 Quadratmetern zu günstigen, vom Staat finanziell unterstützten Konditionen Solopräsentationen. Die internationalen Sammler seien an junger Kunst besonders interessiert, erklärt Messe-Direktorin Christine Steinbrecher. Auch Emanuel Layr (Wien) nimmt hier teil und zeigt die reduzierten Skulpturen von Benjamin Hirte. Ein größerer Stand sei für ihn nicht möglich, da gleichzeitig der Aufbau in der Galerie standfinde, erklärt er seine Entscheidung für die Zone 1. Und betont ähnlich wie Meyer die herausfordernde Situation, dass die Vienna Fair nur zwei Wochen vor Beginn der Frieze, Londons zentraler Kunstmesse, stattfindet.

Mit dieser kann sich die Wiener Messe zwar kaum messen, fehlen hier doch die großen, international bekannten Galerien. Trotzdem kann sie sich sehen lassen: 99 Galerien nehmen heuer teil, darunter 33 aus Österreich und 41 aus dem Schwerpunktgebiet CEE (Zentral- und Osteuropa). Letztes Jahr waren es 127 Galerien, heuer habe man weniger zugelassen, um die Qualität zu erhöhen, betont Steinbrecher. Ein Fokus ist die Kunst Rumäniens, sieben Galerien und Projekträume geben einen konzentrierten Ein- und Überblick unter den Themen „Adaption und Annahme“. Alert Studio zeigt etwa einen goldenen Mülleimer, „Question: The last object?“ nennt es Alina Buga – ist das alles, was von unserer Zivilisation übrig bleiben wird?

Weniger pessimistisch, aber durchaus kritisch, tritt Aserbaidschan in der Sektion „Vienna Focus“ auf. Die von Aida Mahmudova gegründete Yarat Foundation zeigt drei Werke, die den Stadtteil Sovetsky, einer der ärmsten Bezirke in Baku, vielschichtig thematisieren: düster-dokumentarische Fotografien von Sanan Aleskerov, ein humorvoll-bissiges Video von Orkhan Huseynov, ein ornamental-historisierendes Objekt von Mahmudova. 13 Galerien sind aus Deutschland dabei, darunter die Galerie Diehl (Berlin/Moskau) mit einer Einzelpräsentation von Olga Chemisheva, deren Stand von einem Architekten speziell gestaltet wurde. Solch einen Aufwand sieht man heuer sonst eher selten.

Insgesamt ist die Qualität der Messe überzeugend, aber nicht aufregend. Das liegt einerseits an einer Kunst, die immer weniger radikal und immer dekorativer und anschmiegsamer wird.

 

„Brücke zwischen West und Ost“

Andererseits schient sich Messebetreiber Dimitri Aksenov nicht entscheiden zu können, wie die Vienna Fair positioniert werden soll. 2013 sollte noch die Achse Wien–Moskau gestärkt werden, was heuer passé ist. Auf der Pressekonferenz erklärte er, die Messe solle den österreichischen Galerien helfen, sich auf dem internationalen Markt stärker zu positionieren – in Wien? Außerdem sieht er die Messe als „Brücke zwischen West und Ost“ – ob beide Ansprüche zusammengehen können?

Der CEE-Schwerpunkt ist sicher das große Plus der Vienna Fair, aber auch nicht unproblematisch, wenn wie im letzten Jahr die Verkäufe vor allem dort vermeldet werden, die Erste Bank allerdings 80 Prozent der CEE-Galerien finanziell unterstützt. Da wundert es nicht, wenn zehn der 33 österreichischen Galerien in die günstige Zone 1 ausweichen, um die Kosten niedrig zu halten. Aber hat eine klassische Messe mit breit angelegten Verkaufsständen überhaupt noch Sinn, wenn die wichtigsten Galerien der Stadt lieber sparsam auftreten? Die Zone 1 sieht Meyer als „Besinnungszone für jene Kunst, die man als Galerist sehr gut findet“. Messen seien ein „Fenster zur Öffentlichkeit“, darum sei die Konzentration auf nur eine, dafür wichtige Position der Galerie konsequent.

Bis 5.Oktober, Wien 2, Messeplatz 1, Halle A

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2014)