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Franken-Kredite: Ärger wird es nicht

(c) Bloomberg (Philipp Schmidli)
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Die Währungsverluste der heimischen Franken-Schuldner werden mittelfristig nicht kleiner. Die gute Nachricht: Sie werden auch nicht größer - dank Schweizer Nationalbank.

Wien. Kaum zu glauben, aber es gibt neuerdings auch gute Nachrichten für die heimischen Franken-Kreditnehmer. Und das in Zeiten, in denen auf den Euro quer durch fast alle Währungsmärkte – bildhaft gesprochen – eingeprügelt wird. So hat die europäische Gemeinschaftswährung zum amerikanischen US-Dollar seit Mai um rund neun Prozent an Wert verloren.

Aber die nette Botschaft für die Franken-Schuldner kommt nicht von den Finanzmärkten, sondern von der Schweizer Nationalbank (SNB). Deren Chef hat kürzlich in einem Interview mit der „FAZ“ versichert, dass an dem Franken-Mindestkurs zum Euro nicht gerüttelt werde. Die Märkte hätten den Mindestkurs als glaubwürdig akzeptiert, sagt Thomas Jordan. Das heißt, die SNB wird weiter alles versuchen, dass der Euro nicht unter die Grenze von 1,2 Franken fällt. Derzeit notiert er bei 1,208 Franken. Die Franken-Kreditnehmer ziehen daraus zwei Vorteile.

Erstens haben sie die Gewissheit, dass ihre Franken-Kredite keine weiteren Währungsverluste erleiden werden (also dass sich die Kreditschuld vergrößert, indem der Euro zum Franken an Wert verliert). Das hat vor zwei Jahren noch anders ausgesehen. Da fürchteten viele Marktteilnehmer, dass der Euro auseinanderbricht. Die SNB musste wohl riesige Devisenreserven in die Märkte pumpen, um den Mindestkurs von 1,2 Franken je Euro aufrechtzuerhalten.

 

Hohe Buchschuld seit 2000

Damals gab es nicht wenige Experten, die daran zweifelten, dass sich die SNB das langfristig leisten könnte. Heute hat sich die Lage, im Vergleich zum Sommer 2012, entspannt. Zum Glück für die Franken-Schuldner, und damit wären wir beim zweiten Vorteil: der Planungssicherheit für die mittelfristige Zukunft. Sie können ihre Kredite auf Basis des Kurses 1,2 Franken je Euro bewerten und die weitere Vorgehensweise planen.

Die Gegenwart ist alles andere als rosig. Ein Franken-Schuldner, der sich Anfang 2000 zu einem Gegenwert von 200.000 Euro in Schweizer Franken verschuldete, steht heute mit einer (Buch-)Kreditschuld von rund 265.000 Euro da. Der Währungsverlust beträgt also 65.000 Euro. In der Zwischenzeit hat sich der Franken-Schuldner im Vergleich zu einer Eurofinanzierung allerdings einiges an Zinsen erspart, nämlich rund 33.000 Euro. Unter dem Strich beträgt ihr Nachteil 32.000 Euro.

Ebenso ist für die mittelfristige Zukunft bei den Franken-Kunden nicht unbedingt überschwänglicher Optimismus angesagt. Auch wenn SNB-Chef Thomas Jordan anmerkt, dass ohne die geopolitischen Verwerfungen wahrscheinlich eine Abwertung des Franken anstehen würde. In der Praxis wird es diese Franken-Abwertung so bald nicht geben. Vor allem nicht in dem Ausmaß, dass der oben genannte Kunde, der den besagten Franken-Kredit Anfang 2000 aufgenommen hat, ohne Verlust aussteigt. Damit das passiert, müsste der Euro auf 1,37 Franken steigen.

Zwischen dem aktuellen und dem nötigen Euro-Franken-Kurs liegt eine Lücke von fast 14 Prozent. Das wird der Euro, so weit kann man vorausblicken, nicht aufholen. Nicht nur, weil der Euro seit 2010 nicht mehr so stark war. Sondern auch, weil das nötige (geo-)politische und konjunkturelle Umfeld dafür fehlt.

 

Zinsen überall niedrig

Im wahrsten Sinn des Wortes sitzen die Franken-Schuldner derzeit fest. Der Währungskurs wird ihre Lage nicht verbessern – und auch die Zinsen werden es nicht tun. Die Europäische Zentralbank hat ihre Zinsen derart gedrückt, dass die Eurozinsen praktisch das niedrige Niveau der Franken-Zinsen erreicht haben. Der Euribor 3 Monate steht aktuell bei 0,08 Prozent, das Franken-Pendant dazu, der CHF-Libor 3 Monate, steht bei 0,003 Prozent. Zumindest hat SNB-Chef Jordan auch angekündigt, dass die SNB die Franken-Zinsen nicht erhöhen wird.

Für die heimischen Franken-Kreditnehmer bleibt eine positive Botschaft: Die Lage wird sich mittelfristig nicht verschlimmern. Dank der Schweizer Nationalbanker. (ker)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2014)