Schnellauswahl

„Kronen Zeitung“: Funke rüttelt am System Dichand

´KRONE´-GEBÄUDE
´KRONE´-GEBÄUDE(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
  • Drucken

Im Ringkampf zwischen der Funke-Gruppe und den Dichand-Erben ruft der Gong zur nächsten Runde: Funke will den Dichands die Gewinnausschüttung kündigen.

So ein Privileg ist in der Medienbranche mittlerweile undenkbar: Jedes Jahr erhält die Familie Dichand als Hälfte-Eigentümerin der „Kronen Zeitung“ eine garantierte Gewinnausschüttung. Die WAZ-Gruppe (heute: Funke Mediengruppe) hatte Hans Dichand bei ihrem Einstieg 1987 einen vom erwirtschafteten Ergebnis unabhängigen Fixgewinn garantiert, der auch ausbezahlt wurde, wenn die „Kronen Zeitung“ gar nicht so viel erwirtschaftete. Knapp zehn Millionen Euro jährlich wurden kolportiert – und wenn die „Kronen Zeitung“ bzw. ihre Beteiligung an der Mediaprint das nicht abwirft, muss die Funke-Gruppe als zweiter Hälfteeigentümer den Rest beisteuern. Mit dem Tod des mächtigen Zeitungsgründers im Jahr 2010 wurde dem Vernehmen nach zwar ein abgeschwächter Modus für die Erben geltend – die „Mindestgarantie“ sei jedoch noch immer „so etwas wie eine ewige, wertgesicherte Rente auf höchstem Niveau“, ärgert sich ein Manager der Funke Mediengruppe.

Doch damit soll laut „Handelsblatt“ demnächst Schluss sein: Der Essener Konzern wolle den Dichands diverse Sonderrechte ein für alle Mal streichen – und habe die Syndikatsverträge zum 30.Juni 2015 bzw. spätestens zum 30.Juni 2017 gekündigt. Netter Versuch, meint man dazu in der Wiener Muthgasse: „Wenn es so einfach wäre, die Verträge zu kündigen, hätten sie es ja schon vor zehn Jahren machen können“, zitiert die APA eine unbekannte Quelle. Die Verträge seien „nicht so einfach einseitig kündbar“. Das will man gern glauben, denn Vater Dichand wusste genau, wie er sich und seinen Nachkommen Macht und Einfluss sichert – und er hat sich auch posthum in einigen Fragen durchgesetzt.

 

Streit um Herausgeber und Abo-Preis

Zum Beispiel im Streit um die Einsetzung seines Sohnes Christoph Dichand – er ist mit der Geschäftsführerin und Herausgeberin von „Heute“, Eva Dichand, verheiratet – als Herausgeber der „Kronen Zeitung“. Bei Funke ist man von den Fähigkeiten des Dichand-Sprosses nicht eben überzeugt, und man hatte in einer der vielen Streitfronten zwischen Essen und Wien die Legitimität seiner Bestellung infrage gestellt. Ein Konflikt, der wie viele andere Unstimmigkeiten zwischen WAZ bzw. Funke und den Dichands vor einem Schweizer Schiedsgericht landete.

Die WAZ erkannte schließlich zähneknirschend Dichands Herausgeberschaft an – im Gegenzug dafür gab die Verlegerfamilie den Widerstand gegen die Doppelchefredaktion auf: Georg Wailand als Ko-Chefredakteur wurde von der WAZ Christoph Dichand zur Seite gestellt. Ebenfalls nur mithilfe des Schiedsgerichts konnte gegen den Willen der Dichands ein höherer Abo-Preis für die „Kronen Zeitung“ durchgesetzt werden – dafür stimmte die WAZ zu, dass die „Krone“-Gesellschafter in der Mediaprint verpflichtet sind, gemeinsam zu stimmen. Man sieht: Die beiden Hälfteeigentümer der „Kronen Zeitung“ sind einander nicht in Liebe verbunden, vielmehr sind sie vertraglich in einer Zweckehe aneinandergekettet.

Mit der Auflösung der Syndikatsverträge – so sie gelingt, denn die Dichands sind fest entschlossen, dagegen anzukämpfen – könnte jedoch auch in die ungeliebte Partnerschaft Bewegung kommen. Ohne die Sonderrechte der Dichands wären die „Krone“-Anteile gleich viel wertvoller, berichtet das „Handelsblatt“. Der Funke-Konzern steht in der Kreide: Eigentümerin Petra Grotkamp hat für den 50-Prozent-Anteil der Familie Brost eine halbe Milliarde Euro bezahlt und weitere 920 Millionen für Medien des Axel-Springer-Verlags. Die Dichand-Seite vermutet denn auch: „Die brauchen Geld und versuchen, die Braut aufzuschmücken.“

Funke dementiert: „Wir führen im Moment keine Verkaufsverhandlungen.“ Das „Handelsblatt“ denkt denn auch in die andere Richtung: Bei Funke halte man auch die Übernahme der Dichand-Anteile nicht für ausgeschlossen. Die „Krone“ in deutscher Hand? Eine verwegene Idee. Die Dichands werden ihren Einflussbereich nicht räumen. Mit weiteren Runden im Dauerstreit um den Boulevard ist daher zu rechnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2014)