OMV-Vorstände Roiss und Floren müssen vorzeitig gehen - Nachfolge noch offen

Paukenschlag bei Österreichs grösstem Industriekonzern: OMV Chef Gerhard Roiss und Vorstandskollege Hans-Peter Floren stehen vor der Ablöse. Die Aktie fällt auf Zweijahrestief.

Wien. Die Verträge von OMV-Chef Gerhard Roiss und von OMV-Vorstand Hans-Peter Floren sollen vorzeitig aufgelöst werden. Das hat das Aufsichtsratspräsidium der OMV in einer Sitzung am Mittwoch beschlossen, berichtet "Die Presse" aus Kreisen des Kontrollgremiums. Über diese Entscheidung soll bei der kommenden OMV-Aufsichtsratssitzung am 14. Oktober abgestimmt werden.

Die beiden Vorstände, deren Verträge eigentlich noch bis Frühling 2017 laufen, sollen noch  heute Donnerstag  von ÖIAG-Chef Rudolf Kemler über ihre vorzeitige Ablöse informiert werden. Kemler ist in seiner Funktion als ÖIAG-Chef auch Aufsichtsratspräsident der OMV.

Werden Roiss (er hat im Vorjahr 1,6 Millionen Euro verdient) als auch Floren (er verdiente 604.000 Euro) mit Millionen-Abfindungen vor die Tür gesetzt, so wird Kemler geeignete Nachfolger aus dem Hut zaubern müssen. Man darf gespannt sein, ob er eine internationale Lösung wählt oder eine österreichische bevorzugt. Wie eine österreichische Lösung ausschauen könnte? Der ÖIAG-Chef lost einen seiner Manager aus dem ÖIAG-Portfolio an die OMV-Spitze. Gross ist die Auswahl nicht. Es bieten sich nur Vorstände von Telekom Austria und Post an. Allenfalls wäre Post-Chef Georg Pölzl zuzutrauen, die OMV zu leiten.

Im Präsidial- und Nominierungsausschuss führt Kemler den Vorsitz. Dem Ausschuss gehören auch die Aufsichtsräte Markus Beyrer, Wolfgang C. Berndt, Murtadha al Hashmi, Alyazia Ali Saleh Al Kuwaiti, Wolfgang Baumann und Martin Rossmann an.

An der Börse jedenfalls zeigen sich Anleger irritiert.  Die OMV-Aktie geriet am Donnerstag Nachmittag  zusehens unter Druck. Auch zwei Stunden nach Bekanntwerden der möglichen Personalrochaden gibt es noch keine klärende ad-hoc-Mitteilung der OMV oder ihres Hauptaktionärs ÖIAG.

Die Ablöse hatte sich Laut "Presse" aufgrund gravierender wirtschaftlicher und atmosphärischer Probleme in der OMV abgezeichnet. Roiss selbst soll Mitte August in einem Brief an OMV-AR-Chef Kemler die Aufspaltung des Gas&Power-Bereichs in zwei größere Sparten gefordert haben, um den - so die Mutmaßung damals in der "Presse" - "ungeliebten" Gas-Vorstand Hans-Peter Floren zu "entmachten". Die neue OMV-Gasstrategie solle in sechs bis zwölf Monaten fertig sein, hatte Roiss Ende August erklärt.

Der 1952 geborene OMV-Chef Roiss ist seit Anfang der 1990er Jahre im OMV-Konzern tätig. Seine erste Vorstandsaufgabe in der OMV-Konzernleitung übernahm Roiss 1997 - und zwar für Kunststoffe und Chemie. Im Jahr 2000 erhielt er zusätzlich den wichtigen Geschäftsbereich Exploration und Produktion (E&P) übertragen, "die" Cash-Cow des Ölriesen. Mit Jänner 2002 avancierte Roiss zum Vize-Generaldirektor und leitete ab sofort den Bereich Refining und Marketing (R&M) samt Petrochemie. Die damals noch opportune Expansionsstrategie im Marketing (Tankstellen) und in der Verarbeitung wurde später angesichts der Raffinerie-Überkapazitäten in Europa zurückgenommen, von im CEE-Raum aufgebauten Zapfsäulen trennte man sich nach und nach wieder. Mit 1. April 2011 wurde Roiss OMV-Generaldirektor. Er ist auch Aufsichtsratschef der Rumänien-Tochter Petrom und bei der türkischen Petrol Ofisi.

Gerüchte um eine mögliche vorzeitige Vertragsauflösung hatten sich zuletzt verdichtet, nachdem im Sommer ÖIAG-Chef Rudolf Kemler den E&P-Vorstand Jaap Huijskes - der selbst übernächstes Jahr den Hut nimmt - als möglichen Roiss-Nachfolger ins Spiel gebracht hatte.

