Religion: 1,3 Millionen für Islamische Theologie

(c) Clemens Fabry
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Schrittweise sollen mit dem neuen Islamgesetz sechs Professuren an der Uni Wien eingerichtet werden. Die ersten Professoren sollen schon 2016 ihren Dienst aufnehmen.

Wien. Das Studium der Islamischen Theologie an der Uni Wien nimmt zunehmend konkretere Formen an. Im Entwurf zum neuen Islamgesetz, das bis 7.November in Begutachtung ist, ist die Einrichtung eines Lehrstuhls mit 1.Jänner 2016 vorgesehen. In einer Folgenabschätzung des Gesetzesentwurfes ist nun auch aufgeschlüsselt, welche Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden. So ist geplant, dass im Jahr 2016 zwei Professuren besetzt werden, 2017 sollen zwei weitere Professorenstellen hinzukommen, je eine weitere soll es 2018 und 2019 geben.

Jede dieser Lehrstellen ist mit 160.000 Euro budgetiert. Das bedeutet, dass im Endausbau 960.000 Euro für den Personalaufwand budgetiert sind. Hinzu kommt laut dem Papier ein betrieblicher Sachaufwand, der pro Professur mit 56.000 Euro gerechnet wird. Im Endausbau wären das 336.000 Euro pro Jahr. Insgesamt ist dem Gesetzgeber das Islamische Theologiestudium also rund 1,3 Millionen Euro wert. Und, so viel ist auch schon klar: Der Entwurf sieht zwar ein eigenes Studium der Islamischen Religionswissenschaft vor, nicht jedoch eine eigene Fakultät.

„Start 2016 ist ambitioniert“

An der Uni Wien hat man bereits Vorüberlegungen angestellt. Sobald das Gesetz in Kraft tritt, will man sich an die Erstellung des Curriculums machen. Dass man 2016 schon die ersten Personen an der Uni haben wird, „ist ambitioniert“, wie es aus dem Rektorat heißt. Aber man werde es jedenfalls probieren. Sollte es keine Verzögerungen geben und alle Deadlines halten, sei ein Start mit dem Herbstsemester 2016 jedenfalls denkbar.

Ist das Gesetz tatsächlich einmal beschlossen, steht für die Universität aber gleich die nächste schwierige Aufgabe bevor – nämlich die Suche nach geeignetem Lehrpersonal. Hier hat man bereits gesichtet, welche Personen infrage kommen könnten, auch wenn die konkrete Qualifikation für die Ausschreibung erst dann festgelegt werden kann, wenn das Curriculum steht. Unklar ist allerdings, ob die betreffenden Personen ab 2016 auch zur Verfügung stehen – denn in den vergangenen Jahren wurden in Deutschland mehrere solcher Bereiche aufgebaut. Und damit sind viele infrage kommende Experten bereits gebunden. Im Rektorat der Uni Wien will man die Personalsuche jedenfalls nicht überstürzen. Im Zweifelsfall, so heißt es, gehe Qualität vor Zeit.

Und, auch das ist den Verantwortlichen der Uni wichtig, es handelt sich bei dem geplanten Studium Islamische Theologie nicht um eine Ausbildung zum Imam – so wie auch das katholisch-theologische Studium keine Priester hervorbringt. An der Uni sollen lediglich die wissenschaftlichen Grundlagen vermittelt werden, eine allfällige Imam-Ausbildung müsste dann an anderen Einrichtungen durchgeführt werden. Und: Das neue Studium ist auch nicht als Ersatz für die Islamische Religionspädagogik gedacht, die seit dem Wintersemester 2006/07 an der Uni Wien angeboten wird.

Weiter Kritik an Islamgesetz

Während es auf der einen Seite konkreter wird, reißt auf der anderen Seite die Kritik am Entwurf zum Islamgesetz nicht ab. Nachdem Rechtsexperten problematische Stellen angesprochen haben – allem voran das Verbot der Finanzierung aus dem Ausland –, wird auch die innermuslimische Kritik lauter. So sieht die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) eine Degradierung von Muslimen zu Bürgern zweiter Klasse. Der „gesetzlich festgeschriebene Generalverdacht“ gegenüber Muslimen sei „untragbar“, heißt es in einer Aussendung.

Schützenhilfe hatten die Muslime auch von evangelischer Seite erhalten. „Es spricht ein bisschen Misstrauen heraus, dass islamische Bürger ein Problem mit dem Staat hätten“, sagte Diakonie-Direktor in der ORF-„Pressestunde“. Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) hatten zudem bemängelt, dass einige Punkte im Entwurf vorhanden seien, die bei den Verhandlungen zuvor kein Thema gewesen seien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2014)

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