Fernando Alonso hat sich angeblich mit Ferrari auf eine Vertragsauflösung geeinigt und liebäugelt mit McLaren-Honda. Sein Nachfolger soll kein geringerer als Sebastian Vettel sein.
Suzuka/Wien. Bestens gelaunt präsentiert sich Fernando Alonso vor dem Grand Prix von Japan am Sonntag (8 Uhr, live ORF eins, RTL, Sky) und hat am Freitag in der Teambox Weintrauben an Mechaniker und VIP-Gäste verteilt. Der Spanier hat sich in den letzten Wochen ob seiner ungewissen Zukunft bei Ferrari zum größten Spekulationsobjekt der Formel1 entwickelt und gibt sich dennoch entspannt wie zuletzt nur selten. Womöglich, weil die Entscheidung bereits gefallen ist. Wie die „Gazzetta dello Sport“ und der spanische Radiosender Cope berichten, hat sich Alonso mit der Teamführung auf eine Auflösung des bis 2016 laufenden Vertrags zum Jahresende geeinigt. Die offizielle Bestätigung steht noch aus, Alonso selbst antwortete auf die Frage, ob er kommendes Jahr für Red Bull oder McLaren fahren werde, nur: „Das ist sehr schwer zu beantworten.“ Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Motorenhersteller Honda zu seiner Rückkehr im kommenden Jahr als Partner von McLaren den zweimaligen Weltmeister verpflichten will. Es sei noch keine Entscheidung gefallen, versicherte jedoch Motorenchef Yasuhisa Arai.
Außer Frage steht, dass das Verhältnis zwischen Alonso und Ferraris Teamführung nachhaltig zerrüttet ist. Mit Sergio Marchionne und Marco Mattiacci wird der 33-Jährige einfach nicht warm, nicht umsonst windet er sich seit Wochen um ein klares Bekenntnis zur Scuderia. Mit Kritik am Auto und fürstlichen Gehaltswünschen in den Gesprächen über eine Vertragsverlängerung sorgte Alonso für zusätzlichen Unmut. „Man muss den Mut zum Wechsel haben und sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Ich bin aufgerufen, eine Wende zu schaffen und das mögen nicht alle“, erklärte Mattiacci. Die laufende WM-Saison verläuft weder für Alonso noch für Ferrari nach Wunsch: Nur Rang vier in der Fahrer- und der Konstrukteurswertung mit deutlichem Abstand zur Spitze. In Rot fährt Alonso schon seit 2010 dem ersehnten dritten WM-Titel hinterher, inzwischen liegt selbst der letzte Sieg fast eineinhalb Jahre zurück – im Mai 2013 hat er sein Heimrennen in Spanien gewonnen. „Wenn du keine Titel gewinnst, werden die Leute nie denken, dass du der Beste bist“, lautet sein Credo.
Auch Alonsos Nachfolger bei Ferrari soll bereits feststehen. Deutschen Medien zufolge handelt es sich um niemand geringeren als Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel. Der Deutsche hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn ein Engagement beim italienischen Traditionsrennstall reizen würde, in Suzuka hat er allerdings noch eine Einigung dementiert. Von Seiten Red Bulls wollte man sich nicht dazu äußern, doch ist es augenscheinlich, dass Vettel mit der Degradierung hinter Daniel Ricciardo alles andere als glücklich ist.
Taifun als Unsicherheitsfaktor
Im Training bekräftigte WM-Leader Lewis Hamilton mit Bestzeit vor Teamkollege Nico Rosberg, dass auch in Suzuka der Weg zum Sieg über Mercedes führt. Unklar ist, ob und wie der angekündigte Taifun Phanfone sich auf das 15. Saisonrennen auswirken wird. Ein normales Regenrennen würde den Silberpfeilen in die Karten spielen, die Wetterexperten von Ubimet prophezeiten Orkanböen erst für Sonntagabend und Montag. Angesichts der nötigen Abbauarbeiten im Anschluss an das Rennen wird aber weiter über eine Vorverlegung des Starts diskutiert.
Eine besondere Auszeichnung wurde am Freitag Alexander Wurz zuteil. Der Österreicher wurde zum neuen Vorsitzenden der Fahrervereinigung neben Vettel und Jenson Button gewählt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2014)