Roiss selbst soll Mitte August in einem Brief an OMV-AR-Chef Kemler die Aufspaltung des Gas&Power-Bereichs in zwei größere Sparten gefordert haben. Die neue OMV-Gasstrategie solle in sechs bis zwölf Monaten fertig sein, hatte Roiss Ende August erklärt.

OMV ist an der Börse knapp 8,2 Milliarden Euro wert und der grösste österreichische Industriekonzern. Im Vorjahr wurden 42,4 Milliarden Euro umgesetzt und 1,16 Milliarden Euro Gewinn eingefahren. Für heuer erwarten Analysten einen Jahresgewinn von 1,1 Milliarden Euro. An der Börse geht es seit langem abwärts. Die Aktie notiert auf dem tiefsten Wert seit mehr zwei Jahren. Allein seit Jahresbeginn wurden 28 Prozent verloren. Im europäischen Ölsektor zählt OMV zu den zwei Schlusslichtern.

Die Schwäche der OMV-Aktie ist mit ein Grund für die miserable Performace des ATX. Immerhin ist OMV der zweitschwerste Titel im Leitindex der Wiener Börse hinter Erste Group, die heuer schon mehr als 30 Prozent eingebüsst hat. ATX-Schlusslicht ist Raiffeisen mit Verlusten seit Jahresbeginn von rund 35 Prozent. Der ATX hält Donnerstag Nachmittag bei einem Jahresminus von mehr als 17 Prozent. Ebenfalls schwer angeschlagen sind heuer die Papiere von Andritz (minus 14 Prozent), Voestalpine (minus 16 Prozent) und Immofinanz (minus 19 Prozent).

Kemler: Es gibt keine Machtkämpfe

ÖIAG-Chef Rudolf Kemler hatte in einer Aussendung am 18. September auf die Gerüchte über Machtkämpfe bei der OMV reagiert. Hier der Originaltext:

„Es gibt keine Machtkämpfe rund um die OMV sondern eine konstruktive und durch den OMV-Aufsichtsrat geführte Diskussion rund um die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens. Der internationale Öl- und Gasmarkt befindet sich in einem massiven Veränderungs- und Transmissionsprozess, der die bisher gültigen Regeln des Marktes fundamental in Frage stellt. Die OMV ist eines der wichtigsten österreichischen Leitunternehmen. In Anbetracht der massiven Strukturveränderungen kann daher Nicht- oder Zu-spät-Handeln für uns keine Option sein. Wir müssen das Unternehmen rasch und konsequent auf die Anforderungen der Zukunft ausrichten.

Es gibt keine losgelöste IPIC-Meinung in Bezug auf Personalentscheidungen sondern eine gemeinsame Sichtweise im Rahmen unseres Syndikates. Die Zusammenarbeit zwischen ÖIAG und IPIC ist ausgezeichnet und wir sind über alle unternehmerischen Fragen im besten Einvernehmen. Jede Entscheidung im Rahmen der OMV wird daher von ÖIAG und IPIC gemeinsam getroffen. 

Es gibt keine Pläne oder Absprachen irgendwelcher Art, die Borealis an die IPIC zu verkaufen. Dieses Marktgerücht ist falsch und entbehrt jeglicher faktischen Grundlage. Solche nachweislich falschen Meldungen schaden dem Unternehmen und sind entschieden zurückzuweisen. Die ÖIAG handelt im Sinne der Republik und ist in allen wesentlichen Fragen mit den politischen Entscheidungsträgern abgestimmt. 

Ich habe keinerlei Ambitionen auf die Funktion des OMV-Chefs. Ich fühle mich in meiner jetzigen Rolle äußerst wohl und bin damit zeitlich mehr als ausgelastet. 

Sämtlichen vorzeitigen und unrichtigen Personalspekulation muss ich eine klare Abfuhr erteilen. Wir müssen zuerst das Geschäftsmodell der OMV an die sich veränderten Marktmechanismen anpassen. Ein strategischer Review läuft seit Q1/2014 und wird durch den Aufsichtsrat aktiv begleitet. Erst auf Basis der Erkenntnisse aus diesem Projekt macht es Sinn, auf die strukturellen und personellen Fragestellungen einzugehen. An Personalspekulationen beteilige ich mich jedenfalls nicht. 

Summa summarum schaden falsche Gerüchte – von wem auch immer sie in die Welt gesetzt werden – der OMV und damit dem Standort. Wir dürfen nicht zulassen, dass die entscheidende Sachdiskussion über die Unternehmenszukunft beeinflusst oder gefährdet wird. Es wäre daher dringend notwendig, die Gerüchteküche zuzusperren und sich wieder voll auf die Sacharbeit im Interesse des Unternehmens zu konzentrieren.“

OMV-Vorstand Jaap Huijskes geht vorzeitig

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