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Schöne neue Bahnhofswelt

OeBB: FINALE AM WIENER HAUPTBAHNHOF
Wiener HauptbahnhofAPA/HANS PUNZ
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Heute, Freitag wird der neue Hauptbahnhof inklusive Einkaufszentrum offiziell eröffnet. Während 90 Geschäfte aufsperren, haben sich Pläne einer kulturellen Nutzung zerschlagen.

Wien. „Den Helm brauchst ja eh nicht mehr“, ruft ein Mitarbeiter Johann Hartig zu. Er, der Projektleiter der ÖBB am Hauptbahnhof, trägt ihn trotzdem. „Damit man mich erkennt!“, ruft er zurück. Das tut man, schließlich ist Hartig seit 2007 der Leiter des Mammutprojekts. An diesem Nachmittag, Stunden vor der Party und einen Tag vor den offiziellen Feierlichkeiten, ist die Stimmung dort fröhlich, sichtlich gelöst. Denn der neue Hauptbahnhof ist fertig, inklusive Einkaufszentrum Bahnhof-City.

Er ist, wie oft betont wird, einer der modernsten Bahnhöfe Europas. Zur Eröffnung kommen Bundespräsident, Bürgermeister, ÖSV-Skifahrer und der Popsänger Milow. „Willkommen am Hauptbahnhof. Willkommen im Herzen Europas“, tönt Chris Lohners Stimme schon jetzt probeweise aus den Lautsprechern.

 

Auch nur ein ÖBB-Bahnhof

Wie sieht er nun aus, der neue, der moderne Bahnhof? Nun ja, wie Neubau-Bahnhöfe der ÖBB seit Jahren eben aussehen. Modern, hell, glatt. Beton, Plexiglas, blau, grau. Und die Bahnhof-City? Auch ein Einkaufszentrum, wie man es kennt. Viel Glas, Systemgastronomie und Filialen großer Handelskonzerne. Mit einer Verkaufsfläche von 20.000 m ist es etwas größer als jenes am Westbahnhof und kleiner als The Mall in Wien-Mitte. 90 Geschäfte, vom Supermarkt über Gewand bis zu Spielzeug, Friseur, Apotheke – und die Imbiss-Gastronomie darf freilich nicht fehlen.

An den alten Südbahnhof erinnert nur der Markuslöwe, der nebst Formel-1-Boliden in der Haupthalle steht. Dahinter üben schon die Models für die Eröffnungsshow, die Musik aus den Boxen wird aber noch von den Bohrern übertönt. Bauzäune stehen herum, Arbeiter polieren Glas und Handläufe. „Alles nur für die Eröffnung, das Geschraube“, beeilt sich Johann Hartig zu erklären. Sonst sei alles fertig. Noch sind Teile gesperrt, die Orientierung fällt nicht ganz leicht, immerhin versuchen Securitys zu helfen – mit schroffen Hinweisen, wo man nichts zu suchen habe. Obwohl heute, Freitag, groß eröffnet wird, geht der Bahnhof erst Schritt für Schritt in Vollbetrieb (s. unten). Auch das Viertel ringsum wird erst sukzessive fertig – oder erst gebaut.

Was entsteht sonst noch „am Bahnhof“ – und wann? Drei Beispiele: Der Erste-Campus soll Anfang 2016 eröffnen, die Erste Bank zieht samt Tochtergesellschaften und Stiftung dorthin. Letztere wird ihre Bibliothek für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Im ersten und zweiten Stock ist das Geldmuseum beheimatet.

 

Keine Musicalhalle

Dieses ist das einzige größere Kulturprojekt am Bahnhof. Da das Wien-Museum bekanntlich am Karlsplatz bleibt, gab es temporär Gerüchte, eine Musical- oder eine Veranstaltungshalle könnte dessen (Bau)Platz einnehmen. Allein, es hat sich kein Investor gefunden, wie Ernst Gassner, Projektleiter des Quartiers Belvedere Central, kurz QBC, erklärt.

Das QBC liegt neben dem Erste-Campus und wird von Strauss und Partner entwickelt. Es soll 2018 fertig sein und besteht vor allem aus Büros, aber auch Wohnungen. Letztere sollen für Pendler oder als servicierte Appartements genutzt werden. Wie im Erste Campus soll das Erdgeschoß der Gastronomie gehören. Auch zwei Hotels sind geplant. Apropos Wohnen: Auch die BAI, verantwortlich für die ÖBB-Zentrale, entwickelt ein 12.000-m2-Areal. Darauf sollen laut BAI in den nächsten Jahren „hochwertige Wohnungen“ entstehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2014)