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Test: Nikon Df - Wiederentdeckung der Langsamkeit

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Die Df kombiniert moderne Technik mit Retro-Design und garantiert eine sentimental-nostalgische Reise in die Vergangenheit - zu einems stolzen Preis.

Früher einmal war Fotografie eine kleine Wissenschaft. Man musste Blendenwerte und Verschlusszeiten kennen; musste wissen, dass man weißgekleidete Skifahrer über- und dunkelgekleidete Menschen vor dunklem Hintergrund unterbelichten muss. Man hat nur eine ISO-Einstellung, die damals noch ASA hieß, und wenn man einen Blitz verwendete, musste man aus dessen Leitzahl und der Entfernung zum Objekt den richtigen Blendenwert errechnen (die Belichtungszeit war immer 1/60 Sekunde).

Heute gibt es Motivprogramme, die passend für Sport, Landschaft, Porträt oder Makro Blende und Belichtungszeit wählen. Die "Film"empfindlichkeit wird automatisch eingestellt und wer ein perfekt ausgeleuchtetes Bild haben will, steckt einfach einen Blitz auf die Kamera, den Rest machen kluge ETTL-Programme.

Da überrascht es nicht, wenn sich manche Fotografen in die alten Zeiten zurücksehnen, als Fotografie noch mehr war als das Drücken eines Auslösers. Analoge Kameras erleben ein kleines Comeback, Fotohändler berichten, dass wieder Filme (vor allem schwarzweiße) gekauft werden, und Retrokameras, die die Vorzüge moderner Technik mit einem alten Design verbinden, sind beliebt.

Rechts die Df, links die manuelle FM2
Rechts die Df, links die manuelle FM2Clemens Fabry

Im Stil der F2

Nikon hat diesen Retrotrend mit seiner Df perfektioniert. Eine Spiegelreflexkamera im Stil der legendäre Nikon F2 aus den 1970er-Jahren. Wo es bei digitalen Kameras Knöpfe, Menüs und Untermenüs gibt, gibt es bei der Df Einstellräder. Die ISO-Zahl stellt man nicht etwa über das Display ein, sondern – wie eben einst bei den analogen Kameras – links neben dem Sucher mit einem Wählrad. Auch die Belichtungszeit wird gedreht, rechts neben dem Sucher. Über- oder Unterbelichtung? Links bei der ISO-Zahl in Drittelstufen bis drei Blendenstufen. Die Bildgeschwindigkeit wird rechts gewählt – einfach oder Serienmodus (bis zu 4,6 Bilder pro Sekunde), ein Leisemodus, ein Selbstauslöser und einer für Mehrfachbelichtungen.

Bedienung

Über ein Drehrad kann man auch zwischen Blenden-, Zeit- und Programmautomatik oder manueller Einstellung wählen. Der Auslöser hat die nostalgisch schöne Verschraubung für einen Drahtauslöser – wunderbar, in Zeiten, in denen Kameras schon mit Handys gesteuert werden können. Passend zum Retrodesign verzichtet Nikon auf Motivprogramme, WLAN, GPS oder Videofunktion. Mit der Df kann man fotografieren – und das war`s. Über ein Display auf der Rückseite kann man freilich in die detaillierte Kamerasteuerung gehen, die man heutzutage gewohnt ist.

"Die Wiederentdeckung der Langsamkeit", nennt "Presse"-Fotograf Clemens Fabry die Df, mit der er mehrere Termine für die Printzeitung absolviert hat. Schnell, schnell kann man mit der Kamera gar nichts tun. "Es ist Fotografie pur, man muss ein Bild noch anfertigen – innehalten, nachdenken, die Einstellungen wählen -, nicht einfach eines schießen", meint Fabry.

Wobei etwas beim täglichen Einsatz auffiel: Man ist mit den Wählrädern schneller, als wenn man ISO- oder Blendenwert erst über Knopfdruck und Drehrad einstellt.

 

Der Autofokus der Df kommt von der D610, nicht von den teureren Profikameras von Nikon. Das ist aber auch nicht notwendig, weil die Df sicher keine Kamera ist, mit der man auf den Fussballplatz geht oder die man zur Actionfotografie verwendet. Mit der Df fotografiert man langsam, Bild für Bild.

Bildqualität

Und diese Bilder sehen sehr gut aus. Beim Sensor hat Nikon nämlich nicht gegeizt und auch nicht auf retro gesetzt. Der 16-Megapixel-Vollformatsensor kommt aus der D4, und deren Bildqualität gehört zu einer der besten aller Kleinformatkameras.

Auch bei sehr hohen ISO-Werten stört kaum ein Rauschen, 6400 liefert durchaus brauchbare Ergebnisse. Für manche Tester gewinnt die Df bei ISO 12.800 sogar gegen die D4, deren einzigartig geringes Rauschverhalten wir in einem Test besonders hervorgehoben haben. Wie oft man mit solchen ISO-Werten tatsächlich arbeitet, sei einmal dahingestellt. Wir kamen auch bei wirklich schlechten Lichtverhältnissen bei einem Spaziergang durch ein nächtliches Wien nie über 6400 ISO hinaus.

 

Fazit

Preislich muss man tief in die Tasche greifen, wenn man in fotografischer Nostalgie schwelgen will. 2799 Euro will Nikon in Österreich nur für das Gehäuse haben. Ein sehr stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass die ausgezeichnete D810 nur etwa 400 Euro mehr kostet und die interessante Vollformatkamera D750 sogar 600 Euro weniger. Die Vernunft sagt in dem Fall Nein zur Df, das Herz aber sagt Ja.