USA: Die teuerste Kandidatensuche aller Zeiten

(c) Reuters (Jason Reed)
  • Drucken

Der Vorwahlkampf der Demokraten kostete insgesamt fast 400 Millionen Dollar. Es dauerte 17 Monate, bis man endlich einen Kandidaten hatte.

Washington. Am Tag der letzten Vorwahlrunde der US-Demokraten überschlugen sind in der amerikanischen Medienwelt die Sensationsberichte, Spekulationen und Dementis. Zunächst wurde der Ausstieg Hillary Clintons aus dem demokratischen Rennen gemeldet - prompt folgte das wütendes Dementi ihres Wahlkampfchefs Terry McAuliffe. Dann hieß es, Clinton sei offen für eine Kandidatur als Vizepräsidentin an der Seite Barack Obamas.

Sicher war in diesem Wirrwarr nur: Die Entscheidung im demokratischen Lager war überfällig.
Und sicher ist auch: In den Geschichtsbüchern wird der Kampf um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten 2008 einmal breiten Raum einnehmen. Noch nie wurde so lange um die Nominierung gekämpft und so viel Geld für den Wahlkampf ausgegeben: Insgesamt fast 400 Millionen Dollar.

Acht Kandidaten kündigten ab Jänner 2007 ihre Bewerbung für die demokratische Präsidentschaftsnominierung an. Es dauerte 17 Monate, bis man endlich einen Kandidaten hatte.

Auf der Strecke blieben solch klingende Namen wie John Edwards, der 2004 als „Running Mate“ von John Kerry gegen George W. Bush und Dick Cheney antrat; Joe Biden, der Langzeitsenator und einflussreiche Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses; Bill Richardson, der Gouverneur von New Mexico und möglicher Vizepräsidentschaftskandidat. Und auch Mike Gravel, 78-jähriger Ex-Senator aus Alaska, der im März wegen Aussichtslosigkeit zur „Libertarian Party“ wechselte, aber auch dort nur den vierten Platz bei der Abstimmung über die Präsidentschaftskandidaten erreichte.

Die Parteimitglieder ließen sich den Kampf einiges kosten. Insgesamt spendeten sie den demokratischen Kandidaten die Rekordsumme von 569 Millionen Dollar. Die höchsten Einnahmen erzielte Barack Obama, der im Vorwahlkampf 265 Millionen Dollar sammelte und damit ebenfalls einen Rekord aufstellte: Noch nie in der Geschichte der USA hatte ein Kandidat derart gut gefüllte Kassen.

Hoch verschuldete Clinton

Hillary Clinton kam auf 214 Millionen Dollar, am Ende blieb dennoch ein Minus von angeblich 40 Millionen Dollar. Das sei einer der Gründe, warum die Senatorin aus New York derart lange im Rennen blieb, heißt es. „Es geht nicht um die Vizepräsidentschaft, es geht ums Geld“, zitierte eine Zeitung einen Clinton-Berater: „Es geht vor allem um das Familienvermögen.“ Denn Hillary Clinton steckte 11,5 Millionen Dollar aus der eigenen Tasche in ihren Wahlkampf.

Die Republikaner sind finanziell weit abgeschlagen. Die ursprünglich zwölf Bewerber nahmen gerade einmal 341 Millionen Dollar ein. John McCain, der die Nominierung fix hat, konnte bisher nur 90 Millionen Dollar sammeln; ziemlich genau ein Drittel der Einnahmen von Obama.

Dafür konnten die Republikaner den monatelangen, teils gehässigen Kampf auf demokratischer Seite beruhigt verfolgen. McCain stand bereits nach dem „Super-Tuesday“ am 5. Februar als Favorit für die Nominierung fest, nach Siegen bei Vorwahlen am 4. März lag er uneinholbar voran.

Dabei stand die Kandidatur des 72-jährigen im Juli 2007 schon vor dem Aus. Die Spendeneinnahmen versiegten, die Anhänger blieben aus. Erst mit dem Sieg bei der Vorwahl Anfang Jänner 2008 in New Hampshire brachte sich McCain wieder ins Spiel.

Dass es bei den Republikanern frühzeitig zu einer Entscheidung kam, hat mit dem unterschiedlichen Wahlsystem zu tun. Während die Delegiertenstimmen bei den demokratischen Vorwahlen proportional vergeben werden, kassiert der Sieger einer republikanischen Vorwahl alle Stimmen des jeweiligen Bundesstaates.

Das garantierte, dass McCain in den „Swing States“ (Staaten, die einmal demokratisch, einmal republikanisch wählen) schon Wahlkampf betreiben konnte, als die Demokraten noch einen Kandidaten suchten. McCain ist Dauergast in Florida, das 2000 den Ausschlag für den Sieg Bushs gab; er tourt durch Ohio, dem Bush seine Wiederwahl 2004 zu verdanken hat, durch Pennsylvania und Michigan. Der Kampf ums Weiße Haus geht jetzt aber erst richtig los.

WEG INS WEISSE HAUS

Die Kandidaten für das Präsidentenamt werden bei Parteitagen im Sommer offiziell nominiert. Die Demokraten versammeln sich vom 25. bis 28. August in Denver (Colorado), die Republikaner halten ihren Nominierungsparteitag vom 1. bis 4. September in St. Paul (Minnesota) ab. Die Präsidentenwahl findet am 4. November statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.