Der Rückzug der Crash-Theoretiker löst Bitcoin-Kursrutsch aus.
New York. Die virtuelle Währung Bitcoin schwächelt heftig– zumindest, was den Kursverlauf angeht. In den vergangenen zwei Monaten hat sich ihr Wert fast halbiert. Am Wochenende fiel der Preis pro Coin erstmals seit Ende 2013 unter 300 Dollar (238 Euro). Davon lässt sich die Anhängerschaft aber nicht aus der Ruhe bringen.
„Das ist eine Momentaufnahme, es wird rasch wieder nach oben gehen“, meint Nick Spanos. Er ist einer der Gründer des Bitcoin Centers, einer Info- und Lobbyeinrichtung im New Yorker Finanzdistrikt. „Ich habe jeden Tag mit Leuten von Goldman Sachs und anderen Investmentbanken zu tun, die sich für Bitcoins interessieren.“ Andere Beobachter sind weniger optimistisch. „Erinnert sich noch jemand an Bitcoins?– Es geht ihnen schrecklich“, kommentierte Joe Wiesenthal vom Tech-Blog „Business Insider“ am Wochenende.
Gold gab parallel nach
Wo steht das Projekt des freien Geldes, das unabhängig von Staaten, Zentral- und Geschäftsbanken funktioniert, nun wirklich? „Die Leute realisieren, dass Bitcoins zwar geeignet sind, den Zahlungsverkehr effizienter zu machen, aber nicht die großen Währungen wie den Dollar ablösen werden“, sagt Steven Englander, Chefstratege der Citigroup-Devisenabteilung.
Mit anderen Worten: Crash-Theoretiker, die Absicherung gegen einen Systemkollaps suchen, verlassen den Markt. Dafür spricht der parallel erfolgte Preisverfall bei Gold, das auch als Krisenschutz gilt. Nachdem die Bitcoin-Blase Ende 2013 bei mehr als 1150 Dollar platzte, haben sich auch viele Spekulanten zurückgezogen.
Indes gedeiht die Infrastruktur des virtuellen Geldprojekts. Automaten, an denen Bitcoins mit etablierten Währungen wie Euro oder Dollar gekauft werden können, verbreiten sich. Die Unternehmen der Branche sind von einer Krise weit entfernt. Die auf virtuelle Geldbörsen spezialisierte Firma Blockchain schloss am Wochenende mit 30 Mio. Dollar die bisher größte Finanzierungsrunde der Szene ab. Die Kollegen von Coinbase haben die bekannten Silicon-Valley-Finanziers Andreessen Horowitz im Rücken, die bereits bei Facebook richtig lagen. (DPA/red.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2014)