Max Verstappen, 17, lieferte in Suzuka ein starkes Formel-1-Debüt. Der junge Niederländer zeigte sich auch abseits der Rennstrecke cool und abgeklärt, als er über Playstation-Training und den fehlenden Führerschein sprach.
Suzuka/Wien. Der Mann der Stunde ist eigentlich noch ein Teenager. Mit 17 Jahren und drei Tagen absolvierte Max Verstappen im Suzuka-Training am Freitag für Toro Rosso seinen ersten offiziellen Formel-1-Auftritt und löste damit Weltmeister Sebastian Vettel als jüngsten Piloten an einem Rennwochenende ab. Der hatte einst 2006 mit 19 Jahren und 53 Tagen die ersten Trainingsrunden absolviert. Am Ende belegte Verstappen den zwölften Rang und zeigte sich vom großen Trubel um seine Person unbeeindruckt.
„Alter ist nur eine Zahl“, diktierte Verstappen in die zahlreichen Aufnahmegeräte der dicht gedrängten Journalistenschar um ihn herum. „Es war richtig schön und ich denke, ich kann mich nicht beschweren“, lautete dann sein erstes Fazit. Als er seine Zeit auf dem Monitor gesehen habe, „war ich happy“. 2,696 Sekunden fehlten ihm auf Nico Rosberg, der in der Vormittagssession die schnellste Runde markierte. Auf seinen zukünftigen Teamkollegen Daniil Kwjat büßte Verstappen nur vier Zehntelsekunden ein. Und es wäre noch mehr möglich gewesen. „Ich war nicht einmal ansatzweise am Limit. Ich bin auf Sicherheit gefahren.“
Fünf, sechs Runden, also rund 30 Kilometer, habe er gebraucht, um sich an den Formel-1-Boliden zu gewöhnen. „Die Power ist unglaublich.“ Die Handhabung des Lenkrads mit den vielen Knöpfen und Schaltern sei hingegen keine Herausforderung gewesen. „In meiner Generation wächst man mit so etwas auf. Ich habe schon so oft auf der Playstation gespielt.“
Vor den Augen von Vater Jos, einst Teamkollege von Michael Schumacher bei Benetton, endete die Premiere mit Rauch aus dem Heck nach 22 Runden vorzeitig. Verstappen nahm es gelassen: „Ich hätte vielleicht drei, vier Runden mehr machen können, das hätte keinen Unterschied gemacht.“
Weitere Einsätze folgen
Suzuka gilt als einer der anspruchsvollsten Kurse, mit dem einen oder anderen Tipp vom Papa meisterte der Junior die Herausforderung aber gekonnt. Ein Kinderspiel sei das Rennfahren aber trotz allem nicht. „Es ist niemals leicht, einen Rennwagen am Limit zu fahren, nicht einmal in der Formel 3“, betonte Verstappen. Der 17-Jährige ist erst vergangenes Jahr aus dem Kart in die Formel 3 gewechselt und hatte erst wenige Tage vor seinem Auftritt in Japan die Erlaubnis der FIA erhalten. Aller Voraussicht nach wird Verstappen auch in Austin, São Paulo und Abu Dhabi im Training zum Zug kommen – als Vorbereitung auf sein Renndebüt am 15. März in Melbourne. Dort würde der 17-Jährige den nächsten Rekord aufstellen und den Spanier Jaime Alguersuari als jüngsten Grand-Prix-Piloten ablösen.
Die Konkurrenten ließen sich von der ganzen Aufregung um Verstappen nicht aus der Ruhe bringen, Weltmeister Sebastian Vettel konterte die ewige Fragerei nach dem jungen Kollegen etwa mit viel Humor. „Einer der größten Unterschiede ist, dass ich vom Hotel zur Strecke selbst fahren konnte“, sagte der Deutsche. Verstappen ist derzeit nämlich noch führerscheinlos, der Niederländer fühlt sich auf normalen Straßen aber auch auf dem Beifahrersitz sehr wohl. „Ich genieße es, du kannst ein bisschen schlafen.“ (red)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2014)