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Inoperable wird erwachsen: Neue Galerie im ersten Stock

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sie waren die Ersten, die in Wien eine Galerie für Street-Art und junge, urbane Kunst gegründet haben. Nun eröffnet Inoperable am Naschmarkt neu.

Eigentlich haben sie nie damit gerechnet im ersten Stock zu landen. „Wir haben gedacht, bei einer Galerie ist dann doch das Erdgeschoß besser, weil man sichtbarer ist“, sagt Nicholas Platzer. Aber dann sei die Mezzaninwohnung in der Stiegengasse 2 aufgetaucht. 170 Quadratmeter Altbauwohnung, große helle Zimmer mit Panoramablick auf den Wiener Naschmarkt. „Und wir dachten uns nur: wow!“, sagt Platzer. Da war es quasi nur noch ein Bonus, dass die Wohnung billiger ist als so manches Geschäftslokalen im Erdgeschoß.

Die Urban-Art-Galerie Inoperable hat eine neue Bleibe und ist damit wohl auch ein Stückchen erwachsener geworden. Fast ein Jahr lang haben Nicholas Platzer und seine Kollegin Nathalie Halgand nach einem neuen Quartier gesucht, nachdem der Mietvertrag in der Burggasse ausgelaufen war.

Jetzt hat es endlich geklappt. Am Freitag feiert die Galerie mit der Ausstellung „Redux“ ihre Rückkehr und eigentlich den nächsten Entwicklungsschritt. Mehr Platz, ein Buch und überhaupt die Tatsache, dass mittlerweile Kunst im öffentlichen Raum, also das Bemalen von Hausfassaden und Feuerwänden – mit dem sich Halgand und Platzer einen Namen gemacht haben –, leichter möglich ist. Zumindest ein bisschen. „Vielleicht, weil wir jetzt wissen, wie die Behörden funktionieren“, sagt Platzer. „Wir wissen heute, von wem wir als Erstes eine Unterschrift benötigen, damit alles funktioniert.“ Der 30-Jährige hat die Galerie 2006 gegründet. Damals noch als Projectroom in der Lindengasse.

In Providence/New York geboren, kam Platzer als Kind nach Österreich, weil sein Vater bis heute hier lebt, bevor er mit 13 wieder in die USA zurückkehrte. Platzer studierte Film in New York und Australien und blieb dann doch in Wien hängen, weil New York zwar eine Stadt mit vielen Chancen sei, „aber alle wollen die gleichen Chancen haben“, sagt er. Heißt, die Konkurrenz sei enorm.

Freilich, leicht hat es eine Galerie auf dem kleinen österreichischen Kunstmarkt auch nicht. Vor allem, wenn man junge, zeitgenössische Kunst vertritt: Street-Art, Graffiti, Werke von Künstlern, die ihre Wurzeln in der Skater- oder Tattoo-Szene haben. Doch die Erfolge können sich sehen lassen.

Abgesehen von der Galerie (im Rahmen von „Redux“ stellen 37 Künstler aus, mit denen die Galerie schon gearbeitet hat oder arbeiten will), fungiert Inoperable als Vermittleragentur für Kunst im öffentlichen Raum.

Man versteht sich als Schnittstelle zwischen Künstlern und Käufern. Große Murals – von Künstlern gestaltete Wände –, deren Entstehung sie organisiert haben, sind mittlerweile in ganz Österreich zu finden. Etwa in Wien in der Schadekgasse, wo sich der belgische Künstler Roa mit mehreren Tieren verewigt hat, oder in der Kaiserstraße, wo Frau Isa ein überlebensgroßes Pärchen auf die Wand gesprayt hat.

Nächste Woche geht es auch wegen einer „Wall“ für Platzer nach Providence, danach wird er ein Festival in der Dominikanischen Republik kuratieren. In Inoperables Künstlerportfolio finden sich Namen wie Etam Cru, Jaz, Aryz und der eben erwähnte Roa. Eines seiner Werke ziert auch einen kleinen Kasten in einem der neuen Galerieräume. „Der erste Projectroom in der Lindengasse war kleiner als dieser eine Raum hier“, sagt Platzer und grinst. Damals wollte er einfach die Werke seiner Freunde featuren. Erst 2008 kamen Kunsthistorikerin Halgand und ein Fokus auf Street-Art und Graffiti hinzu.

 

Wissenschaftlich aufarbeiten

Halgand ist es auch, die kürzlich ihr Buch „Women, Street, Art & Studio“, präsentiert hat, das sie mit Robert Hinterleitner und Daniel Leidenfrost geschrieben hat. In dem Buch wird die Rolle von Frauen in der Street-Art-Szene wissenschaftlich aufgearbeitet.

Junge Kunst findet einen wissenschaftlichen Rahmen. Da passt es nur gut, dass sich Inoperable schon längst nicht mehr als Street-Art-Galerie bezeichnet. „Zeitgenössische Kunst mit Fokus auf Urban Art“ treffe es eher, sagt Halgand. Einerseits, weil Inoperable nie nur Street-Art ausgestellt habe, andererseits, weil viele ihrer Künstler gar nicht mehr Street-Art im eigentlichen Sinn machen. Sie sind etablierte Künstler, die ihre Wurzeln in Subkulturen haben. Sie stellen regelmäßig in Galerien aus, arbeiten legal und können von ihren Werken leben. Sie sind erwachsen geworden.

AUF EINEN BLICK

Neueröffnung. Am Freitag, dem 10. Oktober (um 19 Uhr), eröffnet die Galerie Inoperable mit der Gruppenausstellung „Redux“ neu am Naschmarkt (Stiegengasse 2/3). Die Galerie befindet sich im ersten Stock. Gezeigt werden Künstler, mit denen die Galerie im Lauf ihres achtjährigen Bestehens schon zusammengearbeitet hat, oder solche, mit denen sie noch zusammenarbeiten will. Etwa Onka Allmayer-Beck, Jaz, Broken Fingaz Crew oder Collin van der Sluijs. Zu sehen sind Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Installation. www.inoperable.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2014)