Der neue Roman des "Sakrileg"-Autors. „The Solomon Key“ soll in Kürze erscheinen. Es war eine schwere Geburt.
Er hänge gerne mit Hilfe von speziellen Schuhen kopfüber von der Decke, erklärt Dan Brown auf seiner Website. „Das lässt die Ideen fließen und hilft mir, Handlungen für meine Bücher zu finden.“ Der Autor des Weltbestsellers „Sakrileg“ („The Da Vinci Code“) dürfte sich mittlerweile wie eine Fledermaus fühlen: Seit 2003 warten Verlag und Fans auf sein neues Buch.
Versprochen wurde es zuerst für 2005. Dann hieß es, zu Weihnachten 2006 werde der neue Brown in den Geschäften sein. Für 2007 machten Verlag und Agent vorsichtshalber keine Versprechen. Aber jetzt nehmen die Spekulationen konkrete Formen an: Das Manuskript ist angeblich fertig, es gebe ein Datum für die Veröffentlichung. Möglicherweise bereits im Juli, vielleicht auch im September oder Oktober.
„Wir sagen dazu nichts“, erklärt Browns Verlag „Doubleday“, der zur Bertelsmann-Gruppe gehört. Seine Agentin Heide Lange lässt wissen, dass sie „grundsätzlich keine Auskunft“ zu den Spekulationen gebe. Beim US-größten Buchhändler „Barnes & Noble“ sagt eine Sprecherin, man warte „sehr sehnsüchtig“ auf das neue Buch.
Die dunklen Ursprünge des Imperiums
Der Titel des „Sakrileg“-Nachfolgers soll „The Solomon Key“ lauten. Die Handlung spielt in Washington und involviert den ältesten Geheimbund der Welt, die Freimaurer. Romanheld Robert Langdon, der in „Sakrileg“ enthüllt, dass Jesus ein Kind hatte, gehe in „Solomon Key“ der „geheimen Geschichte unserer Hauptstadt“ nach, schrieb Brown in einem Blog auf seiner Webseite.
Die liefert reichlich Stoff für Verschwörungstheorien. Viele Gründungsväter der USA waren Freimaurer, darunter beispielsweise George Washington. Das Siegel auf der Ein-Dollar-Note – ein Auge auf einer Pyramide – halten viele für ein Zeichen des Geheimbundes. Und den Grundstein für den Bau des Washington Monument 1848 stiftete eine Freimaurerloge, die auch die Zeremonie durchführt.
Mittlerweile gibt es in den USA schon mehrere Bücher, die sich in Erwartung des neuen Brown-Bestsellers mit dem „Solomon Key“ beschäftigen: „The Guide to Dan Brown's The Solomon Key“ beispielsweise, „The Key to Solomon's Key“ oder „Turning the Solomon Key“. Im Gegensatz zu Dan Brown haben die Autoren dieser Werke offensichtlich nicht unter Writer's Block, unter Schreibblockaden, gelitten.
Denn die dürfte der Hintergrund für die jahrelange Verzögerung sein. Brown habe schlicht keine Einfälle und Probleme beim Schreiben gehabt, heißt es. Dabei habe er strikt an seiner Routine festgehalten, täglich um vier Uhr früh am Schreibtisch zu sitzen und stündliche Dehnübungen zu machen. Die Zeitspanne von fünf Jahren seit der Veröffentlichung von „Sakrileg“ ist für den Autor tatsächlich ungewöhnlich lange. Seine bisherigen vier Bücher veröffentlichte er im Zwei-Jahres-Takt. Doch der Erfolg von „Sakrileg“, das weltweit 80 Millionen Mal verkauft wurde, dürfte ihn unter Druck gesetzt haben.
„Es ist nicht neu, dass ein erfolgreicher Autor nach einem Bestseller Schwierigkeiten beim Schreiben hat“, meint die Kritikerin Sandy Stewart, die auch gleich warnt: „Das nächste Werk ist, wie der aktuelle Indiana Jones, meist eine Enttäuschung, weil der Vorgänger ein solcher Hit war.“ Der Autor müsse gegen seinen eigenen Erfolg anschreiben, stets mit dem Druck im Hinterkopf, einen ähnlichen Verkaufsschlager zu liefern. „Das macht lockeres, unbeschwertes Schreiben unmöglich.“
Schreibblockaden nach dem Erfolg
Andere Autoren hatten ähnliche Probleme. Charles Frazier etwa, dessen Erstlingswerk „Cold Mountain“ 1997 mit Kritikerpreisen überhäuft wurde, brauchte neun Jahre für das Nachfolgewerk („Thirteen Moons“, 2006). Der Österreicher Robert Schneider ließ sich sechs Jahre Zeit, bevor er nach seinem millionenmal verkauften Debütroman „Schlafes Bruder“ sein zweites Buch („Die Luftgängerin“) fertigstellte.
Brown könnte freilich den Laptop für alle Zeiten zur Seite legen und ausschlafen. Nach Schätzungen verdiente er an seinen vier Büchern 250 Millionen Dollar. Doch Brown sprüht nach eigenen Angaben nur so von Ideen. Er habe Exposés für zwölf weitere Bücher, ließ der 43-Jährige wissen, darunter angeblich eines rund um Wolfgang Amadeus Mozart (der ebenfalls Freimaurer war). Wenn er sich mit denen freilich ähnlich viel Zeit lässt wie mit „Solomon Key“, müsste Brown 103 Jahre alt werden, um alle fertigzustellen.
THRILLER-Erfolgsautor
■Mit „Sakrileg“ (im Original „The Da Vinci Code“) gelang US-Autor Dan Brown 2003 ein Welthit. Die Rätselrallye durch die Kunstgeschichte konzipierte der Exspanischlehrer und gescheiterte Liedermacher Brown nach drei mäßig erfolgreichen Krimis: „Diabolus“ (1998), „Illuminati“ (2000, mit derselben Hauptfigur wie „Sakrileg“), „Meteor“ (2001).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2008)