Formel 1: Schwierige Suche nach Antworten

JAPAN FORMULA ONE BIANCHI
JAPAN FORMULA ONE BIANCHI(c) APA/EPA/FRANCK ROBICHON (FRANCK ROBICHON)
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Jules Bianchi erlitt bei dem Unfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, gab die Familie bekannt. Die FIA leitete unterdessen eine Untersuchung ein.

Suzuka/Wien. Der Internationale Automobilverband (FIA) hat eine Untersuchung des Unfalls von Jules Bianchi im Grand Prix von Japan eingeleitet. Präsident Jean Todt forderte Rennleiter Charlie Whiting zu einem entsprechenden Bericht auf. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sprach sich zudem für ein externes Experten-Team aus. Von der generellen Sicherheit der Rennwagen ist der Brite aber nach wie vor überzeugt. „Sollte ich jemals einen Unfall haben, dann in einem Formel-1-Auto, denn sie sind die sichersten der Welt“, erklärte Ecclestone. „Solche Dinge passieren, nun gilt es die Ursachen dafür herauszufinden.“ Bis zur Aufklärung des Crashs warnte auch Alexander Wurz als Vorsitzender der Fahrervereinigung vor voreiligen Schlüssen und riet den Piloten von weiteren Stellungnahmen ab. „Wir müssen den Experten die Zeit geben, alles zu analysieren“, sagte der österreichische Ex-Pilot.

Aufschluss soll zum einen die Datenaufzeichnung von Bianchis Marussia-Boliden geben. Noch ist allerdings unklar, in welchem Zustand sich die elektronischen Geräte des Unfallautos befinden. Zum anderen lieferten Videoaufnahmen bereits erste neue Erkenntnisse. Ein kurzzeitig online abrufbares Amateurvideo zeigte etwa, dass Bianchi nicht wie zunächst angenommen seitlich, sondern frontal unter den Bergungskran rutschte. Dabei wurden große Teile des Marussia zusammengestaucht, sogar der Überrollbügel barst komplett.

Nach wie vor zu klären ist, warum Bianchi trotz Doppel-Gelb, was bei Bedarf einen sofortigen Stopp ermöglichen soll, mit rund 180 km/h in die Unfallkurve fuhr. Hierzu herrschte zunächst Aufregung um eine im Video sichtbare grüne Flagge. Allerdings gilt das Signal, in diesem Fall „freie Fahrt“, erst für den nächsten Streckenabschnitt, womit der Einsatz am Posten bei der Unfallstelle korrekt war.

Hoffen auf Schumacher-Arzt

Weiter keine Entwarnung gibt es bei Unfallopfer Jules Bianchi. Der 25-Jährige erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und wird nach wie vor auf der Intensivstation des Mie-Generalkrankenhauses in Yokkaichi behandelt. Er befinde sich unverändert in „einem kritischen, aber stabilen Zustand“, erklärte Vater Philippe Bianchi und bedankte sich im Namen aller Angehörigen für die große Anteilnahme. Die Familie setzt ihre Hoffnungen nun vor allem in Gérard Saillant. Der Franzose gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Neurochirurgie und traf am Dienstag in Japan ein. Saillant zählt zu den Vertrauensärzten von Michael Schumacher und unterstützte auch dessen Behandlung nach dem schweren Skiunfall letzten Dezember.

Für die motorsportverrückte Familie Bianchi ist der Unfall nicht der erste Schicksalsschlag. Jules' Großonkel starb 1969 bei Testfahrten in Le Mans, er war zuvor 17 Mal auch in der Formel 1 gestartet. Im Jahr zuvor war der Großvater knapp dem Tod entronnen. Bei einem Crash an selber Stelle kam er mit schweren Brandverletzungen davon. Jules Bianchi wollte sich dennoch den Formel-1-Traum erfüllen, wenngleich er einmal bekannte: „Es war schwer für mich, denn die Familie wollte kein weiteres Unheil mehr ertragen müssen.“

Über den Kartsport kam er 2007 in die Formel Renault 2.0 und gewann die Serie auf Anhieb. 2010 sicherte sich Ferrari den jungen Fahrer für sein Nachwuchsprogramm. Nach Erfolgen in der GP 2 heuerte Bianchi 2012 bei Force India als Ersatzfahrer an, nebenbei zeigte er mit drei Siegen und acht Podestplätzen in der Formel Renault 3.5 auf. Für das darauffolgende Jahr erhielt der Franzose ein Cockpit bei Marussia. In Monaco gelang ihm dann heuer eine kleine Sensation, als er trotz zweier Strafen als Neunter seine mit Abstand beste Platzierung einfuhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2014)

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