Schnellauswahl

Atomversuche im KZ Gusen? Historiker suchen Antworten

Experten gehen den Gerüchten rund um das Konzentrationslager nach. Eine für Oktober anberaumte Präsentation soll erste Ergebnisse bringen.

Nach Gerüchten um Atomversuche der Nazis in den Stollen des ehemaligen KZ Gusen im Bezirk Perg sind jetzt Historiker mit der Klärung beauftragt worden. Wegen Vermutungen des Filmemachers Andreas Sulzer hatte es bereits im Februar Bohrungen gegeben, die aber ohne Erkenntnisse blieben. Bezirkshauptmann Werner Kreisl geht es nun aber um "eine geschichtliche Aufarbeitung und Gesamtbeurteilung", erklärt er gegenüber der "BezirksRundschau".

"Ziel ist, die verschiedenen Gerüchte, die im Zusammenhang mit dem KZ-Komplex Gusen bestehen, auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen", so Stefan Karner, Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Uni Graz. Durch zusätzliche Quellen, neue Berichte, bisher unbekannte Zeitzeugen oder wie im aktuellen Fall durch Grabungen würden immer wieder neue Erkenntnisse auftauchen. Dazu komme, dass viele Dokumente zu Gusen mit langen Sperrfristen belegt seien. Teilweise befinden sich auch Unterlagen in Bibliotheken in Moskau und New York oder in US-Militärarchiven. Im Mai 2015, 70 Jahre nach der Befreiung, sollen viele Akten freigegeben werden.

Infoabend für Bürger geplant

Für 22. Oktober ist ein Infoabend mit der Präsentation neuer Erkenntnisse über die Mühlviertler Stollenanlage geplant. Dem zuständigen Bürgermeister von St. Georgen, Erich Wahl (SPÖ), geht es um die Sicherheit der Bevölkerung, und er drängt darauf, die Forschungen voranzutreiben: "Gibt es etwas, das das Grundwasser gefährdet? Wurde mit radioaktiven Stoffen geforscht? Wo sind mögliche Stollen?"

Sulzer will im kommenden Jahr zwei Filme mit Bezug zu Gusen herausbringen. In dem KZ, einem Außenlager von Mauthausen, waren mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen interniert, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Allein das Projekt "Bergkristall" - der Bau einer acht Kilometer langen Stollenanlage zur unterirdischen Flugzeugproduktion - kostete mehr als 8.600 Häftlingen das Leben. Ein Großteil der Gänge wurde mittlerweile aus Sicherheitsgründen verfüllt.