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Kritik an teuren Terrassen

(c) Fabry
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Das Wiental-Projekt wird größer und teurer als zunächst angenommen. Auch, weil nun eine Brücke und freies WLAN geplant sind.

Wien. Es soll eine neue Sonnenterrasse werden, eine Art hängender Garten für Wien. Ein Projekt, das man vor anderthalb Jahren, bei der Präsentation, mit New Yorks High Line Park verglich – die drei hängenden Terrassen mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern sollten um fünf Millionen Euro realisiert werden, lautete der Plan.

Nun scheinen die Kosten deutlich zu steigen. Gestern, Mittwoch, wurden im zuständigen Ausschuss die Kosten für die erste Terrasse inklusive diverser Umbauten genehmigt, wie im Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou bestätigt wurde. Wobei die Kosten im ersten Schritt bereits bei 4,3 Millionen Euro liegen.

Die Wiener Stadtopposition wittert einen Skandal: In der ÖVP ist von einer „Kostenexplosion schon vor dem ersten Spatenstich“, die man „Rot-Grün erst einmal nachmachen“ müsse, die Rede. Die FPÖ spricht von einer „gelebten Tradition von Rot-Grün, dass jedes Projekt mindestens doppelt so teuer wird als geplant“, und nun von Gesamtkosten von neun bis zehn Millionen Euro, auf die die drei Terrassen im Endeffekt kommen könnten.

Aber, bisher geht es bei den Kostenschätzungen und konkreten Plänen ohnehin nur um eine Terrasse. Dominik Krejsa aus dem Büro Vassilakou erklärt, bei der Vermutung, die Kosten seien von fünf Mio. (für das ganze Projekt) auf 4,3 Mio. (für nur eine Terrasse) explodiert, handle es sich um ein Missverständnis. Denn, mittlerweile ist das Projekt am Wiental gewachsen. Um die 4,3Millionen Euro sollen die erste Wiental-Terrasse, der neue Steg über den Wienfluss, eine neue Ampelanlage, freies WLAN und die Neugestaltung des Freibereichs zwischen den Wohnhäusern und der Terrasse finanziert werden. Die Terrasse allein, so Krejsa, komme auf etwa zwei Millionen Euro. Aus der Kostenschätzung der MA29 geht allerdings hervor, dass die rund zwei Millionen reine Baukosten sind. Damit sind die Kosten für die Machbarkeitsstudien oder Planungskosten nicht inkludiert.

 

Zur Wahl soll Terrasse hängen

Die Argumentation des Planungsressorts kann man in der Wiener ÖVP nicht nachvollziehen. Laut der Kostenschätzung schlägt die Brücke, der sogenannte Steg der Freundschaft, der Margareten und Mariahilf unweit des Amtshauses Margareten verbinden (und von den Bezirken mitfinanziert werden) soll, mit gut 500.000 Euro zu Buche. „Die zusätzlichen Kosten für den Steg oder die Ampelanlage machen nur einen kleinen Teil der Kosten aus“, sagt ÖVP-Sprecher Gerhard Hammerer.

Jedenfalls, mit der Genehmigung im Ausschuss gibt es nun grünes Licht für den Bau der ersten Wiental-Terrasse, der im November starten und im März 2015 fertig sein soll. Das, so heißt es, liege im Zeitplan. Verzögerungen in der Umsetzungen dieses Projekts, von denen immer wieder die Rede war, auch wegen angeblicher statischer Probleme, die es gegeben haben soll – das seien alles böse Gerüchte gewesen, wie es im Büro Vassilakou heißt.

Wann aber der Bau der zweiten und dritten Terrasse startet, das steht noch nicht fest. In den kommenden zwölf Monaten aber dürfte sich da nicht viel tun. Und auch, wie hoch die Kosten für das Gesamtprojekt – inklusive dreier Terrassen und aller Umbauten im Umfeld – am Ende sein dürften, dazu gibt es aktuell keine detaillierte Auskunft. (cim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2014)