Mit „Kruso“, seinem ersten Roman, gewann der 51-Jährige Ostdeutsche, der bisher als Lyriker reüssierte.
Zum zehnten Mal wurde in Frankfurt am Main am Vorabend der Eröffnung der Buchmesse der Deutsche Buchpreis verliehen. Lutz Seiler setzte sich mit seinem Debütroman „Kruso“ (Suhrkamp) gegen fünf Konkurrenten durch (darunter der Österreicher Heinrich Steinfels). Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die sieben Juroren begründeten am Montag ihre Entscheidung im Kaisersaal des Römers, die per Livestream im Netz übertragen wurde, mit Seilers „lyrischer, sinnlicher, ins Magische spielenden Sprache“, die den Sommer 1989 auf der Insel Hiddensee beschreibe – „einem Vorhof des Verschwindens. Hier sammelten sich Sonderlinge, Querdenker, Freiheitssucher, Menschen, die aus der DDR fliehen wollten.“
Man dürfe die packende Robinsonade als wortgewaltige Geschichte eines persönlichen und historischen Schiffbruchs lesen: „Der Text entwickelt eine ganz eigene Dringlichkeit und ist nicht zuletzt ein Requiem für die Ostseeflüchtlinge, die bei ihrer Flucht ums Leben kamen.“ Gelobt wird auch die „vollkommen eigenständige poetische Sprache“ des am 8. Juni 1963 im thüringischen Gera-Langenberg geborenen, derzeit bei Berlin lebenden Autors, ihre sinnliche Intensität und Welthaltigkeit“.
Bisher ist er vor allem als Lyriker und Verfasser von kurzer Prosa in Erscheinung getreten. „Die Freude ist groß“, sagte Seiler in einer kurzen Dankesrede, das sei „heute Abend ein großer Bahnhof“ für ihn.
Erste Gedichte bei der Volksarmee
Seiler war bereits zuvor vielfach ausgezeichnet worden. Unter anderem hat er 2014 (ebenfalls für „Kruso“) den Uwe-Johnson- sowie 2007 den Ingeborg-Bachmann-Preis (für die Erzählung „Turksib“) erhalten. Mit dem Erzählband „Die Zeitwaage“ war er 2010 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. In seiner Wehrdienstzeit bei der Nationalen Volksarmee der DDR hatte der gelernte Maurer und Zimmermann damit begonnen, Gedichte zu schreiben, studierte dann Germanistik in Halle und Berlin, gab 1993 die Literaturzeitschrift „Moosbrand“ heraus. Seither ist von ihm eine Fülle von Gedichten, Essays und Erzählungen erschienen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2014)